HOME

Autos: Rückrufaktion kostet Ford Milliarden

Fast 13 Millionen Firestone-Reifen sollen ersetzt werden, Bridgestone kündigte darauf die langjährige Zusammenarbeit. Neuer Lieferant könnte Continental werden.

Der Autoproduzent Ford hat den Streit mit dem japanischen Bridgestone-Konzern um die Sicherheit von Firestone-Reifen mit einer Milliarden teueren Rückrufaktion verschärft. Ford will 13 Millionen Firestone-Reifen auf seinen Autos ersetzen. Der gewaltige Rückruf kostet den zweitgrößten Autohersteller der Welt im zweiten Quartal dieses Jahres 2,1 Milliarden Dollar (4,8 Mrd DM/2,5 Mrd Euro) nach Steuern. Zugleich nahm Ford die Suche nach neuen Lieferanten auf. Unter den Gesprächspartnern ist auch die deutsche Continental.

Ford bezeichnete den Rückruf am Mittwoch in ganzseitigen US-Zeitungsanzeigen als »Vorsichtsmaßnahme«. Die Reifen könnten in Zukunft erhöhte Fehlerquoten haben. Firestone-Reifen wurden in Zusammenhang mit zahlreichen Unfällen gebracht, bei denen 174 Menschen getötet und hunderte verletzt worden waren. Von den Unfällen waren vor allem Explorer-Geländewagen betroffen. Bereits im August 2000 waren 6,5 Millionen Reifen zurückgerufen worden. Gegen Bridgestone/Firestone und Ford wurden inzwischen zahlreiche Klagen eingereicht. Ford-Aktien gaben am Mittwoch um 19 Cents auf 25,79 Dollar nach.

Unfallserie reißt nicht ab

Die neue Rückrufaktion betrifft 15-, 16- und 17-Zollreifen des Modells »Wilderness AT« von Bridgestones US-Tochter Firestone-Reifenmodells. Sie werden bei amerikanischen Ford-Händlern kostenlos ausgetauscht. Die Ford-Kunden erhalten für den Reifenumtausch bis zu 110 Dollar je 15- und 16-Zoll-Reifen und bis zu 130 Dollar je 17- Zoll-Reifen, falls sie sie bei Reifenhändlern umtauschen. Reifenhändler erwarten angesichts der Rückrufaktion in den kommenden Wochen und Monaten einen Ansturm.

Bridgestone beendet Zusammenarbeit

»Wir haben einfach nicht genug Vertrauen, dass diese Reifen für unsere Kunden sicher sind«, erklärte Ford-Chef Nasser. »Unsere Reifen sind sicher«, versicherte hingegen John Lampe, der Chef der Bridgestone/Firestone. Das wirkliche Problem sei die Sicherheit des Explorer. Bridgestone brach sämtliche Geschäftsverbindungen zu Ford in Amerika ab.

Von der groß angelegten Rückrufaktion werden die Konkurrenten Goodyear, Michelin und Continental profitieren. Sie sollen die 13 Millionen Reifen ersetzen. Continental bestätigte in Hannover Gespräche über die Lieferung von Reifen. Über Umfang und Zeitpunkt möglicher Lieferungen könne Conti noch nichts sagen, hieß es. Goodyear will seine Produktion rasch aufstocken. Michelin will den Reifenaustausch den Kunden so bequem und rasch wie möglich machen.