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Nach Rassismusdebatte Bahlsen benennt "Afrika"-Waffeln um – doch Verbraucherschützer stört noch etwas ganz anderes

Bahlsen
Die Verbraucherzentrale Hamburg rügt Bahlsen.
© Verbraucherzentrale Hamburg
Nach Rassismus-Vorwürfen in sozialen Netzwerken hat Bahlsen seine "Afrika"-Waffeln umbenannt. Geändert wurde aber nicht nur der Name, sondern auch die Füllmenge. Die Verbraucherzentrale kritisiert eine versteckte Preiserhöhung von 34 Prozent.

Gerade erst hat Kekshersteller Bahlsen die Rassismus-Debatte um seine "Afrika"-Waffeln abgeräumt, da gibt es schon neuen Ärger. Denn mit dem Relaunch der beliebten Süßigkeit ging offenbar auch eine massive versteckte Preiserhöhung einher, wie die Verbraucherzentrale Hamburg kritisiert.

Die mit dunkler Schokolade überzogenen Waffeln mit Namen "Afrika" hatten im vergangenen Jahr eine Rassismus-Debatte in sozialen Netzwerken ausgelöst. Obwohl Bahlsen erläutert hatte, der Name beziehe sich lediglich auf den Rohstoff Kakao, der aus Afrika stamme, hatte die Kritik nicht abgenommen. Wegen der negativen Assoziationen entschied sich Bahlsen, das Produkt nach über 60 Jahren am Markt umzubenennen. Der neue Name lautet "Perpetum", was sich vom lateinischen Adjektiv "perpetuus", beständig, ableitet. 

Versteckte Preiserhöhung von 34 Prozent

Wenig beständig war bei dieser Aktion aber der Preis je Gramm. Viele Verbraucher hätten sich beschwert, dass der Hersteller den Produkt-Relaunch genutzt habe, um die Füllmenge pro Packung zu verringern, schreibt die Verbraucherzentrale Hamburg in einem Instagram-Beitrag. Bei konstantem Preis von 1,99 Euro steckten in den Perpetum-Waffeln nur noch 97 statt zuvor 130 Gramm. Das Waffelgebäck sei dadurch um 34 Prozent teurer geworden.

"Wir finden das wirklich dreist, denn an der Rezeptur hat sich laut Zutatenliste und Nährwerttabelle nichts geändert", schreiben die Verbraucherschützer. "Besonders ärgerlich: Die Packung ist quasi gleich groß geblieben, und auch die Anzahl der Waffeln ist nahezu identisch. Auf den ersten Blick scheint also alles in Ordnung zu sein. Doch die einzelne Waffel ist kleiner geworden. So führt man seine Kundinnen und Kunden hinters Licht." 

Hersteller Bahlsen begründet die versteckte Preiserhöhung mit gestiegenen Kosten. Man habe sich entschieden, die Füllmenge zu reduzieren, "um dieses Produkt weiterhin wirtschaftlich produzieren zu können", erklärte ein Bahlsen-Sprecher der Verbraucherzentrale. Die Umstellung sei im April und Mai erfolgt. "Zwischen Rohstoff und Supermarktregal gibt es viele Faktoren die unsere Fixkosten beeinflussen, wenn wir bei der Qualität keine Abstriche machen möchten", so die allgemeine Erklärung.

Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg, der seit Jahren die Fälle von versteckten Preiserhöhungen der Hersteller anprangert, überzeugt das Kostenargument nicht. Höhere Kosten hätte man auch ganz ehrlich durch einen transparent höheren Peis weitergeben können, argumentiert der Verbraucherschützer. Dann hätte sich Bahlsen auch die Kosten für die Umstellung auf eine neue Packungsgröße und eine neue Größe der einzelnen Täfelchen sparen können.


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