HOME

Bahn-Tarife: Bahn-Gewerkschaften brechen mit GDL

Die Gewerkschaften Transnet und GDBA haben die Zusammenarbeit mit der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) bei den Bahn-Tarifverhandlungen aufgekündigt. Das verlautete am Donnerstag in Berlin aus Gewerkschaftskreisen.

Die Gewerkschaften Transnet und GDBA haben die Zusammenarbeit mit der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) bei den Bahn-Tarifverhandlungen aufgekündigt. Das verlautete am Donnerstag in Berlin aus Gewerkschaftskreisen. Transnet-Chef Norbert Hansen und GDBA-Chef Klaus-Dieter Hommel verließen gegen 15.00 Uhr vorzeitig die Verhandlungen.

Die Verhandlung zwischen der GDL und den Vermittlern Kurt Biedenkopf und Heiner Geißler sowie der Bahn dauerten am Donnerstagnachmittag hingegen noch an.

Bereits im Vorfeld der Gespräche hatten Transnet und GDBA heftige Vorwürfe gegen die GDL erhoben. "Die GDL hat sich auf ihre eigene Interpretation der Moderationsvereinbarung festgelegt", so Transnet-Chef Norbert Hansen am Donnerstag. GDBA-Chef Klaus Dieter Hommel warf der GDL vor, den Betriebsfrieden bei der Bahn nachhaltig zu schädigen.

Unterschiedliche Interpretationen

Hintergrund ist das Moderationsverfahren unter Leitung der CDU-Politiker Kurt Biedenkopf und Heiner Geißler im festgefahrenen Tarifkonflikt zwischen der Bahn und der GDL von Ende August. Die dabei getroffene Vereinbarung, in die auch Transnet und GDBA einbezogen worden waren, wird nun allerdings von Bahn, Transnet und GDBA einerseits und der GDL andererseits unterschiedlich interpretiert, sodass beide Seiten bislang nicht zu einer Lösung gefunden haben.

Am Donnerstagnachmittag wollten alle Beteiligten erneut in Berlin zusammenkommen, um das Moderationsergebnis zu erläutern. Hansen hatte sich eine "verbindliche Interpretation für die getroffene Vereinbarung" erhofft. Und hatte schon im Vorfeld gewarnt: "Wenn das nicht gelingt, werden wir nicht mehr mit der GDL zusammenarbeiten."

Ab Anfang Oktober drohen Streiks

Eigentlich sollten die Tarifverhandlungen zwischen Bahn und GDL bis zum 30. September abgeschlossen sein. Bis dahin will die GDL auf Streiks verzichten. Für die Zeit danach drohte GDL-Chef Manfred Schell bereits mit Arbeitskämpfen. Die GDL fordert einen eigenständigen Tarifvertrag, der Entgelt und Arbeitszeitregelungen für Lokomotivführer regelt. Die Gewerkschaft will deutlich höhere Einstiegsgehälter von mindestens 2500 Euro. Derzeit liegen die Einstiegsgehälter bei 1970 Euro brutto. Hinzu kommen monatlich mehrere hundert Euro an Zulagen.

Das Moderationsergebnis von Ende August hatte im Kern vorgesehen, dass die GDL - und parallel dazu - die Tarifgemeinschaft Transnet/GDBA mit der Bahn Verhandlungen über ein neues Entgeltsystem aufnehmen. Die GDL verhandelt dabei für alle Lokführer im Unternehmen, Transnet und GDBA für den Rest der Belegschaft. Grundsätzlich gelte der mit Transnet und GDBA vereinbarte Tarifvertrag, der ab 2008 4,5 Prozent mehr Lohn für alle Bahnbeschäftigten vorsieht. Der GDL wurde zudem ein eigenständiger Gehaltstarifvertrag für die Lokführer zugesichert. Dieser dürfe allerdings nicht im Widerspruch zum allgemeinen Tarifgefüge stehen.

AP/DPA / AP / DPA