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Bahn-Tarifstreit: Bahn bietet 13 Prozent mehr Lohn

Seit Monaten fordert die Lokführergewerkschaft GDL 31 Prozent mehr Lohn. Immer wieder hatte sie aber auch betont, bei einem eigenständigen Tarifvertrag nicht an dieser Maximalforderung festzuhalten. Diesen legte die Bahn nun vor - und sieht sich gleich mit der nächsten Forderung konfrontiert: diesmal von der Gewerkschaft Transnet.

Die Deutsche Bahn bietet den Lokführern zwischen acht und 13 Prozent mehr Geld innerhalb eines eigenständigen Tarifvertrages. Das sagte ein Bahnsprecher am Samstag in Neu-Ulm unter Berufung auf Bahnchef Hartmut Mehdorn. Wichtig sei aber, dass es innerhalb der Bahn ein einheitliches Tarifwerk gebe, in das sich die Vereinbarungen mit den Lokführern konflikt- und widerspruchsfrei einfügen ließen. Er hoffe, dass man am Montag in Verhandlungen eintreten könne. Die GDL will sich am Montagnachmittag zu dem Angebot äußeren.

Der "Spiegel" berichtete von einem Angebot über acht Prozent auf Basis des Vermittlungsangebots der beiden CDU-Politiker Heiner Geißler und Kurt Biedenkopf. Außerdem solle die GDL künftig über alle lokführerspezifischen Punkte getrennt von den übrigen Bahnbediensteten verhandeln dürfen. Dies sei der Gewerkschaft aber nicht genug, man sei mit dem Angebot unzufrieden, berichteten "Spiegel" und "Tagesspiegel am Sonntag" übereinstimmend.

GDL kündigte Beratungen an

GDL-Sprecher Maik Brandenburger erklärte, Hauptvorstand und Tarifkommission der GDL würden sich am Montag zu Beratungen in Berlin treffen und am Nachmittag auf einer Pressekonferenz über die Ergebnisse informieren. Sollte sich die GDL zur Aufnahme von Verhandlungen erklären, gälte die Friedenspflicht und es dürfte nicht gestreikt werden.

Die Lokführer hatten ursprünglich bis zu 31 Prozent mehr Geld gefordert, immer wieder aber auch deutlich gemacht, dass man bei einem eigenständigen Tarifvertrag nicht an dieser Maximalforderung festhalten werde. Die Bahn hatte in ihrem vorangegangenen Angebot ein Gesamtvolumen von bis zu zehn Prozent mehr Geld angeboten. Es umfasste die mit den anderen Bahngewerkschaften Transnet und GDBA im Juli abgeschlossene Tariferhöhung um 4,5 Prozent sowie die Möglichkeit der Mehrarbeit von zwei Wochenstunden und die Auszahlung bereits geleisteter Überstunden. Die GDL hatte die Offerte als "Mogelpackung" bezeichnet und sie zurückgewiesen.

Auch Transnet will mehr Geld

Das neue Angebot der Bahn an die GDL wird nach Ansicht von Transnet-Chef Norbert Hansen den Tarifstreit nicht lösen, Der Chef der konkurrierenden Gewerkschaft sagte dem "Tagesspiegel", er befürchte, dass die GDL noch eigenständigere Regeln wolle und die Verhandlungen daran scheiterten. In der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" erklärte Hansen, man wolle "Verbesserungen bei der Bezahlung für alle Berufsgruppen der Bahn". Es gebe einen starken Druck der Gewerkschaftsbasis. "Ich kann mir 10 bis 15 Prozent als Zielmarke vorstellen", sagte er. Die Anforderungen an die verschiedenen Berufsgruppen bei der Bahn müssten dabei berücksichtigt werden. "Es gibt bei uns Fahrdienstleiter, die steuern nicht einen Zug, sondern 50 bis 60 in der Stunde." Transnet will notfalls auch streiken, um seine Forderungen durchzusetzen. Ein solcher Streik hätte viel stärkere Auswirkungen als der Lokführerstreik, drohte Hansen. Transnet wolle aber zunächst alle Verhandlungsmöglichkeiten nutzen.

DPA / DPA