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Tarifstreit der Lokführer: Angekündigter Rekordstreik nervt selbst Gewerkschafts-Chef

Der kommende Bahnstreik könnte in seiner Dauer alle Rekorde brechen. Zwar verspricht die Lokführergewerkschaft die Reisenden rechtzeitig zu informieren, doch selbst der DGB-Chef ist genervt.

Der angekündigte Streik bei der Bahn könnte der längste in der Geschichte des Unternehmens werden. Doch die Lokführergewerkschaft GDL lässt Bahnfahrer davor weiter zappeln. Sie nennt immer noch keinen konkreten Zeitpunkt für einen weiteren Streik, der dann wieder die Pläne von tausenden Pendlern und Urlaubern durchkreuzen könnte.

"Sie wissen, dass wir die Streikplanung rechtzeitig bekanntgeben, anhand der Länge und auch des Beginns unserer Streikmaßnahme", sagte der GDL-Vorsitzende Claus Weselsky in einem Deutschlandfunk-Interview. Die Menschen würden über die Medien informiert, so dass sie rechtzeitig Alternativen planen und auch buchen könnten.

Außerdem sprach, Weselsky von einer "Hetzkampagne", die gegen die Gewerkschaft und ihn stattfinde. "Das, was hier als Medienkampagne gemacht worden ist, ist schlimm genug, weil wir mit unseren rechtmäßigen Streikmaßnahmen in die Nähe von Terroristen gestellt worden sind. Und das haben weder Lokführer noch Zugbegleiter verdient", sagte Weselsky.

Bahnkunden von Streiks genervt

Am Montagabend hatte Weselsky in ARD und ZDF versprochen, die Fahrgäste würden so rechtzeitig informiert, dass sie bei Zugausfällen noch Alternativen finden könnten. Bahnstreiks hatten zuletzt stets zu einem Run auf Fernbusse, Mitfahrzentralen und Mietwagenanbieter geführt.

Den Vorwurf, den Bahnkunden zuletzt nur wenige Stunden Vorlauf gegeben zu haben, wies er zurück: "Wir haben immer so rechtzeitig informiert, dass die Reisenden sich darauf einstellen konnten."

Der Fahrgastverband Pro Bahn kritisierte die GDL scharf. "Die Fahrgäste haben immer weniger Verständnis für die Lokführer", sagte Pro-Bahn-Sprecher Gerd Aschoff der "Rheinischen Post". "Die Fahrgäste sind die Hauptleidtragenden der Streiks."

Der Arbeitskampf werde die Bahn überdies auf lange Sicht schädigen: "Es besteht die Gefahr, dass die Bahn dauerhaft Kunden an den Fernbusverkehr verliert." Auch im Güterverkehr drohe ein Umsatzverlust, weil die Logistikbranche ihre auf Lkw umgestellten Transporte nicht so einfach wieder ändern werde. "Die GDL sägt am eigenen Ast", warnte Aschoff.

DGB-Chef sieht Streik "sehr skeptisch"

Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat das Verhalten der Lokführergewerkschaft GDL und ihres Chefs Claus Weselsky scharf kritisiert. "Wir setzen uns dafür ein, gemeinsam im Rahmen einer Tarifgemeinschaft zu vernünftigen Lösungen zu kommen", sagte der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann im ARD-"Morgenmagazin". "Das hat Herr Weselsky leider zu meinem Entsetzen abgelehnt". Die konfrontative Linie der GDL sehe er "sehr skeptisch".

Nach Darstellung der Bahn war am Wochenende eine Einigung im Tarifstreit in greifbare Nähe gerückt, die GDL habe die Gespräche dann aber doch platzen lassen. Die Lokführergewerkschaft teilte hingegen mit, die Bahn habe versucht, der Gewerkschaft "die Nichtzuständigkeit für einen Teil ihrer Mitglieder" und einen Verzicht auf das Streikrecht zu diktieren. Über die eigentlichen Tarifforderungen - fünf Prozent mehr Lohn und eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit - sei bislang nicht mit der Bahn verhandelt worden, sagte Weselsky im ZDF.

Beamtenbund schlägt sich auf Seite der Lokführer

Unterstützung für die Lokführergesellschaft kommt hingegen vom Deutschen Beamtenbund (DBB). Angesichts dessen, was die Deutsche Bahn der GDL als Tarifvertrag vorgeschlagen habe, sei die fehlende Unterschrift nachvollziehbar, sagte DBB-Vorsitzende Klaus Dauderstädt der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" zufolge. Die Bahn fordere faktisch eine Art Unterwerfungserklärung von der GDL. Daher sehe er keinen Grund "weshalb wir als Dachverband die in der Satzung vorgesehene finanzielle Streikunterstützung für die GDL infrage stellen sollten".

Nach dem Scheitern der Tarifgespräche mit der Bahn hatte die GDL am Montag weitere Arbeitskämpfe angekündigt. Hauptstreitpunkt ist die Forderung der GDL, nicht nur für Lokführer, sondern auch für andere Berufsgruppen Tarifverträge aushandeln zu dürfen.

stb/DPA/AFP/Reuters / DPA / Reuters
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