HOME

Bieterschlacht: Bayer lockt Schering-Aktionäre

Angesichts des drohenden Scheiterns seiner Übernahmeofferte will Bayer jetzt tiefer in die Tasche greifen: Um die Schering-Aktionäre doch noch zu überzeugen, ist Bayer bereit nun über 86 Euro je Aktie zu zahlen - doch die Zeit wird knapp.

Die 16,5 Milliarden Euro schwere Übernahmeofferte steht auf Messers Schneide: Bayer muss sich bis Mittwoch um Mitternacht mindestens 75 Prozent des Schering-Kapitals gesichert haben, sonst scheitert die Übernahme. Einen Tag vor Ablauf dieser Frist signalisierte Bayer nun Bereitschaft, Schering-Aktien für mehr als die 86 Euro zu kaufen, die im offiziellen Übernahmeangebot geboten wurden. Alle übrigen Aktionäre erhielten den höchsten dabei gezahlten Preis. "Bayer hält konsequent an seinem Ziel fest, die Dreiviertelmehrheit bei Schering zu erreichen", erklärte der Vorstand. Die Schering-Aktie stieg erstmals deutlich über die Schwelle von 86 Euro und hielt sich am Mittag bei 86,91 Euro.

Merck hält knapp 20 Prozent

Merck kauft seit vergangener Woche massiv Aktien zu und hat am Montag bereits 20,7 Prozent an Schering gehalten. Dagegen bröckelt der Rückhalt der Schering-Aktionäre für Bayer. Die Leverkusener büßten knapp 1,4 Prozent der schon angedienten Schering-Aktien ein, was sich mit Aktienkäufen am Markt für bis zu 86 Euro nicht ausgleichen ließ. Bayer meldete, der Konzern habe bisher 60 Prozent an Schering sicher, davon stammen gut 23 Prozent aus eigenen Aktienkäufen.

Selbst darauf, dass Schering seine eigenen Aktien andient, kann Bayer nicht hoffen. "Wir können die Aktien Bayer nicht andienen", sagte eine Schering-Sprecherin, zunächst ohne Gründe zu nennen. Schering hält rund zwei Prozent des eigenen Kapitals. Die Papiere sollten bei Übernahmen und für Aktienoptionsprogramme der Mitarbeiter verwendet werden.

Kuhhandel mit Merck?

Merck wollte sich weiter nicht zu den Motiven für die Aktienkäufe äußern. Der Darmstädter Familienkonzern hatte selbst 77 Euro je Aktie für Schering geboten und war damit von Bayer ausgestochen worden. Experten sehen die Ankündigung aus Leverkusen als Vorspiel einer möglichen Verständigung mit Merck über einen höheren Preis. Dann könnte Bayer die größte Übernahme seiner mehr als 140-jährigen Firmengeschichte doch noch unter Dach und Fach bringen können.

"Das Bayer-Management hat die Türen aufgemacht für einen Handel mit Merck", kommentierte Martin Possienke vom Brokerhaus Equinet. Ohne das Merck-Paket sei es für Bayer fast unmöglich, 75 Prozent zu erreichen. Mehrere Zeitungen berichteten bereits über Gespräche zwischen Merck und Bayer. Experten vermuten, die Darmstädter könnten die Aktien als Faustpfand verwenden, um Bayer zu einer Vertriebsvereinbarung, zur Abgabe von Patenten oder Medikamentenkandidaten zu zwingen. Die Krebsmedizin-Sparte steht dabei im Vordergrund. Ein Analyst aus Frankfurt sagte: "Das ist meines Erachtens die Ouvertüre, um mit Merck zu einer Verständigung zu kommen." Die Frage sei, ob das bis Mittwoch noch klappe.

Merck will an Bayers Patente

"Ich gehe von einem Preis von bis zu 90 Euro je Aktie für das Merck-Paket aus", fügte der Analyst hinzu. Für Bayer bedeute das Mehrkosten von etwa 600 bis 700 Millionen Euro, was aber mit dem laufenden Finanzierungsrahmen zu stemmen sei. Spekulationen, Siemens könne sich mit Merck verbünden, um Zugriff auf die Kontrastmittel-Sparte von Schering zu erhalten, wies der Münchener Technologiekonzern zurück.

Die Bayer-Aktie büßte gut drei Prozent auf 31,24 Euro ein und war damit einer der stärksten Verlierer im Dax. Der größte Schering-Aktionär Allianz ließ seinen Standpunkt in dem Poker offen. "Die jüngsten Entwicklungen können wir nicht kommentieren", sagte eine Sprecherin des Münchener Finanzkonzerns. Die Allianz hatte Bayer ihren Anteil von 11,4 Prozent an Schering angedient.

Reuters / Reuters