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Covid-19: Bill Gates über das Virus: "Es gibt einige Dinge, wie Geschäftsreisen, die nie wiederkommen"

Bill Gates gilt als ausgesprochener Experte, was Epidemien angeht. In einem Podcast erklärte er, wo wir beim Kampf gegen das Coronavirus stehen - und was sich für immer verändern wird.

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Bill Gates ist nicht nur Microsoft-Gründer und einer der reichsten Menschen des Planeten. Er gilt auch als ausgesprochener Experte, was Epidemien angeht. Die "Bill & Melinda Gates Foundation" steckt seit 20 Jahren Milliarden in die Bekämpfung von Infektionskrankheiten. Die Stiftung unterstützt unter anderem die Forschung nach Impfstoffen gegen Aids, Tuberkulose und Malaria. Und engagiert sich nun auch finanziell im Kampf gegen Covid-19.

In einem Podcast-Interview mit dem Chef des Business-Netzwerks Linked-In, Daniel Roth, hat Gates seine aktuellen Einschätzungen zur Lage abgegeben. Das Krisenmanagement der US-Regierung hält er nach wie vor für unzureichend. Um die exponentielle Verbreitung des Virus zu verhindern, müsse ein umfassender Shutdown erfolgen, auch in Teilen des Landes, in denen es bislang wenige Fälle gebe. "Es ist ein Fehler, dass nicht das gesamte Land zu extremen Maßnahmen greift", sagt Gates.

Den Weg zurück in die Normalität sieht er als einen langen schrittweisen Prozess. Eine Öffnung der Wirtschaft in den USA erwartet er nicht vor Anfang Juni, "wenn die Dinge gut laufen". "Ich denke, dass Dinge wie Fabrikfertigung, Bauarbeiten, wieder zur Schule gehen – diese Dinge können passieren." Volle Restaurants und Sportstadien werde man dagegen noch länger nicht sehen. "Es wird so lange halb-normal sein, bis der Impfstoff milliardenfach verfügbar ist."

18 Monate bis zum Impfstoff

Die Herstellung eines Impfstoffes aber sei erstaunlich schwierig. "Normalerweise dauert es fünf Jahre…es gibt ungefähr hundert Versuche auf der Welt, von denen acht bis zehn sehr vielversprechend sind. Und wir müssen diese alle unterstützen." Bis ein Mittel flächendeckend verfügbar sei, werden laut Gates aber etwa 18 Monate vergehen.

Selbst wenn man mit voller Geschwindigkeit arbeite, ein paar Nebenwirkungen mehr als sonst in Kauf nehme und parallel die Produktion in allen führenden Firmen hochfahre, werde man nicht wesentlich schneller als in 18 Monaten am Ziel sein, prophezeit Gates.

Die neue Normalität

Diese 18 Monate Semi-Normalität, so Gates, werden die Gesellschaft für immer verändern und der Digitalisierung einen massiven Schub geben. "Es wird einige Dinge geben, wie Geschäftsreisen, von denen ich bezweifle, dass sie jemals wiederkommen. Ich meine, es wird schon noch Geschäftsreisen geben, aber weniger." Auch viele andere Dinge würden besser und effizienter geregelt werden, weil die Krise technologischen Innovationen einen massiven Schub geben werde. Gates erwartet, dass wir Lösungen für virtuelle Gerichtssäle und virtuelle Gesetzgebung sehen werden. Und: "Ich bezweifle, dass es noch viele Face-to-Face-Shareholder-Konferenzen geben wird."

Im Bildungsbereich dagegen warnt Gates davor, sich allzu sehr auf technische Lösungen zu stützen. Das Lernen selbst sei zwar am Bildschirm möglich. Aber die soziale Komponente, die durch physisches Zusammenkommen entstehe, sei unersetzbar. "Wir wollen dahin zurückkommen, dass die Kinder zusammen sind und Sozialverhalten lernen, Zeit mit Freunden verbringen."

"Diesmal werden wir es ernst nehmen"

Die wichtigste Veränderung aber, so glaubt Gates, entspringe aus dem Kampf gegen das Virus selbst. Nach dem Ebola-Ausbruch 2014 hatte Bill Gates in einem heute berühmt gewordenen Ted-Talk noch vergeblich gewarnt, die Welt sei auf den nächsten Ausbruch einer Epidemie nicht vorbereitet. "Diesmal werden wir es ernst nehmen, um für das nächste Mal bereit zu sein", ist Gates überzeugt.

Nicht nur, dass bei der nächsten Pandemie Notfallpläne für Schutzmaßnahmen und Krisenmanagement bereitstehen würden. Auch die Kapazitäten, um Impfstoffe und Medikamente zu entwickeln, würden durch die Covid-19-Pandemie so dramatisch nach oben gefahren, dass es künftig schneller gehen werde, entsprechende Gegenmittel zu entwickeln. Gates große Hoffnung: "Dies sollte ein einzigartiges Ereignis sein, in dem wir die Werkzeuge schaffen, um es [das nächste Virus] einzufangen, bevor es dieses tragische globale Ausmaß erreicht."

Quellen: Linked-In / Ted-Talk von 2015

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