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Silvester-Vorbereitungen Trotz Lockdown: Deutsche fahren nach Polen, um Böller zu kaufen

Böller
Der Verkauf von Böllern ist in Deutschland in diesem Jahr verboten
© Fotostand / K. Schmitt / Picture Alliance
In Deutschland ist der Verkauf von Feuerwerkskörpern untersagt. Deshalb machen sich nun Deutsche auf den Weg nach Polen, um sich dort mit Böllern einzudecken. Brandenburg versucht, den Grenzverkehr einzuschränken. Berliner müssen dagegen keine Konsequenzen fürchten.

In Deutschland ist die politische Entscheidung gefallen: Böller und Feuerwerkskörper dürfen in diesem Jahr zu Silvester nicht verkauft werden. Einige Geschäfte hatten bereits zuvor angekündigt, die Produkte nicht ins Sortiment nehmen zu wollen. Damit sollen zum einen größere Menschenansammlungen zum Jahreswechsel verhindert werden. Außerdem soll das Verbot die Krankenhäuser, die wegen der Covid-19-Pandemie bereits unter enormem Druck stehen, entlasten.

Dennoch versuchen einige Deutsche, sich im Ausland Böller und Feuerwerk zu beschaffen. In Frankfurt (Oder) bildeten sich am Tag vor dem Lockdown an der Grenze nach Polen Staus; Dutzende wollten sich offenbar im Nachbarland für Silvester eindecken. Die junge SPD-Politikerin Lilly Blaudszun, die in der Grenzstadt lebt und studiert, dokumentierte die Szenen auf ihrem Twitter-Account. Auch verschiedene Medien berichten von Einkaufstouren nach Polen.

Schlangen vor den Läden in Polen

Vor allem am Montag und Dienstag sei der Andrang groß gewesen, berichten Händler aus Polen. Doch auch nach dem Beginn des Lockdowns am Mittwoch sind immer noch Grenzgänger unterwegs. Aus Berlin fahren nach wie vor die regulären Shuttlebusse zu sogenannten "Polenmärkten" auf der anderen Seite der Grenze, eine Fahrt kostet fünf Euro. Die Märkte werben auf ihren Internetseiten auf Deutsch: "Wir haben geöffnet – keine Einschränkungen für Besucher aus Berlin." Ein Mund-Nasen-Schutz muss dort zwar auch getragen werden, dafür gibt es neben günstigen Zigaretten und anderen Produkten aber auch Böller und Raketen. 

René Wilke, Oberbürgermeister von Frankfurt (Oder), appellierte an die Vernunft der Bürger: "Wer jetzt wegen einer Böllerei ins Krankenhaus kommt, der macht es dem Gesundheitspersonal schwerer. Aber sich selbst übrigens auch", sagte er dem RBB. Gleichzeitig kündigte der Linken-Politiker Kontrollen an Silvester an.

Brandenburg ordnet Quarantäne an – Berlin nicht

Mit dem Lockdown wird der sogenannte "kleine Grenzverkehr" – also das Überqueren der Grenze zum Beispiel zum Einkaufen – in Brandenburg aber stark eingeschränkt. Die Infektionsschutzordnung in dem Bundesland sieht nach einem Grenzübertritt aus Polen zehn Tage Quarantäne vor. Ausnahmen gelten für Berufspendler, Schüler, Studierende und Familienbesuche. Auch in Sachsen, das ebenfalls eine Grenze mit Polen teilt, gelten Einschränkungen.

In Berlin sieht das jedoch ganz anders aus. Aus der Hauptstadt ist die Grenze innerhalb von nicht einmal zwei Stunden mit dem Auto zu erreichen – und bei der Rückkehr laut Infektionsschutzordnung keine Quarantäne vorgeschrieben, solange der Besuch im Ausland nicht länger als 24 Stunden dauerte. Berliner dürfen also nach wie vor in Polen Böller kaufen und im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen nach Deutschland einführen, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen.

Quellen:Lilly Blaudszun auf Twitter / RBB / "Tagesspiegel" / Brandenburger Infektionsschutzverordnung / Berliner Infektionsschutzverordnung / Polenmarkt Hohenwutzen

epp

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