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Dax und Pfund steigen: Makabre Logik: Warum das Cox-Attentat an den Finanzmärkten gut ankommt

In der Regel ziehen große Unglücke auch die Finanzmärkte nach unten. Doch der Mord an der Labour-Politikerin Jo Cox lässt Pfund und Dax nach oben schießen. Der Grund ist makaber, aber einleuchtend.

Trauer um Jo Cox

Trauer um Jo Cox vor dem Parlament in London

Der Mord an der britischen Politikerin Jo Cox schockt Großbritannien. Zwei Tage ruht aus Respekt der Brexit-Wahlkampf zur Abstimmung über den Austritt Großbritanniens aus der EU. Die Finanzmärkte aber machen keine Pause. Wie so häufig bei unerwarteten schrecklichen Ereignissen reagierten Börsen und Devisenmärkte sofort. Meist führt die aus Unglücken resultierende Unsicherheit zu einem Absturz der Kurse. Doch in diesem Fall trat der gegenteilige Effekt ein.

Der Grund: Die Labour-Politikerin Cox war eine leidenschaftliche und beliebte EU-Befürworterin und die Tat womöglich politisch motiviert. Medienberichten zufolge hatte der Täter bei seinem Angriff den EU-kritischen Slogan "Britain First" gerufen. Analysten vermuten daher, dass die schreckliche Tat den Anhängern eines Brexits den Wind aus den Segeln nehmen könnte. Ein Verbleib in der EU wiederum hätte aus Sicht der meisten Experten wirtschaftliche Vorteile.

Pfund und Dax steigen - wegen des Brexit

Das britische Pfund stieg jedenfalls am Morgen nach dem Attentat sprunghaft im Wert, auch wenn die Kurve danach wieder etwas herunterging. Und auch der deutsche Aktienindex Dax stieg am Freitagmorgen deutlich - die meisten Fachleute gehen auch für die deutsche Wirtschaft von negativen Effekten im Falle eines Brexits aus. "Die tragische Ermordung einer britischen Parlamentarierin gestern lässt den Devisenmarkt nicht innehalten, sondern führt dazu, dass die Folgen kühl und nüchtern eingepreist werden", schrieb Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann laut Reuters in einem Kommentar. 

Und auch die Analysten der Commonwealth Bank erklärten demnach den Anstieg der Kurse damit, dass das Attentat den Brexit unwahrscheinlicher gemacht hat. Die letzten Umfragen sahen ein äußerst knappes Rennen zwischen Befürwortern und Gegnern eines Brexits voraus. Das Referendum über EU-Verbleib oder Austritt Großbritanniens findet am 23. Juni statt.

bak
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