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British American Tobacco: Tabakmulti beklagt Schmuggelfolgen

Der zweitgrößte deutsche Zigarettenproduzent British American Tobacco schlägt Alarm. Obwohl das Unternehmen bei Umsatz, Ergebnis und Marktanteilen zulegte, hätte alles noch viel toller sein können - gebe es die bösen Schmuggler nicht.

Von Karin Spitra

Geschätzte 18 Millionen Raucher gibt es in Deutschland - ein erheblicher Teil davon bescherte dem Zigarettenhersteller British American Tobacco (BAT) auch für das Jahr 2006 eine Steigerung bei Umsatz, Gewinn und Marktanteil. Mit unveränderten 22,9 Milliarden verkaufter Fabrikzigaretten steigerte die deutsche BAT ihren Marktanteil auf 24,6 Prozent - und liegt nun direkt hinter den Marlboro-Männer von Philip Morris (29 Prozent). Grund zur Freude hat der Tabakkonzern trotzdem nicht, dazu knabbert ein unwillkommener "Wettbewerber" zu sehr an den Zahlen: Allein in 2006 nahmen Zigarettenschmuggel und Produktpiraterie um 31 Prozent zu.

Steuererhöhungen lassen Schmuggel blühen

Auch für 2007 gibt es keine Entwarnung, hier geht BAT von einem Anstieg um immerhin 25 Prozent aus. "Wir müssen der Zigaretten-Mafia das Handwerk legen", forderte deshalb Peter Halacz, Direktor der deutschen BAT, anlässlich der Vorstellung der Zahlen für das Jahr 2006. Auslöser dieser Lage seien die dramatischen Steuererhöhungen seit 2001 gewesen, klagte Halacz. "Sehr viele Menschen werden auf ausländische Märkte oder auf den Schwarzmarkt getrieben."

Denn der Tabakmulti, zu dessen Produktpalette die Marken Lucky Strike, Pall Mall, Dunhill, Gauloises, HB, Lord, Prince und Winfield gehören, ist alarmiert: Untersuchungen belegen, dass der Konsum unversteuerter Zigaretten längst nicht mehr auf die Bewohner grenznaher Regionen beschränkt ist."Mitterweile stammt jede vierte in Deutschland gerauchte Zigarette aus illegalen Einfuhren oder ist gefälscht," so Halacz. Schuld am regen Schmuggelwesen haben seiner Meinung nach auch die gravierenden Preisunterschiede in Europa: "20 Zigaretten einer bestimment Marke kosten in Deutschland derzeit 4,70 Euro. Dieselbe Menge derselben Marke kostet in Belgien 4 Euro, in Österreich 3,80 Euro, in Tschechien 2,17 Euro, in Polen 1,78 Euro, in Russland 78 Cents und in der Ukraine nur noch 61 Cents."

Drei Viertel des Packungspreises sind Steuern

Ähnlich wie beim Benzin greift der deutsche Staat auch dem Raucher durch die indirekten Steuern ordentlich in den Geldbeutel: Hier besteht der Verkaufspreis einer Packung Zigaretten zu drei Vierteln aus Tabak- und Mehrwertsteuer. Insgesamt ist der Staat mit zweistelligen Milliardenbeträgen am Verkauf von Tabakwaren beteiligt. Entsprechend dem jeweiligen Tabaksteuersystem machen diese Einnahmen zwischen drei und sieben Prozent der gesamten Steuereinnahmen eines einzelnen EU-Mitgliedslandes aus. Auch der deutsche Staatshaushalt profitiert so einerseits von den Milliardenbeträgen aus dem Verkauf von Tabakwaren - und leidet andererseits am Schmuggel.

Nach Berechnungen der BAT hat die Zigaretten-Mafia 2006 einen volkswirtschaftslichen Schaden von 13 Millionen Euro verursacht - pro Tag! "24,1 Milliarden in Deutschland gerauchte, aber nicht in Deutschland versteuerte Zigaretten bedeuten allein für den deutschen Finanzminister Mindereinnahmen von 4,2 Milliarden Euro und einen entgangenen Bruttogewinn für Industrie und Handel von 700 Millionen Euro", so Halacz. Für 2007 erwartet er einen Schaden von 6,6 Milliarden Euro. Das, so der BAT-Chef, seien 25.000 Einfamilienhäuser, 250.000 VW Golf - oder 2.500.000 Sommerurlaube.

Mehr Grenzkontrollen

Deshalb legte BAT auch einen Forderungskatalog an Politik und Behörden vor, um den Schmuggel effektiv zu bekämpfen: Zu den Forderungen zählen ein Festfrieren der Freimengen-Importe aus anderen EU-Staaten, verstärkte Grenzkontrollen, mehr Personal bei Zoll und Justiz, höhere Strafen auch für den Schmuggel kleinerer Mengen und Ausweitung der Kommunikationsüberwachung bei Gesprächen mit Ländern wie China, der Ukraine und Tschechien.

Dass insgesamt die Zahl der verkauften Zigaretten um zwei Prozent zurückgegangen ist, liegt aber nicht nur am Schmuggel: Allein das Ende des Stix-Verkaufs hat 2006 bei BAT fast 25 Prozent des Geschäftes vernichtet und auch die Umstellungen beim Automatenverkauf waren dem Absatz nicht eben förderlich. Kein Wunder, dass sich der Konzern so dem Kampf gegen den wachsenden Anteil an Schmuggelware verschrieben hat. Denn auch die kommenden Rauchverbote werden am Umsatz knabbern. Angesichts der Erfahrungen aus England, Irland und Italien, bleibt der BAT-Chef allerdings ruhig: "Im ersten Jahr nach Einführung der Rauchverbote brach der Markt um fünf Prozent ein, aber schon im zweiten Jahr waren es nur noch an die zwei Prozent". So könnte es also auch in Deutschland noch etwas mit dem deklarierten Unternehmensziel werden: Bis 2010 will BAT an den Marlboro-Männern vorbei - und selber die Nummer eins werden."