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Bundesliga-Pay-TV: Weniger Zuschauer als bei Leichtathletik-EM

Trotz großer publizistischer Unterstützung und einer Gratisübertragung auf Sat 1 hat der neue Bundesligasender Arena einen grandiosen Fehlstart hingegelegt. Schlechter waren die Quoten nur noch beim alten Fußballkanal Premiere.

Die Wirren vor dem Start des neuen Bundesliga-Senders Arena haben offenbar ihre Wirkung gezeigt: Der Saisonauftakt hat mit einem Quotenflop begonnen. Lediglich 2,6 Millionen Fußballfans verfolgten am Samstagnachmittag die zweite Halbzeit der Live-Konferenzschaltung, die der Pay-TV-Kanal als einmalige Werbeaktion auf Sat 1 zeigte.

Den von vielen Werbespots unterbrochenen Vorlauf mit Moderator Oliver Welke aus dem orange-farbenden Studiozelt in Gelsenkirchen ab 15 Uhr wollten nur 1,08 Millionen Zuschauer sehen. Die erste Hälfte lockte 2,14 Fans vor den Bildschirm. Die Marktanteile schwankten zwischen 9,8 und 20,7 Prozent.

Sportschau mit 27, 7 Prozent Marktanteil

Damit lag der Branchen-Neuling deutlich hinter der ARD-Sportschau und sogar hinter der zeitgleich gezeigten Leichtathletik-EM im ZDF. Die Traditionssendung im Ersten durfte zwar erst von 18.30 Uhr an Bilder von den sechs Bundesliga-Partien zeigen, verzeichnete aber durchschnittlich 4,45 Millionen Zuschauer und einen Marktanteil von 27,7 Prozent.

Und während die frühere Radiolegende und der bekennende Club-Fan Günther Koch den Nürnberger 3:0-Sieg am Arena-Mikrofon bejubelte ("Das sind Tore aus dem Lehrbuch. Seite 17, links unten"), sahen 3,09 Millionen TV-Zuschauer die Entscheidung im Diskuswerfen aus Göteborg.

Auch die große publizistische Unterstützung seitens der "Bild am Sonntag" ("Arena hat’s drauf") konnte nichts am Fehlstart ändern. Auf den Partner der Deutschen Fußball Liga (DFL) kommt in den nächsten Wochen noch viel Arbeit zu, um das teure Produkt an den Kunden zu bringen. Arena zahlt rund 220 Millionen Euro pro Saison an die DFL. Noch sind nicht alle Probleme bei der Decoder-Freischaltung beseitigt. Bei einigen Kabel-Kunden des bisherigen Bundesliga-Senders und Arena-Kooperationspartners Premiere blieb die Mattscheibe dunkel.

TV-Gewinner beim Auftakt der 44. Saison war die ARD. Das Erste hatte dem für sie folgenlosen Arena/Sat 1-Experiment zugestimmt und erreichte beim Eröffnungsspiel zwischen Bayern München und Borussia Dortmund am Freitagabend mit 6,89 Millionen Zuschauern die beste Quote aller Sportsendungen am Wochenende.

Nur 43 Haushalte bei Bundesliga per Internet

Auch für den ehemaligen Bundesliga-Sender Premiere, der zusammen mit der Deutschen Telekom den Spieltag im Internet via IP-TV übertragen hatte, war der Saisonstart alles andere als ein Erfolg. Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" (SZ) seien gerade einmal 43 Haushalte technisch dazu in der Lage gewesen, den ersten Spieltag im Internet zu sehen.

Um die Bundesliga anschauen zu können, benötigt man den Zugang zu den äußerst leistungsfähigen Glasfasernetzen (VDSL) sowie moderne Multimediaboxen. Die Glasfaserleitungen stehen allerdings erst in den zehn großen deutschen Ballungsgebieten zur Verfügung. Die Telekom selbst spricht laut "SZ" von drei Millionen Haushalten, die VDSL bekommen können.

Die Telekom verlangt für den Super-Internetzugang rund 80 bis 90 Euro pro Monat, Angeblich stehen die genauen Preise noch nicht genau fest. Die Telekom zahlt der DFL pro Saison 50 Millionen Euro für die Übertragungsrechte, jeder Spieltag, so die Zeitung weiter, schlägt mit fast 1,5 Millionen Euro zu Buche.

nk mit DPA