Bundesliga-Rechte Premiere versucht es durch die Hintertür


Der Bezahlfernsehsender Premiere hofft, die Spiele der Fußball-Bundesliga auch künftig live übertragen zu können. Möglich werden soll das durch eine neue Technologie und eine Kooperation mit der Telekom.

Premiere-Chef Georg Kofler gibt den Kampf um eine Übertragung der Fußball-Bundesliga auf dem Abo-Fernsehkanal nicht auf. "Das erste Spiel beginnt am 11. August, bis dahin ist alles möglich", sagte Kofler bei der Premiere-Hauptversammlung. Der Pay-TV-Kanal hatte im vergangenen Dezember die Bundesliga-Rechte an den Konkurrenten Arena verloren und anschließend einen Absturz des Aktienkurses beklagt.

Premiere sei weiterhin in Verhandlungen, die Spiele über ein Internetsignal im so genannten IPTV-Verfahren auf die Fernseher seiner Kunden zu bringen. "Für den Kunden ist es egal, ob er die Bilder über IPTV oder das normale Signal auf den Schirm bekommt", sagte Kofler. Derzeit verfügten bereits 90 Prozent der Premiere-Kunden über einen Internetanschluss.

IPTV unabhängig von Bundesligarechten

Lizenz-Inhaber für die IPTV-Rechte ist die deutsche Telekom. "Wir reden mit möglichen Partnern", sagte Kofler. "Wie eine sinnvolle Kooperation aussehen kann, bitte ich Sie einfach abzuwarten", fügte Kofler hinzu. Der Premiere-Chef betonte, dass sich sein Unternehmen bereits seit rund einem Jahr mit dem Thema IPTV unabhängig von der Diskussion um die Bundesligarechte beschäftige, da Premiere nach dem Vorbild des englischen Pay-TV-Anbieters BSkyB endlich rückkanalfähig sein müsse, damit es seinen Zuschauern interaktive Angebote machen könne. Entsprechende Empfänger-Boxen seien ab August verfügbar.

Nach Einschätzung der Deutschen Fußball Liga (DFL) können diese IP-Rechte aber nur für eine Übertragung im Internet und nicht mit speziellen Digital-Decodern über Satellit und Kabel genutzt werden. Andernfalls bekäme Arena, das deutlich mehr als T-Online bezahlt hat, auf breiter Front Konkurrenz.

Aktie von Premiere legt zu

Kofler sagte dazu, Ausschreibungsbedingungen dürften nicht im Nachhinein verändert oder neu interpretiert werden "ohne dass der gesamte Bieterprozess zu hinterfragen wäre". Faktisch habe die DFL die Live-Rechte zwei Mal verkauft - für das herkömmliche Fernsehen und für das Internet. "Besonders beschäftigt hat uns eine Formulierung des Ausschreibungstextes: Dort steht klipp und klar, dass eine Übertragung des Bildmaterials auf Basis des Internet-Protokoll-Standards auch über Kabel, Satellit und terrestrisch möglich ist", sagte Kofler.

An der Börse legte die im Nebenwerteindex MDax notierte Aktie von Premiere um sechs Prozent auf 13,05 Euro zu, da Anleger offenbar auf eine lukrative Bundesliga-Übertragung durch Premiere spekulierten.

AP/DPA/Reuters AP DPA Reuters

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