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Chefwechsel: Ex-HSH-Chef führt WestLB

Alexander Stuhlmann ist neuer Vorstandschef der WestLB. Das teilte Aufsichtsratschef Rolf Gerlach im Anschluss an eine außerordentliche Sitzung des Kontrollgremiums mit. Nach den millionenschweren Spekulationsverlusten verlässt Thomas Fischer das Institut.

Von Tim Bartz

Auch sein Risikovorstand Matthijs van den Adel sollte nach FTD-Informationen noch am Donnerstag wegen der Eigenhandelsaffäre der WestLB abberufen werden. Auch Finanzvorstand Hans-Jürgen Niehaus steht auf der Kippe. Fischers Vize Norbert Emmerich und der für den Eigenhandel zuständige Vorstand Werner Taiber könnten dagegen ihre Posten behalten.

Stuhlmann könnte als Übergangskandidat das Institut so lange führen, bis ein Zusammenschluss mit der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) unter Dach und Fach sei. Fusionserfahrung kann der Ex-HSH-Chef vorweisen: Als Vorstandschef der damaligen Hamburgischen Landesbank schloss der 59-jährige Jurist das Institut 2003 mit der Landesbank Schleswig-Holstein zusammen, die seither als HSH Nordbank fusioniert und 2008 an die Börse gehen will.

Stuhlmann hatte im August 2006 seinen Rücktritt zum Jahresende angekündigt und das Amt an Hans Berger weitergegeben - seinen Vize, der bis zur Fusion Chef der Landesbank Schleswig-Holstein gewesen war. Seit seinem Abgang bei der HSH arbeitet der Hamburger als Unternehmensberater und sitzt in zahlreichen Aufsichtsräten, so bei der Landesbausparkasse Hamburg und dem Emissionshauses HCI Capital AG.

Offiziell war Stuhlmann aus Altersgründen bei der HSH zurückgetreten. Ihm sei seit langem klar gewesen, dass er nicht bis 2011 - sein Vertrag war im September 2005 um fünf Jahre verlängert worden -bleiben wolle, hatte Stuhlmann die Beweggründe für seinen Rücktritt erklärt. Dies kollidiere mit seiner "persönlichen Lebensplanung", die für die nächsten Jahre eher eine "selbstbestimmte" Tätigkeit abseits der operativen Verantwortung für ein Unternehmen vorsehe, um mehr Zeit für die Familie und für eigene Interessen zu haben. Hartnäckig halten sich allerdings Gerüchte, er habe keine Lust gehabt, mit einem amerikanischen Privatinvestor als Großaktionär zusammenzuarbeiten. Der Private-Euqity-Fonds von Christopher Flowers hatte 2006 jene 25 Prozent an der HSH erworben, die bis dahin die WestLB gehalten hatte - also genau das Institut, an dessen Spitze Stuhlmann nun rückt.

Hohes Ansehen

Private Immobiliengeschäfte hatten Stuhlmann in seiner Zeit als HSH-Chef vorübergehend In Bedrängnis gebracht. Zusammen mit seinem Vorstandskollegen Peter Rieck hatte Stuhlmann 2004 ein Agiv-Wohn- und Geschäftshaus in Hamburg-Wandsbek für 1,67 Mio. Euro erworben - obwohl die inzwischen insolvente Immobilienfirma Agiv und die HSH geschäftlich verflochten waren: Die Bank war damals nicht nur einer der größten Kreditgeber der Agiv, sondern hielt auch fünf Prozent an deren Tochter Deutsche Real Estate. Der Vorwurf: Stuhlmann und Rieck hätten von Insiderwissen profitiert und für den Erwerb Kredite der HSH in Anspruch genommen.

Ein Prüfbericht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte & Touche entlastete Stuhlmann und Rieck allerdings umfassend. Wie hoch Stuhlmanns Ansehen zumindest in seiner Heimatstadt Hamburg ist, zeigte ein Abschied von HSH Ende 2006: Um Empfang im Rathaus der Stadt kamen unter anderem Bürgermeister Ole von Beust (CDU), Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter Harry Carstensen und Karl-Joachim Dreyer, damals noch Chef der Hamburger Sparkasse und Präses.

Dass auch zu Fischers Abschiedsfest bei der WestLB derart honoriges Publikum erscheint, darf stark bezweifelt werden. Der langjährige Risikovorstand der Deutschen Bank, der zur WestLB gewechselt war, um das Institut aus den Schlagzeilen zu holen, gilt als Hauptverantwortlicher der fehlgeschlagenen Aktienspekulationen, die das Institut bislang 243 Mio. Euro gekostet haben, Tendenz steigend. Ob er von den hochriskanten Wetten auf Kursdifferenzen bei stamm- und Vorzugsaktien von Volkswagen, Metro und BMW gewusst oder sie sogar vorangetrieben hat, ist unklar. Zumindest aber trägt er die Verantwortung und muss deshalb nun seinen Posten räumen.

FTD
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