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Konzept für Ladenöffnungen: Kunden-Steuerung: Teilt eine "Fußgängerzonen-App" künftig Einkaufszeiten zu?

Auch wenn Läden und Geschäfte wieder öffnen dürfen – ein Problem bleibt: Wie sollen große Menschenansammlungen verhindert werden? Der Handel hat da schon ein paar Ideen: Wie etwa eine App, über die sich Shopping- und Bummelzeiten buchen lassen. 

Fußgängerzone

In deutschen Fußgängerzonen kehrt langsam das Leben zurück

DPA

Im Verhältnis zu anderen Ländern wie etwa Italien, gelten in Deutschland relativ lockere Corona-Beschränkungen – und die Diskussion darüber, wann welche Geschäfte, Restaurants und sonstige Einrichtungen wieder öffnen dürfen geht unvermindert weiter. In die Fußgängerzonen kehrt langsam wieder das Leben zurück, und zunehmend erlauben Gerichte es den großen Ketten, ebenfalls öffnen zu dürfen. Was für Handel und Kunden verlockend klingt, hat aber (weiterhin) einen Haken: Was tun, um zu große Menschenansammlungen zu vermeiden und Ansteckungsrisiken zu verkleinern?

Aldi Süd setzt auf digitale Kontrollen

Die allermeisten Ladenbesitzer haben Eingangskontrolleure engagiert, die darüber wachen, dass sich nicht allzu viele Kunden gleichzeitig im Geschäft aufhalten. Der Discount-Riese Aldi Süd plant, digitale Zutrittskontrollen einzurichten. Sensoren an den Ein- und Ausgängen sollen die Kundenzahl in Echtzeit überwachen. "Das Zugangssystem gewährleistet, dass die Auslastungshöchstgrenzen in unseren Filialen nicht überschritten werden", sagt Aldi-Manager Malte Kuhn. Rund die Hälfte der knapp 2000 Filialen sollen die Technik bekommen.

Auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) fordert, die Digitalisierung stärker zu nutzen. Der Verband hat ein Konzept entwickelt, das den Zugang zu Geschäften, Restaurants, Hotels oder sogar zu ganzen Fußgängerzonen zielgerichtet steuern soll. Das entsprechende Papier liegt dem "Redaktionsnetzwerks Deutschland" (RND) vor und sieht Ticket-Systeme vor, die die Kundenanzahl begrenzen. Diese seien "ein äußerst wirksames und vielfältig einsetzbares Instrument zur Vermeidung von Menschenansammlungen" und würden bereits seit längerem zur Steuerung großer Touristenströmen eingesetzt. Die Tickets könnten dem Vorschlag zufolge über entsprechende Apps bereitgestellt werden, heißt es in dem Plan.

Kunden buchen Einkaufzeiten

Mit Hilfe einer Handy-App könnten Kunden Einkaufszeiten in Geschäften und Dienstleistungen buchen. "Das entzerrt die Kundenströme, verringert somit die Ansteckungsgefahr und sorgt gleichzeitig für eine kontinuierliche Auslastung der Geschäfte", so die Macher laut dem "RND". Ein derartiges System könne auch bei der Wiederöffnung von Restaurants und Cafés helfen. "Für die Berechnung der verantwortbaren Auslastung würden die Restaurants entsprechend angeben, wie viele Plätze sie bei Einhaltung der entsprechenden Abstandsregeln anbieten können." Im Tagestourismus könnten Tagestickets die Zahl der Gäste an typischen Hotspots wie Stränden, Seen, oder Nationalparks steuern. Ähnliches sei auch für Messen denkbar.

Was nach einer praktischen Lösung für die beginnende Wiedereröffnung des Geschäftslebens klingt, dürfte das Interesse von Datenschützern auf sich ziehen. Denn ohne große Datensammlungen wird das System kaum funktionieren, zumal der DIHK auch vorschlägt, mit Echtzeit-Positionsdaten Personenströme zu entzerren. Wenn die Personendichte zum Beispiel in Bus oder Bahn schon sehr hoch ist, könnten Smartphone-Nutzer per Push-Benachrichtigung gewarnt werden. Ähnlich würden jetzt bereits Staumeldungen auf Kartendiensten funktionieren.

Informationen sollen pseudonymisiert werden

Weiter plädierte der DIHK für einen digitalen Corona-Pass auf Basis der Blockchain-Technologie. "Mit dem Corona-Pass können Personen nachweisen, dass sie auf das Virus getestet wurden und weiterhin an Tests teilnehmen", heißt es laut Bericht in dem Konzept. Die Informationen würden in einer Blockchain abgelegt, pseudonymisiert und datenschutzkonform in einer Cloud gespeichert.

Diese Idee erinnert an die "Corona-App", mit der die Bundesregierung versuchen will, Bewegungsmuster zu erkennen, um Corona-Infektionsketten zu durchbrechen. Eine solche Anwendung ist Experten zufolge nur dann effektiv, wenn möglichst viele Menschen sie nutzen, gleichzeitig aber soll sie, so die Forderung von Datenschützern, freiwillig sein. Das dürfte auch für die Shopping-App des DIHK gelten. Der Verband will die Technik zumindest testen: "Wir brauchen kurzfristig die Erprobung solcher Modelle in verschiedenen Kommunen und Regionen", heißt es beim DIHK. Auf Basis der gewonnen Erkenntnisse könnten dann entsprechende Lösungen flächendeckend genehmigt und ausgerollt werden.

In den USA funktioniert die App schon

Im Ausland werden solche Lösungen bereits zum Teil eingesetzt. So kann man in den USA über die eigentlich für Restaurant-Reservierungen gedachte App OpenTable inzwischen auch Zeitfenster für den Einkauf in Supermärkten buchen.

mit AFP und DPA