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Dax verliert mehr als fünf Prozent: Börsianer sehen schwarz

Resignation an den Börsen: Rezessionsängste und Euro-Krise lassen die Aktienkurse in Europa einbrechen. Der Dax stürzt um über fünf Prozent ab und fällt auf ein Zwei-Jahres-Tief.

Die Furcht der Anleger vor einer Rezession und einer Ausweitung der Schuldenkrise hat am Montag einen erneuten Kurssturz an den internationalen Aktienmärkten ausgelöst. "Die Lawine ist ins Rollen gekommen", brachte ein Börsianer das Geschehen auf den Punkt. "Resignation und Perspektivlosigkeit prägen die Stimmung." Die Finanzwerte litten vor allem unter einer Vertrauenskrise, fügte ein weiterer hinzu. Von Panik mochte dennoch niemand etwas wissen. "Das ist ein geordneter Abverkauf", fasste ein Händler zusammen.

Der deutsche Leitindex Dax rutschte um 5,3 Prozent auf 5246 Punkte ab, nachdem er im Tagesverlauf bei 5208 Punkten markiert hatte. Es war einer der größten Tagesverluste dieses Jahres und drückte den Dax auf ein Zwei-Jahres-Tief. Seit seinem Anfang Mai erreichten Hoch büßte er nun mehr als 30 Prozent an Wert wieder ein.

Auch die meisten europäischen Indizes büßten vier bis fünf Prozent ein. Der EuroStoxx50 verlor unter Führung der Finanzwerte - allen voran die Deutsche Bank und die Societe Generale - rund fünf Prozent auf 2107 Punkte. Auch der Euro gab Boden preis und verlor einen US-Cent auf Kurse um 1,41 Dollar. Auf der Suche nach "sicheren Anlagehäfen" nahmen Investoren Kurs auf Bundesanleihen und Gold.

Kurserholung nicht in Sicht

Auslöser der neuerlichen Talfahrt ist der am Freitag veröffentlichte Bericht vom schwachen US-Arbeitsmarkt, der die Sorgen der Anleger vor einem Rückfall der weltgrößten Volkswirtschaft in die Rezession verstärkt hatte. "Einmal mehr hat eine negative Entwicklung in den Vereinigten Staaten in Europa - und besonders in Deutschland - eine stärkere Reaktion ausgelöst als in den USA selbst", erklärten die Analysten von Close Brothers Seydler Bank mit Blick auf die Freitagsverluste der Wall Street von etwas mehr als zwei Prozent. "Das ist vielleicht nicht fair oder rational, aber es ist eben eine Tatsache, die die Anleger akzeptieren müssen."

Am Montag blieben die US-Börsen wegen des Labor-Day-Feiertages geschlossen. Entgegen den Erwartungen waren in den USA im August keine Stellen neu geschaffen worden. Nun richtet sich das Hauptaugenmerk der Anleger auf eine für Donnerstagabend (Ortszeit) angekündigte Rede von US-Präsident Barack Obama, in der er Vorschläge für die Ankurbelung des Arbeitsmarktes machen will. In Europa wüchsen zugleich wegen der Unterbrechung der Gespräche Griechenlands mit den Geldgebern EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) die Zweifel an den Sanierungsbemühungen des hoch verschuldeten Landes, erklärte Aktienhändlerin Anita Paluch von ETX Capital.

Die Analysten der Schweizer Großbank UBS rechnen nicht mit einer baldigen Erholung der Kurse. "Angesichts der Verschlechterung des wirtschaftlichen und politischen Umfeldes ist es schwierig zu begründen, warum die Aktienmärkte deutlich über ihre Tiefs vom Sommer steigen sollten."

Deutsche Bank bricht ein, Gold gewinnt

Besonders von Verlusten betroffen waren Titel von Banken. Der Kurs der Deutschen Bank etwa verlor 8,86 Prozent auf 23,72 Euro, zwischenzeitlich sackte er sogar um zehn Prozent ins Minus. Am Wochenende war bekanntgeworden, dass sich die Deutsche Bank wegen missglückter Hypotheken-Geschäfte zu Zeiten der Finanzkrise in den USA verantworten muss. Die US-Aufsichtsbehörde FHFA verklagt das Frankfurter Institut auf milliardenschweren Schadenersatz. Die FHFA wirft der Deutschen Bank vor, falsche Angaben zu den verkauften Hypotheken-Papieren gemacht zu haben. Die Frankfurter weisen die Forderungen als haltlos zurück.

Die Anti-Krisen-Währung Gold übersprang kurzzeitig die psychologisch wichtige Marke von 1900 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) und lag damit nur rund zehn Dollar unter ihrem bisherigen Rekordhoch. Für Investoren aus der Euro-Zone war das Edelmetall mit bis zu 1334,81 Euro so teuer wie noch nie.

joe/swd/Reuters/DPA / DPA / Reuters