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Der erste A 380 der Lufthansa: "Besser geschlafen als im Hotel"

Die Lufthansa übernimmt am Vormittag ihren ersten Airbus A380, das größte Verkehrsflugzeug der Welt.

Aufgeräumt, blitzblank, kein Krach, keine Spur von Hektik. Die Halle auf dem Airbus-Gelände in Hamburg-Finkenwerder, in dem die größten Passagierflugzeuge der Welt ihre Innenausstattung bekommen, sieht absolut nicht nach Fabrik aus. Das Dock 2, in dem auch Lufthansas erster A380 "Frankfurt am Main" für die Innenausstattung aufgebockt war, ist das Reich von Christian Polleit. "Das war ein richtiges Highlight", sagt der Chef des Einrichtungsteams über die Arbeit am ersten Riesenflieger der Kranich-Linie. Vom Teppich bis zur Deckenleuchte, vom Unterhaltungssystem bis zur Bordtoilette fertigen Handwerker, die in weißen Arbeitskitteln und Überschuhen ein bisschen wie Ärzte aussehen, aus dem nackten Flugzeugrumpf eine vollständige Kabine.

Die Arbeit an der Innenausstattung des ersten Lufthansa A380 gingen gut voran, berichtet der Airbus-Flugzeugingenieur. "Da haben viele Teile auf Anhieb zusammengepasst." So reichten vier Monate. Bei anderen Airlines mit ausgefalleneren Wünschen kann das schon mal länger dauern. "Einen Sitz einzubauen, ist nicht schwer. Die Schwierigkeit ist die Koordination", sagt Polleit. An manchen Stellen kleben rote Zettel. Jeder ein Fehlerhinweis mit Registriernummer für das Computersystem. An einem Einbauteil der Küche passt eine Abdeckleiste nicht. "Da muss jemand kommen und das in Ordnung bringen", sagt Polleit. Nur was perfekt passt, wird am Ende akzeptiert.

Für bis zu 420 Fluggäste in der Economy-Class im unteren Deck ergibt sich ein bisher aus Flugzeugen nicht gekannter Raumeindruck mit senkrechten Wänden und ebener Decke. Der Fortschritt liegt im Detail: Ein bisschen mehr Beinfreiheit und ergonomisch besserer Sitzkomfort, ein Bildschirm für das neue Unterhaltungssystem an jedem Platz, die bekannten Farben blau und grau.

Auf den 98 Plätzen der Business-Class im Obergeschoss des Riesenfliegers geht es gediegener, gehobener zu. Doch besonders gerne berichtet der Leiter Produktmanagement und Innovationen der Lufthansa, Christian Körfgen, vom Prunkstück der Maschine. Acht zahlungskräftige Passagiere in der First-Class können auf der Langstrecke sogar so etwas wie Privatsphäre genießen. Aus dem Sessel wird ein vollwertiges Bett, mehr als zwei Meter lang und 80 Zentimeter breit. Die einzelnen Schlafstätten können von ausfahrbaren Wänden individuell getrennt werden.

Der Bettkomfort wurde bei zahlreichen Testflügen erprobt. "Wir hatten von unseren Gästen Rückmeldungen, dass sie bei uns an Bord besser geschlafen haben als im Hotel. Die Crew musste die Gäste häufig zur Landung wecken", versichert Körfgen. Es gibt vollwertiges Bettzeug und Lufthansa-Pyjamas. Jedem Fluggast steht ein abschließbarer Schrank zu Verfügung, und nach dem Schlafen teilen sich die First-Class-Gäste zwei Badezimmer, die mit normalen Flugzeugtoiletten nichts zu tun haben. So viel Luxus ist von etwa 10 000 Euro aufwärts zu haben. "Das ist nicht teurer als vorher, versichert Lufthansa-Sprecher Michael Lamberty. Der erste reguläre Flug geht am 11. Juni nach Japan, bereits am 6. Juni startet die "Frankfurt am Main" zu einem Sonderflug mit der Fußball- Nationalmannschaft nach Südafrika.

Was für die Fluggäste nur indirekt wichtig ist: Dem Kabinenpersonal, 21 Frauen und Männern, stehen in dem nach Listenpreis 346 Millionen US-Dollar teueren Flugzeug neu durchdachte Küchen zur Verfügung. So gibt es zum Beispiel ein besseres Entsorgungskonzept für Flüssigkeiten. Ihre vorgeschriebenen Erholungszeiten verbringen die Crewmitglieder im Untergeschoss, wo sie zehn Schlafkabinen nutzen können. Für alle an Bord ein Fortschritt: "Der Airbus A380 liegt sehr stabil in der Luft und ist leise", verspricht Körfgen.

Vor der Übergabe von Airbus an Lufthansa hat Timo Zaremba mit seiner Airbus-Mannschaft mehrere Tage lang den A380 800 mit der Kennung D-AIMA auf Herz und Nieren geprüft. "Das ist eine anspruchsvolle Herausforderung." Bei stundenlangen Probeflügen spielen die Piloten nach einem vorgegebenen Verfahren alle denkbaren Situationen und Probleme durch. Erst dann wechselt die Maschine den Besitz von Airbus zu Lufthansa.

Sönke Möhl, DPA (mit APN)