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Deutsche Bank: Ackermann verlängert seinen Vertrag

Banken mögen verschwinden, Josef Ackermann weicht nicht: Der Schweizer bleibt überraschend drei Jahre länger als geplant an der Spitze der Deutschen Bank. Das teilte das Institut nach einer Sitzung des Aufsichtsrats mit. Ackermanns neuer Vertrag läuft bis zur Hauptversammlung 2013.

Josef Ackermann bleibt überraschend drei Jahre länger als geplant Chef der Deutschen Bank. Der Aufsichtsrat habe Ackermann gebeten, seinen Vertrag bis zur Hauptversammlung 2013 zu verlängern, teilte das Institut am Montagabend in Frankfurt mit. Dieser Bitte habe der Vorstandschef entsprochen. Der offizielle Beschluss werde in der Aufsichtsratssitzung am 28. Juli erfolgen.

Aufsichtsratschef Clemens Börsig erklärte, Ackermann habe das Institut "strategisch gut aufgestellt und erfolgreich durch die Krise geführt". Die Zahlen der Bank für das erste Quartal 2009 seien "ein eindrucksvoller Beleg dafür". Der Aufsichtsrat drücke mit seiner Entscheidung "hohe Anerkennung und Wertschätzung" für den Schweizer aus.

Ackermanns Verbleib an der Spitze des Instituts gilt auch deshalb als Überraschung, weil der Manager noch im Februar bekräftigt hatte, er werde "mit Sicherheit" mit der Hauptversammlung 2010 aus dem Amt scheiden. Dafür hatte auch gesprochen, dass der Vorstand der Deutschen Bank erst jüngst um vier Mitglieder erweitert worden war. Damit galt das Rennen um die Nachfolge Ackermanns als eröffnet.

Am Wochenende hatte das "Handelsblatt" berichtet, die Deutsche Bank habe ihr langfristiges Ziel einer Eigenkapitalrendite von rund 25 Prozent vor Steuern im ersten Quartal voraussichtlich wieder erreicht. Das von Ackermann ausgegebene 25-Prozent-Ziel war im Zusammenhang mit der Finanzkrise vielfach als überzogen kritisiert worden. Zudem hatte im vergangenen Jahr auch die Deutsche Bank die Finanzkrise deutlich zu spüren bekommen. So musste das Institut für 2008 einen Verlust nach Steuern von 3,9 Milliarden Euro verbuchen. Allein im vierten Quartal hatte sich ein Nettoverlust von 4,8 Milliarden Euro ergeben.

Im Führungsgremium der Bank ist Ackermann seit Herbst 1996 vertreten. Im Mai 2002 stieg er zum Vorstandssprecher auf. Dem Unternehmen verordnete er bald ehrgeizige Ziele, vor allem eine deutliche Steigerung der Rendite. Der im internationalen Vergleich niedrige Börsenwert sollte erhöht werden, um das Haus vor einer feindlichen Übernahme zu schützen.

"Nicht alles, was einem rechtlich zusteht, ist auch legitim"

Aber nicht immer hatte der Bankchef eine glückliche Hand. Vor allem sein Auftritt zu Beginn des ersten Mannesmann-Prozesses in Düsseldorf löste einen Sturm der Entrüstung aus. Das Foto, auf dem er zu Beginn des Verfahrens das Victory-Zeichen zeigte, wurde zum Inbegriff eines arroganten Managers. Anfang 2005 entfachte der Chef des größten deutschen Geldhauses erneut ein Kreuzfeuer der Kritik, als die Deutsche Bank trotz Milliardengewinns einen deutlichen Stellenabbau ankündigte.

Zuletzt hatte Ackermann allerdings hohe Bonuszahlungen für Manager kritisiert. "Nicht alles, was einem rechtlich zusteht, nicht alles, was legal ist, ist auch legitim", sagte er in einem Interview. "Wir müssen hier alle ein Signal setzen. Das ist im Interesse des sozialen Friedens und damit auch in unserem eigenen Interesse", forderte der 61-Jährige.

Reuters/DPA / DPA / Reuters