Deutsche Post DHL strauchelt in den USA


Vor wenigen Jahren hatte Klaus Zumwinkel noch großspurig erklärt, den in den USA führenden Konkurrenten FedEx und UPS die Kunden abzuluchsen. Doch unter dem Druck seiner Kapitalgeber muss der Post-Vorstandschef nun zugeben, sich verrechnet zu haben.

Mit vollmundigen Worten war Post-Vorstandschef Klaus Zumwinkel vor einigen Jahren im Zuge seiner globalen Expansionsstrategie auch in die USA aufgebrochen. Nach milliardenschweren Übernahmen sagte er mit DHL, der Express- und Pakettochter der Deutschen Post, den beiden heimischen Platzhirschen FedEx und UPS den Kampf an. Mit einem neuen Luftdrehkreuz in Ohio wurde der Bonner Konzern sogar zum größten privaten Flughafen- Eigentümer in den USA. Doch nun streckt Zumwinkel - unter dem Druck der internationalen Kapitalgeber - ernüchtert die Waffen. Nach anhaltenden Verlusten, die sich inzwischen auf mehrere Milliarden Euro summiert haben sollen, muss er das Engagement auf dem US-Markt auf den Prüfstand stellen und eine Zäsur vornehmen.

Nachdem an der heimischen Front der Brandherd mit Niedriglöhnen der Konkurrenz von der Politik mit der Mindestlohnregelung für den Briefmarkt ausgetreten wurde, steht Zumwinkel damit jetzt in den USA vor einer weiteren größeren Herausforderung. Mit ihrem Expressdienst (eilige Pakete, Kurier- und Dokumentensendungen) steckt die Post dort seit Beginn an in den roten Zahlen. Frühere zeitliche Angaben zum Erreichen der Gewinnschwelle wurden bereits mehrfach nach hinten korrigiert - inzwischen wird offiziell dafür gar kein Termin mehr genannt.

Ein Rückzug scheint kein Tabu mehr zu sein

Zu genauen Geschäftszahlen in den USA äußerte sich der Bonner Konzern in den vergangenen Jahren auch nur noch zurückhaltend - zum Ärger der Investoren. Auch der Austausch von Spitzenmanagern konnte das Blatt nicht entscheidend wenden. Die "Financial Times Deutschland" (FTD) bezifferte das seit 2003 angehäufte Defizit auf bis zu 7 Milliarden Euro. Nun wurden die Finanzmärkte in dieser Woche mit der Nachricht einer Sonderabschreibung im US-Expressgeschäft für 2007 von 600 Millionen Euro überrascht. Parallel eröffnete Post-Finanzvorstand John Allan mit seiner Erklärung, dass jetzt "eine Reihe von Optionen" zur Verbesserung der Lage geprüft wird, das Feld für Spekulationen.

Das Szenario für die Neuordnung des Express- und Paketgeschäfts in den USA ist breit. Zumindest ein teilweiser Rückzug aus dem verlustreichen nationalen Geschäft scheint kein Tabu mehr zu sein, ist in Bonn zu hören. Die Investmentbank Morgan Stanley plädiert in einer Studie für einen Rückzug aus dem dortigen Inlandsgeschäft - "als bester Lösung für Aktionäre". Nach Angaben aus Branchenkreisen könnte das Engagement auf dem nationalen US-Markt auch eingeschränkt oder in anderer Form betrieben werden. Ein radikaler Schnitt für den Standort USA mit totalem Rückzug - wie ihn Daimler mit dem Abstoßen von Chrysler vorexerziert hat - sei hingegen eher unwahrscheinlich.

Das amerikanische Inlandsgeschäft aufzugeben sei unwahrscheinlich

Bisher hatte Zumwinkel immer wieder betont, dass auch bei Problemen eine völlige Abkehr von den USA nicht infrage komme. Die USA seien für den weltweit tätigen Konzern von "strategischer" Bedeutung und die Investitionen würden sich "am Ende rechnen". Die USA spielten im internationalen DHL-Netz eine wichtige Rolle. "Eine Präsenz in den USA trägt auch zu Erträgen in Europa und Asien bei." Nach Angaben der "FTD" soll auch eine Abgabe des US-Geschäfts an den Konkurrenten FedEx im Gespräch sein. Dazu gibt es aus der Bonner Konzernzentrale keinen Kommentar. Allan sagte der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", dass die Post das Expressgeschäft nicht vollständig verkaufen wolle. "Das amerikanische Inlandsgeschäft aufzugeben, ist sehr, sehr unwahrscheinlich".

Für den 64-jährigen Zumwinkel kommt die US-Herausforderung auf der Zielgeraden seiner bisher erfolgreichen Karriere an der Spitze des Konzerns. Sein Vertrag - er ist mit Abstand dienstältester Vorstandschef eines DAX-Unternehmens - läuft im November aus. Den Umbau der Post zum international führenden Logistik-Konzern und auch das US-Engagement hat Zumwinkel vor allem mit den Milliarden-Erlösen aus dem lukrativen und politisch als Monopol geschützten heimischen Briefgeschäft finanziert.

Edgar Bauer/DPA DPA

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