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Interview mit "Höhle der Löwen"-Kandidat: "Ohne Mathe geht gar nichts"

Mathematik ist für viele das absolute Horror-Fach in der Schule. Maxim Nitsche und sein Bruder haben aus diesem Problem schon vor dem Abi ein Geschäft gemacht und sind mit ihrem Unternehmen ziemlich erfolgreich. Im Interview erzählt Maxim, wie man das als Teenager schafft.

Von Alica Müller

Maxim und Raphael Nitsche stellen ihre App "Math 42" vor und demonstrieren die Funktionen an einem riesigen iPhone.

Zwei Millionen Euro wollen Maxim und Raphael Nitsche für 20 Prozent ihrer Mathe-App Math 42 - eine so hohe Summe hat bisher noch keiner der "Die Höhle der Löwe"-Kandidaten gefordert.


Sie sind die bisher jüngsten Gründer in der zweiten "Die Höhle der Löwen"-Staffel und schlagen die mit Abstand höchste Investitionssumme vor: Zwei Millionen Euro wollen Maxim und Raphael Nitsche von den Investoren in der Jury. Dafür bieten sie 20 Prozent Unternehmensanteile. 10 Millionen Euro sind eine ganz schön selbstbewusste Bewertung für die 19 und 20 Jahre alten Gründer. Die beiden können es sich aber leisten. Mit 14 Jahren haben sie begonnen, "Math 42" zu entwickeln. Die App hilft Schülern Schritt für Schritt, komplexe Aufgaben zu lösen und gehört zu den am häufigsten heruntergeladenen Bildungsapps im deutschen iTunes-Store. 

Monatelange mussten Maxim und Raphael ihren Vater überzeugen, das Unternehmen mit ihnen zu gründen - schließlich waren sie damals noch minderjährig und brauchten Kapital. Irgendwann legten sie ihm dann einen Businessplan auf den Tisch und durften loslegen. Bis heute hat ihre App rund eine Millionen Nutzer.


Maxim Nitsche, Mathematik ist ja für viele Schüler der blanke Horror in der Schule. Hatten dein Bruder und du auch Probleme in dem Fach?

Nein, wir kommen aus einer extremen Mathe-Familie. Mein Vater ist Mathematiker, Raphael und ich studieren Mathe, unser Großonkel, unser Bruder, unser Tante – alles Mathematiker. Das ist wirklich extrem. Hier wurde immer viel über Mathematik und Wirtschaftspolitik geredet. Vielleicht wollten wir auch unseren Vater beeindrucken, Mathe ist aber einfach ein faszinierendes Thema.

Die meisten Jugendlichen würden dir widersprechen. Woran liegt das?

Mathe ist für Kinder frustrierend, weil Eltern sich negativ darüber äußern. Was ich toll finde, ist, dass Mathematik unglaublich regelmäßig ist. Es geht einfach darum, dass du eine komplizierte Aufgabe in kleine Teile zerlegst und dadurch lösen kannst. Und Mathe ist unglaublich mächtig. Ohne Mathe hätte niemand ein Smartphone, niemand könnte telefonieren – ohne Mathe ginge gar nichts. Aber Mathe ist abstrakt – und dadurch steigt der Frustpegel, man verliert das Interesse, wird schlechter. Das ist eine Abwärtsspirale.

Und deshalb habt ihr also euer Unternehmen gegründet und eine App programmiert. Wie kommt man mit 14 Jahren auf so eine Idee?

Seitdem ich elf war, habe ich viel Nachhilfe gegeben. Und dann kam 2007 das iPhone auf den Markt und man wusste: Das wird Bildung grundsätzlich verändern. So hatten wir dann die Idee: Warum entwickeln wir nicht eine Mathe-App, die Schülern hilft, indem sie verständlich, auf sechs Sprachen und erschwinglich Nachhilfe gibt?

Warst du in der Schule nur in Mathe ein Überflieger oder warst du damals unterfordert?

Ich habe die fünfte Klasse übersprungen. Also ja, zeitweise war ich unterfordert. Mathe war aber nie mein Lieblingsfach, das war immer Chemie. Ich habe das über alles geliebt und hätte es auch studieren können, aber letztlich habe ich mich für Mathe entschieden. Klar, wenn man mit einem Bruder, der ein Mathe-Genie ist, aufwächst, dann ist der Schulstoff nicht sonderlich schwierig.

Bleibt noch viel Freizeit, wenn man schon während der Schulzeit Unternehmer und Student ist?

Es bleibt schon wenig Zeit, aber ich versuche, möglichst viel raus zu gehen – in Bars, auf Kunstausstellungen, in Clubs, was auch immer. Wenn man immer in der gleichen Soße schwimmt, verliert man ja jegliche Kreativität.

Ihr seid selbst für die Start-up-Szene extrem jung. Habt ihr Probleme damit, ernstgenommen zu werden?

Ja, ständig. Inzwischen kommt man damit klar. Aber wenn man dann zu Investoren kommt und sagt "Hey, ich bin 17, mein Bruder ist 16", dann wird man komisch angeschaut. Dann heißt es schnell: "Ah, da kommen die Mathe-Jungs." Das ändert sich aber schlagartig, wenn wir unser Produkt zeigen. Viele sind schockiert, wenn wir einem Verlag sagen: "Hey, hört mal zu, was ihr in den letzten 50 Jahren gemacht habt, ist scheiße. Wir setzen alles dran, die Bildung zu revolutionieren und wirklich den Schülern und Lehrern zu helfen." Dann gibt es zwei Arten von Reaktionen. Entweder heißt es "Geht bitte raus" oder "Okay, wir hören euch zu."

Du arbeitest täglich mit deinem Bruder, deinem Vater und seiner Frau in einem Unternehmen. Wie ist es für dich, so eng mit der Familie zusammenzuarbeiten? 

Ich finde es toll, ich liebe das über alles. Man hört so viele Geschichten von Gründern, bei denen sich Leute übers Ohr hauen oder heimlich Deals abschließen. Ich weiß einfach, dass das in der Familie nie passieren wird. Für Investoren ist das oftmals ein Problem. Für viele kommen wir gar nicht in Frage, weil wir unzertrennlich sind. 

Maxim Nitsche, herzlichen Dank für das Gespräch.