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Dietrich Mateschitz: Gründet der Red-Bull-Boss eine Newsseite wie Breitbart?

Red Bull-Boss Mateschitz hat die Gründung einer Medienplattform gegen das "Meinungsdiktat" angekündigt. Beschert uns der Milliardär jetzt eine Art deutschsprachiges Breitbart mit "alternativen Fakten"? Man muss damit rechnen.

Red Bull Dietrich Mateschitz

Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz will mit einem neuen Recherche-Portal der Wahrheit auf den Grund gehen

Dietrich Mateschitz gilt als medienscheuer Mensch. Der Red-Bull-Boss tritt selten öffentlich auf und Interviews gibt er nur wenige. Meist sind es Fachinterviews über Sport oder Wirtschaft. Umso mehr Aufmerksamkeit erntete der reichste Österreicher (Forbes: 13,2 Milliarden Euro) für ein Interview, das er der Grazer "Kleinen Zeitung" gab. Zum ersten Mal gab Mateschitz darin ausführlich seine politischen Ansichten preis. Gleichzeitig schlug seine Ankündigung hohe Wellen, eine "multimediale Rechercheplattform" zu gründen. Name des Projekts: "Quo vadis, Veritas?" (Wo gehst Du hin, Wahrheit?).

Es geht also um nichts weniger als die Wahrheit. Die Frage ist nur: welche? Betrachtet man die Aussagen des Interviews, so kann an der rechten Ausrichtung des Medienprojekts kein Zweifel bestehen. Mateschitz outet sich als waschechter Wutbürger: Er beklagt "ein Meinungsdiktat des politisch Korrekten". Und er sieht eine "selbst ernannte sogenannte intellektuelle Elite" am Werk: "Aber es scheint schon so, dass sich niemand mehr die Wahrheit zu sagen traut, auch wenn jeder weiß, dass es die Wahrheit ist."

Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz ist wütend

Mateschitz ledert gegen alles und jeden: Er halte die europäische Flüchtlingspolitik für gescheitert, allgemein herrsche in der Politik in erster Linie "Scheinheiligkeit" und "Ideologie" vor. Die Sanktionspolitik gegen Russlands Präsidenten Wladimir Putin sei falsch, und US-Präsident Donald Trump solle eine Chance bekommen. Von den Fragestellern darauf angesprochen, dass er wie ein "Wutbürger" klinge , antwortet Mateschitz: "Ich rede über Fakten, und ich rede über Scheinheiligkeiten." Das obligatorische Grünen-Bashing darf selbstverständlich nicht fehlen:"Die Grüne, die sich mit der Limousine mit dem zusammenklappbaren Fahrrad hinter das Parlament fahren lässt, dort aussteigt und die letzten Meter zum Hohen Haus radelt."

Die Aussagen lassen befürchten, dass der Red-Bull-Boss eine Art österreichisches "Breitbart"-Portal schaffen will, das seine Sicht der Dinge in die Welt posaunt. Ideologisch lässt sich zumindest eine große Nähe erkennen. Dazu passt, dass die rechtsradikale US-Nachrichtenseite ausführlich und lobend von dem Mateschitz-Interview berichtete.

Einer der leitenden Redakteure der frisch gegründeten Redaktion ist der renommierte Journalist Michael Fleischhacker. Der moderiert die Sendung "Talk im Hangar" auf dem Sender Servus TV, der zum Red-Bull-Imperium gehört. Die Gäste kommen aus dem gesamten politischen Spektrum. Kürzlich erhielt auch der Rechtsextremist Martin Sellner, Chef der Identitären Bewegung, die Möglichkeit, seine Sicht der Dinge kundzutun. 

Skepsis ist gegen das Red-Bull-Projekt angebracht

Skepsis gegenüber dem "Wahrheits"-Projekt ist also angebracht. Der Wiener Publizistik-Professor Fritz Hausjell hält es nur für logisch, dass Mateschitz "in Zeiten von Verunsicherung und Fake News so etwas wie gesicherte Wahrheit" verspricht, sagte er gegenüber der Deutschen Welle. Aber: "Wenn Journalisten oder Geldgeber den Begriff der Wahrheit in den Mund nehmen, ist Skepsis angebracht. Welcher Wahrheit soll denn da zum Durchbruch verholfen werden?"

Die "Quo Vadis Veritas"-Redaktion wehrt sich gegen die voreilige Einstufung als rechtspopulistisches Medium. In einer Presseerklärung kündigte sie an, "zu einer "Wiederherstellung einer soliden Faktenbasis als Grundlage für eine (...) gesellschaftliche Debatte beizutragen." Die Vorwürfe, hier sei eine Art österreichisches "Breitbart" geplant, nennt sie "bizarr".

Die Frage bleibt, wie sich ein vermeintliches rechtes Medium mit dem Lebensgefühl der Marke Red Bull verträgt. Die Aufpuschbrause wird in 160 Ländern verkauft. Sie steht für Freiheit und offene Grenzen. Das Sportmarketing, die großen Sportevents, das Formel-1-Team - Red Bull ist eine globale Marke. Der Widerspruch zur politischen Ausrichtung des "Veritas"-Redaktion scheint programmiert.