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Discounter täuscht Verbraucher: Menschenrechtler verklagen Lidl

Neue Negativschlagzeilen für Lidl: Verbraucherschützer und Menschenrechtler haben Klage gegen den Discounter eingereicht. Ihr Vorwurf: Lidl wirbt mit fairen Arbeitsbedingungen, doch bei den Zulieferern herrschen "unmenschliche" Zustände.

Verbraucherschützer und Menschenrechtler gehen gerichtlich gegen Deutschlands zweitgrößten Discounter Lidl vor. Das Unternehmen löse Versprechen über faire Arbeitsbedingungen bei seinen Bekleidungslieferanten in Bangladesch nicht ein, erklärte die Verbraucherzentrale Hamburg am Donnerstag. Gemeinsam mit der Kampagne für Saubere Kleidung (CCC) und dem European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR) habe sie daher Klage beim Landgericht Heilbronn wegen irreführender Werbung eingereicht. "Lidl täuscht die Verbraucher", sagte der Geschäftsführer der Hamburger Verbraucherzentrale, Günter Hörmann in Hamburg.

Das Landgericht Heilbronn und eine Sprecherin des Unternehmens bestätigten lediglich, dass Klage gegen Lidl eingereicht wurde. Zu Hintergründen machten sie keine Angaben. Bei Erfolg der Klage droht Lidl ein Ordnungsgeld von bis zu 250.000 Euro.

Den klagenden Organisationen zufolge lässt sich Lidl trotz gegenteiliger Aussagen in seinen Werbeanzeigen von Betrieben beliefern, die ihre Arbeiter ausbeuten. In vier für den Discounter tätigen Textilfabriken hätten Näherinnen über "unmenschliche Arbeitsbedingungen", geklagt, wie eine vom ECCHR und der CCC in Auftrag gegebene Untersuchung ergeben habe. Die Rede sei von überlangen Arbeitszeiten, Lohnabzügen als Strafmaßnahme, dem Verbot von Gewerkschaften oder der Diskriminierung weiblicher Angestellter. In manchen Nähereibetrieben gäbe es die Sieben-Tage-Woche oder Arbeitszeiten von mehr als zwölf Stunden. Die Löhne seien auch in Lidl-Fabriken so niedrig, dass die Arbeiterinnen zu Überstunden gezwungen seien, um überhaupt über die Runden zu kommen.

"Krasser Widerspruch zwischen Darstellung und Realität"

Lidl hatte in Anzeigen zu seinen Kleidungskollektionen nach Angaben der Verbraucherzentrale stets darauf verwiesen, sich "weltweit für faire Arbeitsbedingungen" einzusetzen. Das Unternehmen arbeite nur mit Produzenten zusammen, "die bereit sind und nachweisen können, soziale Verantwortung aktiv zu übernehmen", hieß es demzufolge darin. Lidl wirbt zudem mit seiner Mitgliedschaft in der "Business Social Compliance Initiative" (BSCI), in der sich Unternehmen des Einzelhandels zusammengeschlossen und auf einen freiwilligen Verhaltenskodex für Lieferanten geeinigt haben. Dieser enthält Regelungen über die Arbeitszeit, Löhne und zur Gründung von Gewerkschaften.

"Es besteht ein krasser Widerspruch zwischen der öffentlichen Darstellung Lidls und den tatsächlichen Verhältnissen in den Produktionsstätten der Lieferanten", erklärte ECCHR-Sprecherin Miriam Saage-Maaß zur Begründung der Klage. Die CCC warf dem Discounter vor, sich "ein Sozialmäntelchen" umzuhängen und mit der Werbung "Schönfärberei" zu betreiben. Nach Darstellung der Verbraucherzentale war Lidl zuvor wegen seiner angeblich irreführenden Werbung abgemahnt worden, hatte aber nicht reagiert. Deshalb sei die Klage eingereicht worden.

Lidl hat bereits mehrfach für negative Schlagzeilen gesorgt: So hatten stern und stern.de im Jahr 2008 aufgedeckt, dass das Unternehmen mit Hilfe von Detekteien unter anderem das Privatleben von Angestellten ausforschen ließ. Der Discounter musste deswegen knapp 1,5 Millionen Euro Strafe zahlen. 2009 geriet Lidl erneut in das Visier von Datenschützern, weil der Discounter unzulässigerweise Daten von Krankheiten der Mitarbeiter erhoben und gespeichert hatte. Anfang dieses Jahres sorgte Lidl mit einer von Verbraucherorganisationen als zu spät kritisierten Rückrufaktion für bakterienverseuchten Käse für Aufregung.

mad/AFP/DPA / DPA