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Doch kein Branchen-Gigant Keine Einigung bei Berger und Deloitte


Der Fusion der beiden Unternehmensberatungen Roland Berger und Deloitte ist geplatzt. "Nach umfassender Evaluierung der Möglichkeiten des Zusammenschlusses haben die Unternehmen gestern Abend beschlossen, die Verhandlungen nicht weiterzuführen und diese beendet", teilte Deloitte am Sonntag mit.

Die Münchener Unternehmensberatungsfirma Roland Berger will nun doch eigenständig bleiben. Fusionsgespräche mit dem US-Wirtschaftsprüfungskonzern Deloitte wurden am Wochenende abgebrochen. Das teilte die deutsche Deloitte-Tochter am Sonntag in München mit.

Die Gespräche hatten erst am vergangenen Mittwoch begonnen. Deloitte hatte ein Angebot unterbreitet, nach dem die Roland Berger Strategy Consultants GmbH in Deloittes Beratungssparte aufgegangen wäre. Der Name Roland Berger und das derzeitige Management des Hauses sollte erhalten bleiben. Deloitte und Berger zusammen wären hinter McKinsey zur Nummer zwei unter den Strategieberatern weltweit aufgestiegen.

Deloitte erklärte: "Nach umfassender Evaluierung der Möglichkeiten des Zusammenschlusses haben die Unternehmen gestern Abend beschlossen, die Verhandlungen nicht weiterzuführen und diese beendet". Deloitte sei "überzeugt, dass eine Zusammenführung der komplementären Tätigkeitsfelder, Partner und Mitarbeiter unter dem Dach des weltweit führenden Prüfungs- und Beratungsunternehmens Deloitte zu zusätzlichen, gemeinsamen Markt- und Wachstumschancen geführt hätte". Eine reine Akquisition sei von Anfang an nicht Gegenstand der Verhandlungen gewesen.

Partner wollen aus eigener Kraft weiter wachsen

Das "Handelsblatt" und die "Financial Times Deutschland" hatten zuvor auf ihren Internetseiten berichtet, dass die rund 170 Partner (Eigentümer) von Roland Berger am Samstagabend auf ihrem Treffen in Frankfurt am Main kurzfristig entschieden hätten, das Übernahmeangebot von Deloitte abzulehnen. Mit nur einer Gegenstimme und fünf Enthaltungen hätten die Partner mit überwältigender Mehrheit für die Option gestimmt, weiter aus eigener Kraft zu wachsen, berichtete das "Handelsblatt" unter Berufung auf das Umfeld der Beratung.

Die Initiative für den Zusammenschluss war der Zeitung zufolge von Unternehmensgründer Roland Berger selbst ausgegangen, der im Sommer aus dem Aufsichtsrat seines Unternehmens ausgeschieden war. Sein Nachfolger Burkhard Schwenker und der neue Beratungschef Martin Wittig hatten die Aufgabe, das Übernahmeangebot zu prüfen und der Partnerschaft vorzustellen.

Roland Berger war nach "Handelsblatt"-Informationen schon länger auf Brautschau. Die Münchener hätten auch mit KPMG und Ernst & Young "vertiefte Gespräche" geführt. Allerdings wäre es nur mit Deloitte möglich gewesen, unter anderem die Forderung nach der Beibehaltung des Namens "Roland Berger" durchzusetzen.

Roland Berger schießt Millionen zu

Nach Informationen der "Financial Times Deutschland" sicherte Berger bei dem Treffen der Partner dem Unternehmen eine Investition zwischen 50 und 80 Millionen Euro zu. Damit sollten neue Partner angeworben werden, die neues Wachstum ermöglichen sollen. Einen höheren Anteil an der Unternehmensberatung bekommt Berger, der am Montag 73 Jahre alt wird, nach Informationen der Zeitung dadurch aber nicht. Auch die Partner hätten zugesichert, Geld zu investieren, so dass möglicherweise knapp 100 Millionen Euro zusammenkommen könnten. Die Zusagen seien allerdings noch nicht abschließend konkretisiert. Aufsichtsratschef Schwenker und Vorstandschef Wittig hatten die Fusion mit Deloitte ausgehandelt, um Roland Berger Wachstumsmöglichkeiten über Europa hinaus zu erschließen, wie die Zeitung weiter berichtete. Als der Gründer der Beratungsfirma dann aber am Samstag unerwartet die Millionenspritze in Aussicht gestellt habe, seien die beiden umgeschwenkt und hätten den Kurs der Unabhängigkeit unterstützt.

Deloitte erbringt nach eigenen Angaben Dienstleistungen aus den Bereichen Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung, Consulting und Corporate Finance für Unternehmen und Institutionen aus allen Wirtschaftszweigen. Das Netzwerk von Mitgliedsgesellschaften beschäftigt in mehr als 140 Ländern 170.000 Mitarbeiter. Zuletzt betrug der Umsatz umgerechnet 19,5 Milliarden Euro. Roland Berger ist nach Unternehmensangaben mit rund 40 Büros in 27 Ländern vertreten und setzte 2009 mit rund 2.000 Beschäftigten 616 Millionen Euro um.

Michael Wojtek, APN APN

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