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Charles und David Koch: Für Donald Trump sind sie der "totale Witz" - doch diese Brüder gefährden seine Macht

Die Multimilliardäre Charles und David Koch gelten als die einflussreichsten Unterstützer der Republikaner. Nun machen sie offen Stimmung gegen Donald Trump. Der US-Präsident pöbelt zurück - doch die Fehde gefährdet seine Macht.

Einflussreiche Gegner der Trump-Regierung: Charles und David Koch (links)

Einflussreiche Gegner der Trump-Regierung: Charles und David Koch (links)

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Verglichen mit Charles und David Koch ist Donald Trump fast schon ein armer Schlucker. Mit Erdöl, Chemie und vielen weiteren Geschäften haben die Koch-Brüder ein geschätztes Vermögen von jeweils 53 Milliarden Dollar angehäuft. "Forbes" führt sie in der Liste der reichsten Menschen der Erde auf Rang acht. Trump steht mit 3 Milliarden Dollar auf Rang 766.

Die Koch-Brüder sind nicht nur geschäftstüchtig, sondern auch politisch äußerst umtriebig. Mit ihrem umfangreichen Netzwerk aus Stiftungen, Forschungsinstituten, Thinktanks und superreichen Unterstützerkreisen beeinflussen sie seit Jahrzehnten die politische Agenda des Landes. Sie sind für radikal freien Handel und gegen Umweltschutz, für niedrige Steuern und gegen umfassende staatliche Sozialsysteme. Dank ihrer Millionenspenden für konservative Kandidaten gelten sie als Königsmacher der Republikaner.

Doch mit dem aktuellen König im Weißen Haus stehen die Kochs auf Kriegsfuß. Zwar spielen Trumps Energie-, Umwelt- und Steuerpolitik "Koch Industries" eigentlich in die Karten. Doch schon seit Monaten kritisiert das Koch-Netzwerk die Handels- und Einwanderungspolitik des US-Präsidenten als schädlich für die Wirtschaft. 

Offene Kritik an Trumps Politik

In den vergangenen Tagen nun eskalierte die Fehde. Bei einem traditionellen Unterstützertreffen des Koch-Netzwerks am Wochenende in Colorado schoss Charles Koch - nach dem gesundheitsbedingten Kürzertreten seines Bruders der alleinige Chef im Unternehmen - persönlich gegen die Regierung Trump. "Wir sehen einen Aufstieg des Protektionismus", kritisierte Charles Koch in einem Videointerview, das unverhohlen auf die Politik des Präsidenten zielte. Es handle sich um eine "natürliche, aber zerstörerische Tendenz", die die Welt für alle schlechter mache.

Daraus ziehen die Kochs eine möglicherweise folgenreiche Konsequenz: Für die Zwischenwahlen im November, bei denen ein Drittel des Senats und das komplette Repräsentantenhaus neu gewählt werden, verweigern sie vielen republikanischen Kandidaten die Unterstützung. Am Ende des dreitägigen Colorado-Events für konservative Spender und Aktivisten verkündete das Koch-Netzwerk zwar, bis zu 400 Millionen Dollar für den Wahlkampf auszugeben. Offen bleibt aber, wieviel davon bei den Republikanern landet. Man werde lieber mit Demokraten zusammenarbeiten als mit protektionistischen Republikanern, so die Botschaft von Charles Koch.

Am Montag erklärte das Koch-Netzwerk offiziell, den Republikaner Kevin Cramer in North Dakota nicht gegen die Demokratin Heidi Heitkamp zu unterstützen, es ist laut "New York Times" eines der engsten Rennen um einen Senatssitz. Die "Washington Post" berichtet, dass das Koch-Netzwerk bislang überhaupt nur vier republikanische Kandidaten bei der Senatswahl unterstütze und sich insbesondere aus fünf besonders engen Rennen heraushalte.

Donald Trump: "Ich brauche das Geld nicht"

US-Präsident Donald Trump reagiert auf die Attacke, wie man es von ihm gewohnt ist: mit Pöbeleien auf Twitter. Am Dienstag twitterte Trump, die Koch-Brüder seien "ein totaler Witz in echten republikanischen Kreisen" geworden. "Ich habe nie ihre Unterstützung gesucht, weil ich ihr Geld oder ihre schlechten Ideen nicht brauche." Außerdem würden sie doch viele Trumpsche Politikentscheidungen lieben, zum Beispiel Steuersenkungen und Deregulierungen ("Ich habe sie reicher gemacht.") sowie seine Auswahl für die Verfassungsrichter. Und außerdem: "Ihr Netzwerk ist stark überbewertet, ich habe sie jedes Mal geschlagen." 

Tatsächlich wurde Trump 2016 gegen den Widerstand der Koch-Brüder Präsident. Die Millionen ihres Netzwerks landeten bei republikanischen Gegenkandidaten, die Trump allesamt aus dem Feld schlug. Trotzdem ist es für Trump gefährlich, die Kochs bei den anstehenden Zwischenwahlen als Gegner zu haben. Sowohl im Repräsentantenhaus als auch im Senat könnten die Republikaner ihre Mehrheit verlieren. 

Gegen eine demokratische Mehrheit in den beiden Parlamentskammern könnte Trump in der zweiten Hälfte seiner Amtszeit deutlich weniger Vorhaben durchsetzen. So würden die Kochs Trump nachträglich doch noch ins Knie schießen. James Davis, ein Sprecher des Koch-Netzwerks, schrieb am Dienstag auf Twitter vielsagend: "Wir unterstützen Politik, die den Leuten hilft, ihr Leben zu verbessern. Wir werden mit jedem zusammenarbeiten, der das tut." 

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