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Wirtschaftliche Folgen für Deutschland Strafzölle und Handelskriege: Darum zittern unsere Unternehmen vor Trump

Deutschland und die USA unterhalten äußerst enge Wirtschaftsbeziehungen. Ändert sich das nun?
Deutschland und die USA unterhalten äußerst enge Wirtschaftsbeziehungen. Ändert sich das nun?
© kaarsten/Getty Images
Handelskriege und Protektionismus: Donald Trumps Pläne für die Wirtschaft sind genauso aggressiv wie sein sonstiges Auftreten. Eine Gefahr für Deutschland, denn die USA sind unser wichtigster Handelspartner.

Präsident Donald Trump will Amerika "great again" machen. Für Deutschland ist das eine schlechte Nachricht. Denn um Amerika wieder groß zu machen, will Trump in wirtschaftspolitischen Fragen genauso brachial vorgehen, wie er seinen gesamten Wahlkampf geführt hat. Auch langjährige Verbündete und Handelspartner können auf wenig Mitgefühl hoffen. Welche Wahlkampf-Versprechen Trump tatsächlich umsetzt und wie er all die Widersprüche und Unausgegorenheiten seines Programms auflöst, ist zwar völlig ungewiss. Doch egal, was Trump tut: Deutschland wird die Konsequenzen spüren.

Was will Donald Trump?

Vor allem die Globalisierungsverlierer aus der weißen Unter- und Mittelschicht haben Trump gewählt. Jene Industrie-Arbeiter, deren Auto- oder Stahlwerke reihenweise dichtmachen, und die infolgedessen ihre Jobs verlieren. Donald Trump hat ihnen versprochen, das Rad der Zeit zurückzudrehen und Jobs, die ins Ausland abgewandert sind, wieder zurückzuholen. Im Gegensatz zu Hillary, die ihren Fokus auf neue Technologien legte, möchte Trump die alten Industrien wie Kohle, Öl, Stahl und Autos wieder groß machen. "Amerikanische Autos werden auf den Straßen fahren und amerikanischer Stahl wird neue Wolkenkratzer hochziehen", ist eines der markigen Versprechen, die Trump im Wahlkampf gegeben hat.

Um das zu erreichen, schwebt Trump eine neue Ära des Protektionismus vor. Er will Handelsabkommen aufkündigen und den freien Handel insgesamt beschränken. Das ohnehin schwer umstrittene Transatlantikabkommen TTIP wird unter Trump sicher nicht kommen. Ausländischen Firmen, die Waren in den USA verkaufen wollen, drohte Trump im Wahlkampf mit hohen Schutzzöllen. Seine Attacken richteten sich vor allem gegen Mexiko und China, denen er offen mit Handelskriegen in Form von hohen Strafzöllen drohte.

Welche Auswirkungen hat das für Deutschland?

Die USA sind noch vor Frankreich und Großbritannien der wichtigste Handelspartner Deutschlands. In kein anderes Land liefert die deutsche Exportnation mehr Produkte. Im vergangenen Jahr waren es Waren im Wert von 114 Milliarden Euro - ein neuer Rekordwert. Große Dax-Unternehmen wie die Autobauer BMW und Daimler oder die Pharma- und Chemieriesen Bayer und BASF machen bis zu ein Viertel ihres Geschäfts in den USA. Allerdings haben diese Konzerne auch Werke in den USA. Sollte Trump Einfuhrzölle erheben oder ausländischen Unternehmen das Leben in anderer Weise schwer machen, wären die deutschen Konzerne massiv betroffen. "Wenn Trump die Handelsschranken durchsetzen könnte, die er angekündigt hat, wäre der Schaden groß", sagt der Präsident des Ifo-Instituts Clemens Fuest.

Kann Trump seine Vorstellungen durchsetzen?

Der US-Präsident hat enorme Macht. Für viele politische Vorhaben ist er aber auf die Zusammenarbeit mit dem Kongress angewiesen. Der ist nach den Wahlen zwar weiter republikanisch dominiert, dennoch wird er Trump keinesfalls bedingungslos folgen. Optimisten wie der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, erwarten daher, dass alles gar nicht so schlimm kommen wird. "Trump wird seine Wahlversprechen - also aus der Welthandelsorganisation auszutreten, Freihandel mit Europa zu beenden - all das wird er nicht umsetzen können", sagte Fratzscher. Er erwartet daher "keine großen negativen Auswirkungen für die deutsche Wirtschaft".

Wie ist die Reaktion an den Börsen?

Die langfristigen Auswirkungen sind noch schwer abzusehen. Die kurzfristigen Folgen wurden am Mittwoch sofort spürbar: Trumps Überraschungssieg hat Unternehmen, Investoren und Anleger verunsichert, die Börsenkurse rauschten ab. Die ganz große Panik blieb aber aus. Der deutsche Leitindex Dax stabilisierte sich bis zum Mittag.

Dennoch: Die wirtschaftliche Aktivität bekomme eine "massive Tüte Sand ins Getriebe", wie es der Chef des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, ausdrückt. Denn Unsicherheit ist immer schlecht fürs Geschäft. Niemand wisse, welche der Ankündigungen von Donald Trump im Wahlkampf umgesetzt würden, sagte Martin Wansleben, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags. "Die Verunsicherung ist deshalb gerade auch bei den deutschen Unternehmen groß." In Deutschland hingen fast eine Million Arbeitsplätze am Export in die USA.

mit DPA

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