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Staubsauger-Hersteller: Mehr als heiße Luft: Wie Dyson den Markt für Haushaltsgeräte aufrollt

Dyson, bekannt für beutellose Staubsauger, versteht sich selbst als Erfindungsunternehmen. Nun wollen die Briten mit einem revolutionären Haartrockner den Markt aufrollen. Die Chancen stehen gut, dass ihnen das gelingt.

Eine Rolle mit Griff soll die nächste Revolution im Alltag auslösen. Der neue Föhn aus dem Hause Dyson ist zumindest optisch schon mal vollkommen anders als alle anderen Haartrockner im Handel. Der Motor steckt beim Supersonic im Griff, dort wird auch die Luft angesaugt. Das Ergebnis: Der Föhn ist leichter, leiser und soll die Haare durch den Gebrauch nicht kaputt gehen. "Wir haben den Haartrockner komplett neu erfunden", sagt Dyson-CEO Max Conze im Gespräch mit dem stern. Es scheint, als ob immer eine radikale Neuerfindung die Messlatte bei Dyson ist. 

Vier Jahre hat das Unternehmen an dem Produkt gewerkelt, rund 2000 Kilometer Haare wurden im Labor während der Entwicklungsphase durchgepustet. Einige der Ingenieure wurden erstmal in Hairstyling-Kurse gesteckt, damit sie die Probleme der meist weiblichen Föhn-Benutzer überhaupt verstehen können. Ende April wurde der Supersonic vom Firmengründer James Dyson in Japan vorgestellt. Vor Ort waren einige der Ingenieure, die sich inzwischen lange Haare haben wachsen lassen, um das Produkt besser testen zu können.

Staubsauger, Handtrockner - und jetzt ein Föhn

Das Schönheitssegment ist neu für Dyson. Bislang setzte das Unternehmen Maßstäbe bei Staubsaugern. Seit 1993 saugen die Geräte von Dyson Dreck, ohne einen Staubsaugerbeutel zu benötigen. Es folgten Handtrockner, Ventilatoren, Luftreiniger. Und nun nehmen die Briten den Beautymarkt ins Visier. Dort ist die Conair-Tochter Babyliss nach eigenen Angaben Europas Marktführer. Dazu kommen weitere Firmen wie Remington, Phillips, Braun und Grundig, die in diesem Segment unterwegs sind. Dass das Feld voll sei, lässt Conze aber nicht gelten. Konkurrenz? Herausforderung nennt Conze das enge Marktumfeld. Und das mache Spaß, so der Dyson-Chef. "Wir ignorieren Wettbewerber nicht, aber fokussieren uns auf unsere Arbeit."

Die Konkurrenz darf dieses verhaltene Statement dennoch als Kampfansage verstehen. Denn Dyson legt ein beachtliches Wachstum vor. In Deutschland liegt Dysons Marktanteil 2015 bei 19,5 Prozent im Bereich Bodenpflege. Damit stehen die Briten auf dem umkämpften deutschen Staubsauger-Markt an der Spitze. "Bei unserem Eintritt in den deutschen Markt 1998 hätte wohl kaum jemand damit gerechnet, dass wir hierzulande einmal die Nummer 1 werden", sagte Alexander C. Schmidt, Deutschlandchef von Dyson. 

Dyson-Produkte haben ihren Preis

Denn Dyson ist kein Billig-Hersteller. Die innovative Technik verschlingt in der Entwicklung Milliarden. Jährlich werden rund 30 Prozent des Konzerngewinns in neue Forschungsprojekte gesteckt. So laufen die aktuellen Staubsaugermodelle mit der dritten Generation der Zyklonentechnologie. Für Verbraucher sei der immense Aufwand hinter den Produkten nicht immer ersichtlich", so Conze. Doch spätestens an der Kasse merken Kunden den Unterschied sehr schnell: Staubsauger kosten ab 300 Euro, der neue Föhn wird im Herbst für 399 Euro auf den Markt kommen. Dyson ist kein Schnäppchen.

Dyson: Apple der weißen Ware

Innovative Technik, schicke Optik, hohe Preise und Marktmacht - dass da der Vergleich mit Apple schnell fällt, ist wenig verwunderlich. Und auch die Art und Weise, wie Conze von den Produkten schwärmt, erinnert stark an den Tech-Konzern aus Cupertino. Man müsse die Menschen von den eigenen Produkten begeistern, sagt Conze. Wer ein Dyson-Produkt in Händen halte, müsse sofort die Vorteile erkennen und überzeugt sein. Klingt ganz schön nach der Apple-Philosophie? Das will man bei Dyson nicht hören. "Ich mag keine Vergleiche", sagt Conze. Technologie sei die globale Strategie für Wohlstand. Besser sein, Menschen von Technik begeistern, um so die Zukunft zu kreieren. Und ja, in dieser Überzeugung würde man Apple ähneln. Vielleicht. Zumindest ist Dyson viel im Silicon Valley unterwegs, die Firma buhlt konkurrierend mit anderen Technik-Unternehmen an den Hochschulen um neue Köpfe. 

Tüftelt Dyson an einem E-Auto?

Und die braucht das Unternehmen auch. Aktuell sucht das Unternehmen rund 200 Ingenieure, die zum Beispiel eines der größten Probleme unserer Zeit lösen können: Wie werden Akkus leistungsfähiger und dabei kleiner und leichter? "Batterien sind der Game-Changer", sagt Conze. In den kommenden fünf Jahren will Dyson rund eine Milliarde Pfund in die Entwicklung von leistungsstärkeren Batterien stecken, im Herbst kaufte die Firma den Festbatteriehersteller Sakti3. Bastelt Dyson etwa an einer neuen Akkutechnologie für E-Autos? Im März berichtete "The Guardian" über einen von der britischen Regierung veröffentlichten Bericht, in dem es hieß, dass die Regierung Dyson dabei unterstütze, ein neues batteriebetriebenes Fahrzeug zu entwickeln. Inzwischen ist nur noch von der "Entwicklung einer neuen Batterietechnologie" die Rede. "Es amüsiert uns, dass alle spekulieren, was der nächste große Schritt sein kann", sagt Conze. "Aber im Kern sind wir einfach gestrickt: Wir wollen Alltagsprobleme mit neuer Technologie lösen. Das klingt fast zu simpel, ist aber so."