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Neue Kooperation: Wie Edeka zum Konkurrenten von Rossmann, dm und Co. werden will

Die Branche munkelte es schon länger, nun ist es offiziell: Edeka kooperiert mit dem Hamburger Unternehmen Budnikowski - und nimmt damit den Drogeriemarkt ins Visier. Ein cleverer Schachzug, denn im Supermarktbereich ist kaum noch Wachstum möglich.

Edeka und Budni kooperieren

Edeka und Budni kooperieren

Schon Anfang März sickerte es durch: Die Supermarktkette Edeka plant die Kooperation mit der regionalen Hamburger Drogeriemarkt-Kette Budnikowsky, um in den Droergiehandel einzusteigen. Mit diesem Schritt könnte der größte deutsche Lebensmittelhändler bald den Platzhirschen Rossmann und dm Konkurrenz machen. Allerdings müsse zunächst das Bundeskartellamt dafür die Voraussetzungen schaffen und eine langfristig angelegte Partnerschaft mit Budni billigen, sagte Edeka-Vorstandschef Markus Mosa am Dienstag in Hamburg. "Damit gewinnen wir einen Partner, der unsere Ambitionen und Geschäftsperspektiven mit seiner Expertise zielgerichtet unterstützt", sagte Mosa.

Im nächsten Jahr könnte Edeka beginnen, eigene Drogeriemärkte oder Shops in den Märkten zu eröffnen, sagte Mosa. Er halte 50 neue Märkte pro Jahr für eine realistische Größenordnung. Mit Budnikowsky soll ein Gemeinschaftsunternehmen gegründet werden, in dem die Logistik und die Verwaltung angesiedelt sind, während die Budni-Geschäfte der regionalen Kette in einer anderen Gesellschaft gebündelt werden sollen.

Edeka steigert Umsätze weiter

Der genossenschaftliche Edeka-Verbund hat seine Umsätze im vergangenen Jahr weiter gesteigert. Insgesamt erhöhten sich die Erlöse um 2,5 Prozent auf 49,6 Milliarden Euro. Gut die Hälfte davon entfallen auf 4000 selbstständige Kaufleute mit 5900 Märkten, die um 3,8 Prozent auf 25,2 Milliarden Euro zulegten. Die Discount-Tochter Netto erreichte ein Plus von 2,6 Prozent auf 12,7 Milliarden Euro.
"Damit sind wir stärker gewachsen als der Markt und haben wieder Anteile gewonnen", sagte Mosa. Der Gesamtmarkt sei nach langer Stagnation um zwei Prozent gewachsen, vor allem durch Zuwanderung und das Grenzgeschäft mit Einwohnern der Schweiz und Frankreichs.


Nach der langwierigen Übernahmeschlacht um Kaiser's Tengelmann läuft nun die Integration der 355 Märkte in die Struktur von Edeka. "Alle übernommenen Standorte überführen wir derzeit mit hoher Schlagzahl in die Edeka-Welt", sagte Mosa. Die Märkte erhielten neue Sortimente, technische Ausstattung und ein neues Ladendesign. Die Kunden sollten künftig deutlich mehr Vielfalt in den Regalen finden.

Übernahmen bei Supermärkten werden schwieriger

Die Übernahme von Tengelmann zeigt - und die kartellrechtlichen Probleme zeigen: In der Supermarktbranche wird es für Edeka schwierig, weitere Kontrahenten zu schlucken. Im Lebensmittelhandel scheint Wachstum durch Übernahme kaum noch möglich, die Kartellwächter würden dies wohl zu verhindern wissen. Für Edeka ist die Zusammenarbeit mit Budni eine der wenigen Lücken, in die das Supermarkt-Imperium noch rutschen kann. Im Drogeriesegment ist Edeka bisher nicht vertreten. Außerdem soll die Beteiligung laut der "Lebensmittelzeitung" mit einem einstelligen Millionenbetrag überschaubar sein.

Dennoch: Der Konkurrenz werden die Pläne nicht gefallen. Zwar ist Budni im Vergleich zu den großen Playern wie Rossmann oder dm ein kleiner Akteur. Lediglich 182 Filialen gehören zu dem Drogeristen - und die sind auch nur in Hamburg. Rossmann dagegen hat deutlich über 2000 Geschäfte im Bundesgebiet. Dennoch bringt Budni Erfahrungen mit und Edeka hat das Filialnetz sowie die Handelspower, um einen wettbewerbsfähigen Neuling am Markt schnell zu etablieren. 

kg/dpa