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Kampf der Drogerieketten: Alle wollen Budni!

Zuerst Rossmann, nun auch Müller: Die Drogerieketten in Deutschland wollen sich Budni schnappen. Doch der kleine Konkurrent aus Hamburg stemmt sich gegen Kauf- oder Kooperationsofferten. Noch. 

Drogeriemarkt Budni

Der Drogeriemarkt ist in Bewegung: Budni ist für Konkurrenten ein interessante Übernahmekandidat

Deutschlands Drogerieketten stehen vor dem Umbruch. Längst haben sich die Filialen verändert: Statt Shampoo und Cremes bieten Rossmann, dm, Müller und Budni vollwertige Lebensmittel, Wein und sogar Tiefkühlkost. Doch das Umsatzwachstum kommt ins Stottern. So wächst Rossmann, die Nummer 2 der Drogeriemarktketten in Deutschland, vor allem im Ausland. Daher ist der Vorstoß auf der Bilanzkonferenz wenig überraschend: Dirk Roßmann, Chef der Kette, hat Interesse an dem kleineren Konkurrenten Budni geäußert, berichtet die "Lebensmittelzeitung".

Rossmann und dm dominieren den deutschen Markt. Und expandieren im Rekordtempo: Jeden Tag macht irgendwo in Deutschland eine neue Drogeriefiliale auf. Branchenführer dm betreibt aktuell 1700 Filialen, Rossmann kommt sogar auf 2000. Vor allem die starke Expansion sorgt noch für Wachstum. Zukäufe rücken dadurch natürlich in den Fokus - und Budni als letzte regionale Drogeriekette scheint ein geeigneter Kandidat. 

Doch das Familienunternehmen Budnikowsky hat wenig Interesse daran, von einem der Branchengrößen übernommen zu werden. Gegenüber der "Lebensmittelzeitung" lassen die Hanseaten wissen: "Die Gesellschafter werden Budni nicht verkaufen. Wir haben noch viel vor."

Müller hat Interesse an Budni

Nun mischt sich auch die Nummer 3 auf dem Markt ein. Die Drogeriekette Müller scheint ebenfalls Interesse an Budni zu haben. Bislang betreibt Müller keine Filialen in Hamburg, erst 2017 soll die erste eröffnen. Laut der "Lebensmittelzeitung" kursieren in der Branche Gerüchte, dass Müller zumindest ein Kooperationsinteresse an dem Hamburger Unternehmen hat. Doch auch diese Offerte schlagen die Hanseaten aus. Der "Lebensmittelzeitung" sagt Budni-Chef und Mitinhaber Cord Wöhlke: "Es haben keine Gespräche mit Müller stattgefunden." Und: "In der Familie herrscht Einigkeit darüber, dass wir nicht verkaufen".

Budni und dm: Ende einer Partnerschaft

Doch auch wenn sich die Hamburger gegen die Pläne der Konkurrenten stemmen - der Druck wächst. Im Frühjahr 2014 trennten sich die Kooperationspartner Budni und dm. Seit 1999 gab es diese Partnerschaft: dm expandierte nicht im Revier von Budni, also in und um Hamburg - dafür verkaufte Budni die Eigenmarken aus dem Hause dm, beispielsweise Alverde oder Balea. Eine lohnende Zusammenarbeit - bis dm 2009 die erste Filiale in der Hansestadt eröffnete. Es kam zum Bruch, bis Ende 2015 räumten die Hamburger sämtliche dm-Produkte aus den Regalen der rund 180 Filialen.

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Alle Jahre wieder

Nun agiert Budni eigenständig - und muss sich behaupten. Eine neuere Kooperation mit Otto und Real, die von den Hamburgern beliefert werden, soll zum Wachstum beitragen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr konnte Budni den Umsatz zwar leicht auf 422 Millionen Euro steigern - allerdings mit Verlusten nach Steuern von zwei Millionen Euro. Der Rausschmiss der dm-Produkte und die Entwicklung eigener Marken war teuer. Dennoch bleibt das Unternehmen gelassen: "In jedem Jahr kommt das Kaufinteresse von Rossmann und in jedem Jahr lehnen wir ab. Es ist schon eine Art Running Gag", sagt eine Budni-Sprecherin der "Hamburger Morgenpost".