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Gewinnrückgang bei Drogeriekette Warum Rossmann in Deutschland weniger Geld verdient

Dank starker Eigenmarken wachsen Deutschlands Drogeriemärkte. Vor allem im Ausland laufen die Geschäfte prächtig. Der heimische Markt wird hingegen schwieriger, die Konkurrenten Rossmann, dm oder Müller stecken in einem harten Preiskampf.

Es ist kein katastrophaler Einbruch. Nein, die Drogeriekette Rossmann kann sich über ein erneut erfreuliches Geschäftsjahr freuen. Vor allem das Auslandsgeschäft hat den Umsatz angekurbelt. Doch auf dem heimischen Markt wird es langsam schwierig. "Die Luft ist ein bisschen dünner geworden. Wir haben einige Prozente weniger Gewinn gemacht", zitiert die "Lebensmittelzeitung" den Chef des Unternehmens, Dirk Roßmann. Der Unternehmenslenker spricht ungern über konkrete Zahlen. Bei der Vorstellung der Jahresbilanz 2015 wurde jedoch klar: Der Gesamtumsatz kletterte zwar auf 7,9 Milliarden Euro - ein Plus von 700 Millionen Euro. Doch die Drogeriekette muss im Jahr 2015 den ersten Gewinnrückgang seit mindestens zehn Jahren verbuchen. Die Vorsteuerrendite sackte von 4 auf 3,5 Prozent ab.

Als Grund nannte Dirk Roßmann die "Preissenkungswelle". Die ist zwar nicht neu, schon seit der Schleckerpleite 2012 liefern sich die Drogerieketten eine regelrechte Preisschlacht. "Wir hauen uns hier die Preise um die Ohren wie in keinem anderen Land der Welt", sagte Dirk Roßmann dem "Handelsblatt". Doch der Preiskrieg hat immer weiter angezogen. Im August 2015 preschte dm vor und senkte 800 Produkte dauerhaft im Preis. Rossmann legte nach und schraubte sogar bei 900 Artikeln den Preis nach unten. Eine Kampfansage der Branchenführer, doch auch die deutlich kleinere Drogeriekette Müller zog nach. Gleich 3000 Artikel aus dem Sortiment wurden billiger. Der blanke Horror für die Hersteller, ein Schnäppchen-Segen für Verbraucher.

Preiskampf der Drogerieketten

Dabei gehören dauerhaft reduzierte Preise nicht unbedingt zu Rossmanns Preispolitik. Wie Alexander Hennig, Handelsexperte der Dualen Hochschule in Mannheim, dem "NDR" sagte, setze Rossmann im Gegensatz zu dm auf kurzfristige Angebote. Eigenmarken und Markenartikel würden dann im Preis gesenkt - und diese Schnäppchen dann beworben. Der Wettbewerber dm hingegen setze eher auf ein insgesamt günstiges Angebot und weniger auf kurzfristige Werbemaßnahmen. Und Müller setzt eher auf Kundenservice und Rabattaktionen, um Kundschaft zu locken, sagt Hennig. 

Discounter und das Drogeriegeschäft

Rabatte, Sonderangebote oder dauerhafte Preisschnäppchen zeigen, wie hart umkämpft der Markt ist, auf dem sich inzwischen auch neue Akteure tummeln: Die Discounter wie Aldi oder Lidl haben längst das lukrative Geschäft mit Haushaltsreinigern, Gesichtscremes und Beauty-Produkten entdeckt. Die Produkte, die dauerhaft zum Sortiment gehören, werden zunehmend durch Saisonangebote wie Schaumbäder im Winter oder Sonnencremes im Sommer, ergänzt. "Es wurde ungefähr Mitte letzten Jahres erheblich schwerer für uns, weil vor allen Dingen die Lebensmittelhändler wie Netto und Aldi verstärkt Drogeriewaren angeboten haben", sagte Firmenchef Dirk Roßmann 2014 in einem Interview mit der "Welt". Der Handelsexperte Hennig ist sich sicher, dass der Druck im Markt anhält - und den Kunden weiterhin sehr günstige Angebote bescheren wird.

Auslandsgeschäft hilft Rossmann

Das ist wohl auch ein Grund dafür, dass Dirk Rossmann das künftige Wachstum seiner Firma auch im Ausland sieht. Während das Deutschlandgeschäft nur ein Umsatzplus von 7,7 Prozent im vergangenen Jahr erzielte, konnten die Gesellschaften in Polen, Ungarn, Tschechien, der Türkei und Albanien den Umsatz um 14,1 Prozent steigern. 260 neue Geschäfte will Rossmann eröffnen, 120 davon im Ausland. 

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