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Ehemaliger Porsche-Chef: Das neue Leben des Wendelin Wiedeking

"No Risk, no Fun" bleibt sein Motto. In seinem neuen Leben hat sich Wendelin Wiedking aber unter anderem einem ganz und gar risikolosen Thema gewidmet: der Literatur. Im stern berichtet der Ex-Topmanager von seinem Leben nach Porsche.

Der vor zwei Jahren geschasste Porsche-Chef Wendelin Wiedeking erzählt erstmals über sein neues Leben. "Ich bin mit mir im Reinen. Im übrigen war es in meiner Lebensplanung ohnehin nicht vorgesehen, unbedingt bis 65 in einer abhängigen Managementfunktion zu sein", erklärte der 58-Jährige, der inzwischen unter anderem Gesellschafter der Frankfurter PR-Firma Cortent Kommunikation AG ist, im neuen stern. Wiedeking, der am 23. Juli 2009 nach dem gescheiterten Versuch der VW-Übernahme seinen Chefposten beim Sportwagenhersteller hatte räumen müssen, antwortete schriftlich auf Fragen des stern.

An seinem Lebensmotto habe sich bis heute nichts geändert: "No risk, no fun." Sein Blick auf die Politik sei "etwas konturierter und präziser geworden". Über den Streit um Stuttgart 21 schrieb Wiedeking: "Dazu habe ich ein gespaltenes Verhältnis. Wer demonstriert denn gegen die wahren Missstände und Ungerechtigkeiten in unserer Gesellschaft? Jugendarbeitslosigkeit, Pflegenotstand, die großen sozialen Fragen? Wir dürfen es nicht hinnehmen, dass immer größere Teile der Bevölkerung kein auskömmliches Leben mehr führen können."

In seinem Leben nach Porsche fungiert Wiedeking auch als Sponsor für das Deutsche Literaturarchiv in Marbach: Eine seiner Stiftungen kauft 28 Briefe des Schriftstellers Franz Kafka an dessen Freundin Grete Bloch von deren Erben. Nach stern-Informationen zahlt die Wiedeking-Stiftung dafür 260.000 Euro. Die Entscheidung sei Ende März vom Vorstand der Stiftung getroffen worden. Die Kafka-Briefe bleiben im Besitz der Wiedeking-Stiftung und werden dem Literurarchiv als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt. Das Marchbacher Archiv hatte vor kurzem gemeinsam mit der Bodleian Library in Oxford Kafkas Briefe an dessen Lieblingsschwester Ottla erstanden. Wiedeking hatte mehr als die Hälfte seiner Abfindung von 50 Millionen Euro in wohltätige Stiftungen gesteckt.

ben/rn
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