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T. Ammann: Mobile Zeiten: Niemand hat mehr die Absicht, einen Diesel zu bauen

Porsche steigt künftig bei der umstrittenen Dieseltechnik aus. Die Entscheidung ist mutig und feige zugleich, meint Thomas Ammann.

Ein Porsche-Logo wird montiert

Das Porsche-Logo wird in Zukunft nicht mehr auf Diesel-Fahrzeuge montiert werden

DPA

Mit dem Diesel ist jetzt Schluss – das hat Porsche dieser Tage angekündigt. Die Nachfrage nach Diesel-Modellen sei seit einiger Zeit ohnehin rückläufig, hat man in Stuttgart-Zuffenhausen festgestellt, und seit Februar 2018 habe man gar keinen Diesel mehr im Angebot. "Aufgrund dieser veränderten Rahmenbedingungen", teilt das Unternehmen jetzt mit, "haben wir uns entschieden, künftig keinen Diesel-Antrieb mehr anzubieten." Niemand hat also mehr die Absicht, bei Porsche einen Diesel zu bauen.

Dass diese Entscheidung just am dem Sonntag verkündet wurde, an dem die Kanzlerin die Chefs der deutschen Autokonzerne und ihren Verkehrsminister Scheuer zum Dieselgipfel nach Berlin geladen hatte, ist sicher kein Zufall, sondern einfach gutes, weil öffentlichkeitswirksames Timing. Während die anderen noch diskutieren, so die Botschaft, haben wir bei Porsche schon entschieden.

Der Ausstieg, finde ich, ist mutig und feige zugleich. Mutig, weil man bei Porsche damit ganz klar auf die Elektromobilität als Zukunftstechnologie setzt - und das zu einer Zeit, zu der noch nicht einmal alle Produktionsanlagen dafür stehen, und das künftige erste Serienmodell Taycan (formerly known als "Mission E") noch als Prototyp seine Testrunden dreht. Als hoffnungsvolles Zeichen sieht man bei Porsche, dass sich die Hybrid-Modelle des SUV Cayenne und der Luxuslimousine Panamera sehr gut verkaufen. Porsche strebt eine "technologische Vorreiterrolle" an – das ist gut so. Selbst der Ur-Sportwagen 911 ist nicht mehr sakrosankt. Es wird ihn wohl noch nicht so schnell mit reinem Elektromotor, aber bald mit Hybridantrieb geben. Der Sportwagenbauer investiert bis 2022 rund sechs Milliarden Euro, um für die Elektro-Zukunft fit zu sein. Da muss man schon sehr sicher sein, dass man nicht in eine Sackgasse fährt.

So wie beim Diesel, wie man jetzt im Nachhinein feststellen muss. Als Wendelin Wiedeking noch in Zuffenhausen regierte, durfte es keine Dieselmotoren unter einer Haube mit Porsche-Logo geben (die von Wiedeking geliebten Porsche-Traktoren ausgenommen, aber die werden ja seit mehr als fünfzig Jahren nicht mehr gebaut). Das passe, meinte der Nicht-Techniker Wiedeking, nicht zum sportlichen Charakter seiner Produkte.

Folgerichtig kam der Cayenne mit Dieselmotor erst 2009, in dem Jahr, in dem Wiedeking seinen Vorstandsposten nach heftigen Turbulenzen räumen musste. Auch bei Porsche hatte man zwischenzeitlich festgestellt, dass der beste Antrieb für die anfangs absurd schweren Cayenne-SUV, deren Luftwiderstand dem des Kölner Doms nahekam, ein relativ verbrauchsgünstiger und leistungsstarker Dieselmotor ist. Die Technologie hatte sich seit Wiedekings Urteil eben erheblich weiterentwickelt.

Die Herkunft der Dieselmotoren ist ein Problem

Fortan wurde der Diesel auch den Porsche-Kunden als umweltfreundliche Alternative zu den sportlichen Benzinmotoren angepriesen. Und die griffen gern zu, zumal der stärkste Diesel mit 385 PS nicht gerade untermotorisiert war. Porsche-Diesel wurden salonfähig – bis zu jenem 23. September 2018, an dem das Unternehmen jetzt den Stecker zog. Dass der bei Porsche eingebaute Dieselmotor aus dem Hause Audi kam, hatte sich im Nachhinein als verhängnisvoll herausgestellt. Das "Image von Porsche"  habe gelitten, erklärte Porsche-Chef Oliver Blume in der "Bild am Sonntag", "die Dieselkrise hat uns viel Ärger bereitet".

Aber die Entscheidung ist aus meiner Sicht nicht nur mutig, sondern auch feige. Denn das Unternehmen stiehlt sich damit aus der Verantwortung gegenüber den Kunden, die bis vor kurzem noch im Glauben an die technische Überlegenheit und den guten Ruf des Unternehmens einen Diesel gekauft hatten. Die können jetzt zusehen, wie bei ihren Luxus-SUV und Panamera-Limousinen zu Neupreisen von rund 90.0000 Euro aufwärts die Wiederverkaufswerte in den Keller rutschen wie Aktienkurse bei einem Börsencrash. "Selbstverständlich werden wir bestehende Diesel-Kunden weiter professionell betreuen", versichert das Unternehmen, und: "Porsche verteufelt den Diesel nicht." Aber das sind nur Beschwichtigungen. Den Dieselbesitzern unter den Porschefahrern hilft das nur begrenzt. Nun kann man einwenden, dass es nicht unbedingt die Ärmsten unter den Autokäufern trifft, aber auch Porsche-Kunden haben einen Anspruch auf faire Behandlung.

Wenn das Unternehmen jetzt feststellt, dass die Nachfrage nach Dieselmotoren rückläufig ist, dann stimmt das. Aber diese Dieselkrise hat die Autoindustrie schließlich maßgeblich selbst verursacht. Wer will schon ein Auto kaufen, bei dem nachweislich bei den Abgaswerten betrogen wurde?

Der Ruf der Technologie ist ruiniert

Andere Firmen bleiben noch dabei - vor allem, weil sie vom Dieselmotor erheblich abhängiger sind als es Porsche je war – und bieten jetzt endlich wirklich saubere Motoren mit wirksamer Abgasreinigung an. Aber auch das dürften nur noch Übergangslösungen sein. Der Ruf dieser Technologie ist eben flächendeckend ruiniert. Es ist ein Jammer, denn noch immer gibt es keinen Antrieb, der in der Gesamtbilanz ähnlich effektiv und leistungsstark wie ein moderner Diesel ist. Jetzt setzt die Autoindustrie – im Einklang mit dem CSU-Verkehrsminister – auf "Flottenerneuerung". Zu Deutsch: Die Leute sollen neue Autos kaufen, auch wenn ihre Diesel nur zwei oder drei Jahre alt sind.

Bei den vielen Milliarden, die der Porsche-Mutterkonzern Volkswagen an Strafe für den Betrug bisher schon zahlen musste, wären in den vergangenen drei Jahren doch sicher ein paar hundert Millionen für eine vernünftige Hardware-Lösung für die Nachrüstung von Euro 5- und Euro 6-Diesel drin gewesen. Das hätte eine vertrauensbildende Maßnahme gegenüber den Kunden sein können – auch bei Porsche.

Stattdessen wirkt es jetzt fast so, als wolle die deutsche Autoindustrie die Dieseltechnik abschütteln wie einen Hundehaufen am Schuh, in den man versehentlich getreten ist. Mit dem technologischen Vorreiter Porsche an der Spitze.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.