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Porsche-Prozess Wiedeking und Härter vor Gericht: Millionäre kämpfen um ihren Ruf


Im Prozess des Jahres wird ab Donnerstag die Übernahmeschlacht zwischen Porsche und Volkswagen juristisch aufgearbeitet. Vor Gericht stehen Ex-Porschechef Wiedeking und sein früherer Finanzvorstand Härter.

Die Helden sind alt geworden: Wenn am morgigen Donnerstag um neun Uhr Wendelin Wiedeking (63) und Holger Härter (59) in Sitzungssaal 1 des Stuttgarter Landgerichts Platz nehmen, dann treffen zwei Gebeugte auf ihren Richter. Ex-Porsche-Chef Wiedeking braucht inzwischen ein Hörgerät, sein Finanzvorstand Härter muss sich vielfach als Spekulant beschimpfen lassen.

Nach ihrem Rauswurf bei Porsche am 23. Juli 2009 haben beide ehemaligen Wirtschaftsführer keine Managerjobs mehr bekommen. Beide waren allerdings ganz gut damit ausgelastet, ihr umfangreiches Vermögen zu verwalten. Allein Wiedeking soll während der Übernahmeschlacht mit Volkswagen in einem Jahr rund 100 Millionen Euro  verdient haben. Als Abfindung bekam er 2009 stolze 50 Millionen Euro. Härter brachte es damals auf 12,5 Millionen.

Haben sie Anleger ausgetrickst?

Nun endlich beginnt der mit Spannung erwartete Prozess, bei dem der gescheiterte Übernahmeversuch der Volkswagen AG durch die viel kleinere Porsche AG im Zentrum stehen wird. Es geht im Kern um die Frage, ab wann die Manager die mehrheitliche Übernahme des Unternehmens planten und ob sie die Kapitalmärkte korrekt und rechtzeitig über ihre Absichten informierten. Schließlich waren sie als Vorstände einer Aktiengesellschaft dazu verpflichtet, durften also nicht heimliche Pläne schmieden und Anleger dabei austricksen.

Kurssprünge und ein Todesfall

Rund um den Übernahmeversuch, der kurioserweise scheiterte, den Porsche-Eigentümer-Familien Porsche und Piech aber trotzdem die Mehrheit der Stimmrechte an Volkswagen bescherte, ging viel Geld verloren: Die Kurse spielten verrückt, Volkswagen-Papiere sprangen kurzfristig bis auf 1000 Euro, stürzten aber genauso schnell wieder ab. Der Unternehmer Adolf Merckle (Ratiopharm) verlor 300 Millionen Euro durch Spekulationen und nahm sich in der Folge das Leben.

Der Prozess wird dauern: Bis Ende Februar hat das Gericht schon Sitzungstermine festgelegt. Schon am ersten Tag wollen sich die beiden Angeklagten Wiedeking und Härter ausführlich äußern. Das könnte spannend werden, denn ihre Sicht der Dinge haben sie bisher nie ausführlich erörtert. Danach kommen Gutachter und Zeugen an die Reihe. Es wird ein Indizienprozess. Ein unwiderlegbarer Beweis ist nicht zu erwarten.

Es geht um viel Geld und den guten Ruf

Auch wenn es der Prozess des Jahres werden dürfte: Das Urteil – soviel steht schon jetzt fest – dürfte relativ moderat ausfallen. Sollten die beiden wegen "informationsgestützter Marktmanipulation" verurteilt werden, drohen ihnen Geldstrafen. Die können sehr hoch sein, dürften die Millionäre aber nicht in die Privatinsolvenz treiben. Außerdem gibt das Urteil einen ersten Ausblick auf den Ausgang der vielen Schadensersatz-Klagen von Anlegern, denen sich die Porsche SE, die Familienholding der Porsches und Piechs, stellen muss. Bei denen geht es um Milliarden.

Wiedeking und Härter dürfte es vor allem um ihren Ruf gehen: Nur bei einem Freispruch können sie hoffen, endlich das Image von Finanzjongleuren und Wirtschafts-Hasardeuren wieder loszuwerden, das ihnen seit den Milliarden-Transaktionen anhaftet. Auf ihre alten Tage könnten sie dann hoffen, doch noch im ein oder anderen Aufsichtsrat Verwendung zu finden. Nicht wegen des Geldes. Einfach wegen der Anerkennung.


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