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Einzelhandel: Tchibo-Gewinn bricht ein

Käsehobel, Teller, Tassen, Gartenschere - in jeder Tchibo-Filiale gibt es neben Kaffee-Bohnen auch allerlei Produkte für den Haushalt. Doch gerade diese Angebote haben dem Einzelhändler die Bilanz verhagelt, der Gewinn von Tchibo ist um 84 Prozent eingebrochen.

Deutliche Einbußen bei Umsatz und Gewinn plagen den Kaffeeröster und Einzelhändler Tchibo. Der Umsatz fiel im Jahr 2007 um sieben Prozent auf knapp 3,6 Milliarden Euro, wie der Mutterkonzern "Maxingvest" mitteilte. Das Ergebnis ohne Sondereffekte sank um 38 Prozent auf 110 Millionen Euro. Mit Sondereffekten brach der Gewinn um 83,9 Prozent von 143 auf 23 Millionen Euro ein.

"Tchibo hat die Erwartungen im Jahr 2007 nicht erfüllt", sagte "Maxingvest"-Vorstandsmitglied Yves Müller. Als Gründe nannte der Vorstand neben einem schwierigen Marktumfeld das rückläufige Gebrauchsartikelgeschäft im Inland sowie die Kosten für Restrukturierungsmaßnahmen. So hätten Sondereffekte in Höhe von 87 Millionen Euro das Tchibo-Ergebnis belastet, von denen 76 Millionen Euro Restrukturierungsrückstellungen seien. Außerdem sei beim Verkauf der französischen HMO-Gruppe ein einmaliger Verlust von 11 Millionen Euro entstanden.

Rund 100 Filialen machen dicht

Laut Konzernchef Arno Mahlert ist der Marktanteil im Lebensmittelbereich etwa konstant geblieben. Tchibo ist weiter Marktführer bei Röstkaffee. Anders bei den Gebrauchsartikeln. Hier leide Tchibo seit einiger Zeit unter ähnlichen Angeboten von Discountern. "Unsere Angebote waren nicht mehr unverwechselbar", räumte Müller ein. Künftig sollen Kunden wieder spüren, dass es bei Tchibo etwas Besonderes gebe. Außerdem sollen künftig alle Filialen wieder einen Kaffeebereich bekommen.

Der Konzern will rund 100 Filialen und 1000 kleinere Depots aufgeben. "Ziel ist, die Umsatzrendite bis 2010 um mehr als fünf Prozent zu steigern", sagte Müller. Zudem solle die Expansion in Osteuropa vorangetrieben und die Marke "emotional gestärkt" werden. Im nächsten Jahr seien rund 50 Millionen Euro für Investitionen vorgesehen.

Die "Maxingvest AG" hingegen, die Dachgesellschaft der Teilkonzerne Tchibo und Beiersdorf, blieb aufgrund der Rekordzahlen des Körperpflegekonzerns im Jahr 2007 stabil. Der Umsatz der Holding stieg um 1,5 Prozent auf knapp über neun Milliarden Euro. Das Ergebnis ohne Sondereffekte legte um zwei Prozent auf 755 Millionen Euro zu.

Wachstumspotenziale im Ausland

Mit Sondereffekten sank das Ergebnis jedoch von 1,065 Milliarden Euro auf 597 Millionen. Das Ergebnis vor Steuern halbierte sich von 1,275 Milliarden auf 613 Millionen Euro. Der Konzernüberschuss ging von 1,084 Milliarden auf 790 Millionen zurück. Der Vorstand betonte, dieser Rückgang resultiere vor allem aus dem Verkauf von "BSN Medical" und "Davidoff" im Geschäftsjahr 2006.

Vorstandsmitglied Müller erklärte, dass die Holding mehr als die Hälfte ihres Umsatzes im Ausland erzielte, wo auch die größten Wachstumspotenziale lägen. In Osteuropa seien Tchibo und Beiersdorf um mehr als 30 Prozent gewachsen, aber auch in Brasilien, Russland, Indien und China sei die Entwicklung sehr dynamisch.

Die Tchibo Holding AG firmiert seit vergangenen September unter dem Namen "Maxingvest AG", um sie deutlicher vom Tochterunternehmen zu unterschieden. Die Holding hält 100 Prozent an der Tchibo GmbH und 50,46 Prozent an der Beiersdorf AG (Nivea). Angehörige der Gründerfamilie Herz bündeln darin ihre Beteiligungen. Der Name "Maxingvest" erinnert an die Gründer Max und Ingeburg Herz.

AP / AP