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Experiment der Verbraucherzentrale So viel Luft steckt in Eiscreme aus dem Supermarkt

Eis
Vanilleeis Cremissimo - aufgeschäumt nach Öffnen der Packung (links) und nach Herauslassen der Luft (rechts)
© Verbraucherzentrale Hamburg
Industrielle Eiscreme wird mit jeder Menge Luft aufgeschlagen. Wie viel Luft der Kunde bezahlt, weiß er in der Regel nicht. Die Verbraucherzentrale zeigt es mit einem Experiment.

Die meisten Menschen mögen es, wenn das Eis schön cremig ist - heißt ja auch Eiscreme. Das ist den Herstellern von industriellem Speiseeis nur recht. Denn die fluffige Konsistenz erreichen sie durch Einsatz der günstigsten aller Zutaten: Luft. Das Eis wird mit Luft aufgeschlagen, sodass sich kleine Bläschen im Eis bilden, die nicht nur den Fluff-Faktor sondern auch das Volumen deutlich erhöhen.

Dagegen wäre prinzipiell nichts einzuwenden (es schmeckt ja), wenn für die Verbraucher transparent wäre, wie viel Luft in ihrer Packung steckt. Doch bei Speiseeis reicht es laut Verpackungsverordnung, wenn das Volumen angegeben ist und nicht das Gewicht. Das verführt manchen Herstellern zu wahren Luftnummern, wie ein Experiment der Verbraucherzentrale Hamburg zeigt.

Experiment der Verbraucherzentrale: So viel Luft steckt in Eiscreme aus dem Supermarkt

Die Verbraucherschützer kauften sechs Packungen Vanilleeis unterschiedlicher Marken ein – und ließen die Luft heraus. Sie ließen das Eis schmelzen, rührten kräftig um und froren es wieder ein. So zeigte sich: Einige Packungen sind nach Abzug der Luft nur noch halb mit Eis gefüllt.

Sehr unterschiedliches Luft-Eis-Verhältnis

Dabei reizen die Hersteller den Trick mit dem Lufteinschlag sehr unterschiedlich aus. Vergleichsweise viel Eis und wenig Luft bekommen die Kunden beim Vanilleeis von Häagen-Dasz: 1000 Milliliter der Premium-Marke bringen 870 Gramm auf die Waage. Bei Mövenpick und Cremissimo waren es dagegen nur etwas mehr als 500 Gramm, Cremissimo Laktosefrei wog sogar nur 485 Gramm und Landliebe Eiscreme Bourbon-Vanille nur 477 Gramm.

Die Schaumschläger im Test verwenden zudem auffallend viele Zusatzstoffe aus dem Labor – Stabilisatoren, Emulgatoren, gegebenenfalls auch Farbstoff und Aroma. Häagen-Dasz kam dagegen ohne diese zusätzliche Lebensmittelchemie aus.

Die Verbraucherzentrale kritisiert, dass auch die überarbeitete Version der Fertigverpackungsverordnung, die im September im Bundesrat verabschiedet werden soll, eine Ausnahmeregel für Speiseeis enthält. Demnach darf auf der Eisverpackung weiterhin Volumen statt Gewicht angegeben werden. Viele Hersteller – darunter auch alle getesteten – schreiben zwar mittlerweile freiwillig zusätzlich die Gramm-Angabe auf die Packung. Aber: Der Grundpreis auf dem Preisschild, den Kunden zum Vergleichen heranziehen, ist je Liter und nicht je Gramm angegeben. So kann etwa das Landliebe-Vanilleeis mit freundlichen 3,91 Euro je Liter ausgewiesen werden – statt mit stattlichen 8,18 Euro je Kilo.


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