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Eklat bei der Deutschen Bank: Ackermann soll Nachfolger "Loser" genannt haben

Im kleinen Kreis soll der Ex-Chef der Deutschen Bank über die neue Spitze des Finanzkonzerns gelästert haben. Der Schweizer dementiert, doch in dem Geldhaus herrscht Aufruhr.

Von Karsten Röbisch und Reinhard Hönighaus, Frankfurt

Die neue Führungsspitze der Deutsche Bank kämpft inmitten des Konzernumbaus mit Störfeuer aus dem Lager des früheren Vorstandschefs Josef Ackermann. Während Anshu Jain und Jürgen Fitschen am Dienstag den Abbau von fast 2000 Stellen und ein milliardenschweres Sparprogramm verkündeten, sorgen bankintern angebliche Äußerungen des früheren Konzernchefs für Aufruhr. In einer kleinen Runde habe Ackermann Jain und Fitschen als "Loser" (Verlierer) bezeichnet, erfuhr die Financial Times Deutschland aus Kreisen des Geldinstituts.

Von Anfang an hatte sich Ackermann gegen die Doppelspitze gestellt - und den Aufsichtsrat vor Risiken aus dem Investmentbanking gewarnt. Dieses wird von Jain verantwortetet. Unter anderem durch die Affäre um den Interbankenzins Libor sehe sich der Ex-Chef nun in seiner Kritik bestätigt, hieß es weiter. Die Deutsche Bank lehnte einen Kommentar dazu ab. Ackermann hat die Aussage mittlerweile dementiert. "Ich weise diese böswillige Behauptung zurück und behalte mir rechtliche Schritte vor", ließ der Schweizer der Nachrichtenagentur Reuters über einen Sprecher ausrichten.

Doch anonyme Insider, die dem Ackermann-Lager zugerechnet werden, hatten sich in den vergangenen Wochen in den Medien wiederholt kritisch geäußert. Ihre Attacken zielten vor allem auf Jain und dessen Rolle im Libor-Skandal. Die Deutsche Bank steht im Verdacht, an der Manipulation des Zinssatzes beteiligt gewesen zu sein. Die Reibungen nach dem Machtwechsel erschweren den ohnehin holprigen Start für Jain und Fitschen. Zehn Jahre lang hatte Ackermann an der Spitze der Bank gestanden, Anfang Juni schließlich übernahm das neue Führungsduo.

Zwischenhoch währte nur kurz

Die Ermittlungen in dem Fall gaben offenbar auch den Anlass für eine ungewöhnliche Unterstützungsaktion des Aufsichtsratsvorsitzenden Paul Achleitner. Der Chefkontrolleur ist wie Jain und Fitschen erst seit Juni im Amt. Am Dienstag stellte er sich in einem Brief an die Mitarbeiter demonstrativ hinter den Vorstand. Bislang hätten die Untersuchungen zum Libor ergeben, dass "kein amtierendes oder früheres Mitglied des Vorstands auf irgendeine unangemessene Weise in die untersuchten Vorgänge" verwickelt sei. Achleitner mahnte zugleich einen Kulturwandel in der Finanzbranche an, um ihr Ansehen in der Gesellschaft zurückzugewinnen: "Aufsichtsrat und Vorstand der Deutschen Bank sind entschlossen, dass unsere Bank eine Vorreiterrolle bei diesem Wandel spielen muss." Dabei will die Bank auch die Höhe ihrer Boni überprüfen - und die Balance zwischen der Vergütung für Aktionäre und für Mitarbeiter.

Erstmals präsentierten Jain und Fitschen Details ihrer Pläne für die Bank. Die Vorstandschefs kündigten ein hartes Sparprogramm an - mit dem Ziel, die Kosten um jährlich 3 Mrd. Euro zu senken. Dazu müssen 1900 Mitarbeiter gehen, 1500 davon aus der Investmentbank, die ohne Technik und Infrastruktur 10.100 Angestellte hat. Mitarbeiter aus Deutschland sind nicht betroffen. Die Bank erhofft sich davon Einsparungen von 350 Mio. Euro. Weitere 500 Mio. Euro soll die Integration der Postbank bringen. Wie die restlichen Einsparungen erreicht werden sollen, ließ Jain offen. Er kündigte nur vage eine Änderung des Geschäftsmodells an. Ihre vollständige Strategie wollen er und Fitschen im September vorstellen.

Mit dem Sparprogramm ziehen beide schon jetzt die Konsequenzen aus den anhaltend schlechten Ergebnissen. Im zweiten Quartal verdiente Deutschlands größtes Kreditinstitut unter dem Strich 660 Mio. Euro - fast die Hälfte weniger als im Vorjahreszeitraum. Vor allem das Geschäft der Investmentbank brach ein. Der Vorsteuergewinn schrumpfte wegen der Marktturbulenzen um fast zwei Drittel auf 357 Mio. Euro.

Karsten Röbisch und Reinhard Hönighaus / FTD

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Karsten Röbisch und Reinhard Hönighaus