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Electrolux-Chef Stråberg: "Ohne Gewinn keine Produktion"

Electrolux-Chef Stråberg hat zwar Verständnis für den Frust der 1700 AEGler in Nürnberg, verteidigt aber seine Entscheidung, die Produktion nach Polen zu verlagern. Die Gewerkschaft nennt das "Radikalisierung des Kapitalismus".

Electrolux-Konzernchef Hans Stråberg betont inmitten von hypermodernen Staubsaugern und Küchenmaschinen in seiner Stockholmer Zentrale nicht nur einmal, wie viel Verständnis er für die Frustration der rund 1700 AEG-Beschäftigten im Nürnberger Hausgerätewerk hat, das Ende 2007 geschlossen werden soll. "Aber für uns ist kostengünstige Produktion eine Überlebensfrage", verteidigte der 48-Jährige am Dienstag ohne Wenn und Aber die Entscheidung, auf die die Belegschaft mit einem Streik geantwortet hat. Stråberg sieht keine Alternative: "So lange niemand sagen kann, wie man in Nürnberg mit Gewinn produzieren kann, ist die Lage nun mal, wie sie ist."

"Radikalisierung des Kapitalismus"

Stråberg, dessen harte Haltung zu AEG die IG Metall als persönliches Beispiel für die "Radikalisierung des Kapitalismus" angreift, bemüht sich im Gespräch unüberhörbar um einen freundlichen Ton zum Konflikt in Franken. "Ich habe sehr viel Verständnis für die Frustrationen und Ängste in Nürnberg," sagt er und lässt auch kein böses Wort über die Gewerkschaftsseite fallen. Electrolux wolle möglichst sofort und ohne Vorbedingung mit dem Gegenpart in Deutschland darüber reden, wie man für die Betroffenen alternative Arbeitsplätze finden könne. Das sei viel wichtiger als Zahlen über Abfindungshöhen.

Zu der in Deutschland kursierenden Version, wonach der größte Hausgerätekonzern der Welt 250 Millionen Euro für die Stilllegungskosten in der Frankenmetropole zahlen will, die IG Metall aber das Dreifache verlangt, meint Stråberg nur kurz: "Wir haben ja unser konkretes Angebot noch gar nicht vorlegen können."

Stråberg: Konnten Angebot noch nicht vorlegen

Gesprächiger wird der seit Anfang der 80er Jahre Zug um Zug an die Electrolux-Spitze aufgestiegene Manager, wenn es um die Hintergründe für den Verlagerungsbeschluss geht: "Sehr viele Unternehmen sind gezwungen, ihre Produktion aus Deutschland zu verlagern, weil die Verbraucher nicht mehr zur Zahlung entsprechender Preise für die Produktion in einem bestimmten Land bereit sind." Es tue ihm auch weh, die Electrolux-Position zu Deutschland immer wieder verteidigen zu müssen, wo doch andere viel eher und massiver bei Verlagerungen ans Werk gegangen seien.

Aus der Reserve kommt Hans Stråberg, wenn er den Anteil der Spar-Mentalität in Deutschland als wichtigstem europäischen Abnehmerland an der Verlagerung in Billiglohnländer erläutern will: "Als Konsumenten sind wir permanent um unseren Job besorgt, und manchmal demonstrieren wir. Dann setzen wir uns in unsere koreanischen oder japanischen Autos, fahren zu Ikea oder Lidl und kaufen dort ausgeprägt billige Produkte." Dies sei nun aus Sicht der Verbraucher "völlig rational", deren Kaufkraft durch Produktionsverlagerungen in Länder wie Polen und die Türkei ja tatsächlich erhöht werde.

Spar-Mentalität hat Mitschuld

Die Frage nach Imageverlusten für Electrolux gerade jetzt beim erwarteten Konjunkturaufschwung im wichtigen Absatzland Deutschland bringen die Gesichtszüge des Chefs über weltweit 70.000 Beschäftigte deutlich mehr in Bewegung als persönliche Vorwürfe gegen ihn als "radikalisierten Kapitalisten": "Klar, alle hoffen doch jetzt, dass in Deutschland jetzt der Durchbruch kommt."

Thomas Borchert/DPA / DPA