Energie Nach BP verschwindet auch DEA


Der Tankstellen-Wettbewerb wird intensiver und deutsche Autofahrer müssen sich an eine neue Tankstellen-Farbenlehre gewöhnen. nach dem Ende der "grünen" BP kommt nun das aus für die "rote" DEA.

Die Autofahrer in Deutschland müssen sich an eine neue Tankstellen-Farbenlehre gewöhnen. Das Ende der «grünen Marke» BP zum Jahresende steht schon länger fest und nun nimmt Shell auch die «rote» Tankstellen-Kette DEA vom Markt. «Wir haben uns diesen Schritt nicht leicht gemacht», beteuert Shell/DEA-Chef Josef Waltl. «Aber es gibt keine Alternative.» Bislang wollte Shell in Deutschland zwei Marken mit jeweils eigenem Marktauftritt parallel betreiben, um einen möglichst großen Marktanteil abzuschöpfen. Nach dem Verkauf von mehr als 600 Stationen ist es aus Sicht des Konzerns aber vernünftiger, die DEA-Tankstellen auf Shell umzurüsten, um Marketing-Aufwand und Doppelarbeit zu sparen.

Platzhirsche sind Aral und Shell

Aral und Shell stehen sich nun als die beiden mit Abstand größten Tankstellenmarken in Deutschland gegenüber. Die beiden Giganten im Markt werden jeweils rund 2.500 Stationen betreiben und Marktanteile von 20 bis 23 Prozent beherrschen, also zusammen fast die Hälfte des deutschen Benzinmarktes. «Der Wettbewerb wird trotzdem intensiver», sagt Ulrich Winkler von Aral/BP. «Und das hat das Kartellamt ja auch gewollt.» Die Wettbewerbsbehörde hatte durchgesetzt, dass die fusionierten Unternehmen Aral/BP und Shell/DEA sich von Marktanteilen trennen mussten. Shell bläst nun zum Angriff auf die Position des Marktführers, die Aral verteidigen will. Das allein sorgt schon für Wettbewerb.

Aus TotalFinaElf wird Total

Im Osten Deutschlands rüstet TotalFinaElf zudem seine Elf-Tankstellen nach und nach auf die künftige einheitliche Konzernmarke Total um. In Zukunft stehen den beiden Platzhirschen Aral und Shell damit drei Unternehmen mit einem gemeinsamen Marktanteil von 25 bis 30 Prozent gegenüber, gleichsam die zweite Reihe: ExxonMobil als größte der kleineren Tankstellenketten mit rund 1.300 Esso-Stationen und elf Prozent Marktanteil, Total und Conoco mit der Marke Jet.

Neue Anbieter kommen

Zu diesen bekannten Marken treten neue Wettbewerber, deren Verhalten auf dem deutschen Markt noch nicht kalkulierbar ist. Im Norden und Osten Deutschlands, bis hin nach Nordrhein-Westfalen, wird sich der polnische Anbieter PKN Orlen mit knapp 500 Stationen auf dem Markt etablieren. Die Polen wollen nach ihren bisherigen Äußerungen nicht als Billig-Anbieter antreten. In einem Interview mit dem Energie-Informationsdienst EID hat Geschäftsführer Jean-Jacques Verschueren eine Doppelstrategie seines Unternehmens angedeutet: Die großen Stationen mit dem Orlen-Logo werden genauso teuer wie Shell, Aral und Esso, die kleineren Tankstellen an schlechteren Standorten etwas billiger.

OMV erobert Süden

Im Süden der Republik hat sich die österreichische OMV eine sehr günstige Marktposition verschafft, die ihren Markt in Zentral- und Osteuropa sieht. Die OMV hat ihr Netz in dem von ihr definierten Markt entlang der Donau mittlerweile auf mehr als 1600 Stationen ausgebaut und wird regional im Wettbewerb kräftig mitmischen. Und schließlich gibt es auf dem überbesetzten deutschen Markt auch noch tausende von freien und mittelständischen Tankstellen. Die Großkonzerne Shell, Aral/BP, ExxonMobil und Total werden auch künftig nicht die Mehrzahl der rund 16.000 Tankstellen in Deutschland beherrschen - und nicht die Preise diktieren können.


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