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Erdölvorkommen: Schwarzes Gold unter blau-weißen Himmel

Deutschland muss einen großen Teil seines Öl- und Gasverbrauchs aus dem Ausland importieren - zu stetig steigenden Preisen. Doch genau dieser Anstieg lässt eine völlig andere Möglichkeit wieder attraktiv erscheinen: Bohrungen und Förderungen im eigenen Land. Zum Beispiel in Bayern.

Von Rudolf Stumberger

Stetig hebt und senkt sich die Pferdekopfpumpe in dem umzäunten Areal in der kleinen bayerischen Ortschaft Großaitingen. Hier, wenige Kilometer südlich von Augsburg auf der Schotterebene des Lechfeldes, liegt das größte Ölfeld Bayerns. 3000 Tonnen Öl fördert Wintershall, ein Unternehmen der BASF-Gruppe, pro Monat in dieser Region, 1,2 Millionen Tonnen seit 1979. Und es werden bald mehr sein. Denn seit der Ölpreis auf immer neue Rekordmarken klettert, lohnt sich zusehends der Abbau von heimischen Ressourcen. Selbst in Bayern, das bislang kaum im Focus der Erdölgesellschaften lag, wird neuerdings eifrigst gebohrt und erkundet, was so an Rohstoffschätzen im Boden lagert.

"Der Ölpreis wirkt sich natürlich positiv aus", sagt etwa Christa Hanreich vom österreichischen Öl- und Gaskonzern OMV. Das Unternehmen und seine Partner haben in Bayern eine Bohrkonzession für eine Gesamtfläche von 4500 Quadratkilometer erworben und planen im August eine Probebohrung bei Seeg im Allgäu. Dort wird in 2600 Meter Tiefe ein Erdgasvorkommen von 2,5 Milliarden Kubikmeter vermutet. Und Erdgas ist an den Ölpreis gekoppelt, "die Preise ziehen mit einer Verzögerung von drei bis neun Monaten nach", so die Unternehmenssprecherin. Die geologischen Verhältnisse in Bayern ähneln denen im Wiener Becken, dort existieren rund 2000 Bohrlöcher, in ganz Österreich fördert die OMV bisher insgesamt fast 60 Milliarden Kubikmeter Erdgas.

Achte Quelle erschlossen

Auch Wintershall plant im Herbst 2008 eine Bohrung in Bayern. Das Unternehmen aus Kassel ist der größte Erdöl- und Erdgasproduzent mit Sitz in Deutschland und fördert hier Erdöl aus insgesamt 15 Ölfeldern - vornehmlich in der Nordsee. Doch jetzt ist das Unternehmen auf der Suche nach neuen Ölquellen im Süden der Republik. Denn: "Ein durchschnittlich höherer Rohölpreis wirkt sich durchaus positiv auf die Explorationsaktivitäten in Deutschland aus. Projekte werden wirtschaftlicher, bestehende Felder können länger gefördert werden und ein höherer Marktpreis gibt uns die Chance, mehr hier in Deutschland zu investieren – wie in den Einsatz modernster Technologie", so Firmensprecherin Nadja Brauhardt.

Bereits 2006 waren in Bayern die beiden Bohrungen "Aitingen Süd 1" und "Aitingen 7" in Betrieb gegangen, die Jahresproduktion im Feld Aitingen stieg damit auf 36.000 Tonnen an. Ab September soll nun ein 40 Meter hoher Bohrturm in einer Tiefe von 1250 Metern die achte Erdölquelle des Förderbetriebes erschließen, damit sollen zusätzliche 50 Tonnen pro Tag gefördert werden.

Zwar deckt die deutschlandweite jährliche Produktion von Erdöl gerade mal drei Prozent des nationalen Bedarfes, doch dass auch kleine Felder zunehmend als lukrativ gelten, zeigt das Engagement der Firma Activa Resources, die über die neu gegründete Rhein Petroleum hiesige Erdöl- und Erdgasvorkommen erschließen will. Das Unternehmen hat sich vom bayerischen Wirtschaftsministerium eine "Aufsuchungsgenehmigung" für ein rund 2000 Quadratkilometer großes Gebiet im Freistaat erteilen lassen. "Mit der nun beginnenden Erschließung des Gebiets in Südbayern zeigen wir, dass es sich wieder lohnt, Öl in Deutschland zu fördern", verspricht die Firma.

Rhein Petroleum will ehemalige Ölfelder im Gebiet zwischen Ammersee, Memmingen und Kaufbeuren untersuchen, vermutet wird dort noch ein Potenzial von zwei bis drei Millionen Tonnen Erdöl.

"Leicht steigend", so lautet die Bilanz des Bayerischen Wirtschaftsministeriums, was die Genehmigung von Untersuchungs- und Förderlizenzen anbelangt. "Dies hängt eindeutig mit den gestiegenen Ölpreisen zusammen", meint ein Fachreferent. Der formale Einstieg ins Ölgeschäft ist dabei gar nicht so teuer. 12.000 Euro muss man für die "Bergrechtliche Bewilligung" auf den Amtstisch legen, kostspielig wird aber dann die Erschließung. Das Erdöl und Erdgas in den Tiefen des Gesteins gehört übrigens nicht dem Freistaat, sondern dem Förderer. Der muss lediglich eine sogenannte Förderabgabe von fünf Prozent des Verkehrswerts an das Land bezahlen. Bei rund 42.000 geförderten Tonnen Erdöl im vergangenen Jahr flossen so allein in Bayern an die 580.000 Euro in den Staatssäckel.