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Ergo veröffentlicht Liste mit Sex-Ausflügen: "Mitarbeiterin Frau A. an das Gesäß gefasst!"

Auf Jamaika ging es ins Swinger-Hotel, in New York wurde im Stripclub gezecht: Ergo setzt nach dem Sex-Skandal auf Transparenz und veröffentlicht alle lüsternen Fehltritte von Mitarbeitern.

Das Swinger-Hotel auf Jamaika wurde gleich zweimal besucht, in einem Erotik-Club auf der Hamburger Reeperbahn feierte ein Ergo-Geschäftsstellenleiter mit seinen Seminarteilnehmern im Jahr 2007. In New York belief sich die Rechnung nach einer Nacht in einem Stripclub auf 900 Euro und auch in Kitzbühel wurde mehrfach eine Tabledance-Bar angesteuert. Nach ihren Lustreisen-Skandalen und Sex-Sausen geht die Versicherungsgruppe Ergo in die Offensive: Sie schaltete am Sonntag eine Webseite mit Informationen über "Fehlverhalten und Auffälligkeiten" bei Reisen von Vertriebsmitarbeitern frei. Danach rechneten Versicherungsvertreter mehrfach Besuche und Getränke in Striptease-Clubs ab. Ergo-Chef Thorsten Oletzky räumte ein, dass Ergo "den eigenen Ansprüchen an eine transparente Kommunikation" nicht immer gerecht geworden sei. Außerdem kündigte er weitere Änderungen im Anreizsystem für die Vertriebsmitarbeiter an. So sollen Reisen nur noch in Europa und mit Ehepartner angeboten werden.

Ergo überprüfte bis Ende September nach eigenen Angaben "weit über" 500 Belohnungs-Reisen über einen Zeitraum von zehn Jahren. Dabei habe das Unternehmen weitere Fälle von Fehlverhalten oder "sonstigen Auffälligkeiten" gefunden. Detailiert werden die Vorfälle auf der Seite beschrieben. Zum Beispiel werden auch Auszüge eines Abmahnungsschreibens vom 4. Juni 2012 an einen Vermittler veröffentlicht, der zuvor auf Sardinien ungebührliches Verhalten gegenüber einer weiblichen Begleitperson und einer Servicekraft gezeigt habe. "Besonders schwerwiegend ist aber, dass Sie unserer Mitarbeiterin Frau [A] an das Gesäß gefasst haben!", heißt es in dem Schreiben. Das Fehlverhalten auf Sardinien hatte eine Abmahnung sowie eine hierarchische Rückstufung zur Folge.

Die Dimension der Budapest-Reise 2007 habe aber keiner der Fälle "nach Art und Umfang erreicht".

Damals besuchten die Teilnehmer der Reise auf Kosten der Versicherung eine Feier mit Prostituierten in der ungarischen Hauptstadt. Der Skandal war im Mai 2011 bekannt geworden. Ende August bestätigte Ergo, dass erfolgreiche Vertreter zur Belohnung mehrmals in einen Swingerclub in Jamaika reisten; ein mutmaßlicher Bordellbesuch auf Mallorca 2005 habe letztlich nicht geklärt werden können.

Neuer Verhaltenskodex nach Budapest-Skandal

Auf der am Wochenende veröffentlichten Liste stehen einige weitere Fälle von Fehlverhalten - etwa vier Eintrittskarten für einen Striptease-Club in Hamburg 2010 für knapp 70 Euro, Getränke-Abrechnungen bei einem Striptease-Clubbesuch in New York in Höhe von rund 900 Euro, zehn Eintrittskarten für einen Striptease-Club in Tallin 2010 für rund 100 Euro.

Ergo betonte, dass es sich bei den meisten Vorfällen um Reisen handelte, die von selbstständigen Vermittlern in Eigenregie organisiert worden seien oder aber um Einladungen, die in der zur Verfügung stehenden Freizeit ausgesprochen worden seien. An den Belegen sei die Art der Dienstleistungen in der ursprünglichen Rechnungsprüfung daher "nicht ohne weiteres zu erkennen". Die Konzernrevision habe die Belege nochmals geprüft. Sobald der Name eines Lokals, sein Standort oder die Uhrzeit der Abrechnung auffällig gewesen seien, sei im Internet nachrecherchiert worden.

Ergo hatte auf den Budapest-Skandal mit einem neuen Verhaltenskodex reagiert, der ab August 2011 nicht nur für Angestellte des Unternehmens, sondern auch für Versicherungsvermittler gilt, die selbstständig für Ergo arbeiten. Auch diese Richtlinien sind im Internet nachzulesen: "Die Planung, Organisation oder Durchführung eines Besuchs von Spielcasinos, Nachtlokalen und Nachtbars mit einer sog. 'Nacht-Konzession', der Besuch von Bordellen, Table-Dance-Bars oder ähnlichen Etablissements ist nicht gestattet", steht dort geschrieben. Und weiter: "Generell ist jegliches Angebot an Incentives, welches für die ERGO Versicherungsgruppe erkennbar erhebliche Reputationsrisiken in sich birgt, zu unterlassen". Ergo ist eine Tochter des Rückversicherers Münchner Rück, in Deutschland arbeiten rund 19.600 Menschen für den Versicherungskonzern.

kmi/AFP / AFP