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Euro-Krise: Ratingagenturen werten Griechenland weiter ab

Griechenland kann finanziell nicht auf eigenen Füßen stehen. Mehrere Ratingagenturen führen das Land nur noch im Ramschstatus. Offenbar wird ein zweites EU-Hilfspaket notwendig.

Die Hinweise auf eine weitere Hilfsaktion für das hochverschuldete Griechenland werden immer konkreter. Während die Ratingagentur Standard & Poor's Athens Kreditwürdigkeit am Montag weiter herabstufte und die Agenturen Fitch und Moody's dies ebenfalls planen, wird hinter den Kulissen überlegt, Athen 2012 erneut zur Seite zu stehen. Ein möglicher Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone wurde erneut dementiert.

Eigentlich sollte Griechenland im kommenden Jahr wieder an die Finanzmärkte zurückkehren und sich dort selbst Geld leihen. Da die Zinsen auf griechische Anleihen aber immer neue Höchststände erreichen, scheint dies ausgeschlossen. Dass Standard & Poor's ihre Note um zwei Stufen auf B herabstufte, markierte einen weiteren Rückschlag. Die Ratingagentur begründete dies mit der gestiegenen Wahrscheinlichkeit einer Umschuldung Griechenlands.

Die griechische Regierung kritisierte dies scharf und stellte die Glaubwürdigkeit von S&P in Frage. Es gebe keine neuen Entwicklungen, die zu einer Verschlechterung der Lage beigetragen hätten, erklärte das Finanzministerium. Die Zinsen für zehnjährige griechische Staatsanleihen stiegen nach der Herabstufung jedoch von 15,350 auf 15,483 Prozent.

Ramschstatus für Griechenland

Wie die "Süddeutsche Zeitung" vorab berichtete, will die britische Agentur Fitch die Note für die griechischen Staatsschulden von derzeit BB+ auf B oder B- senken. Damit hätten griechische Anleihen nur noch unteren Ramschstatus. Fitch wollte dies der "SZ" zufolge nicht kommentieren. Auch Moody's plant nach eigenen Angaben, seine Note von derzeit B1 um mehrere Stufen herabzusetzen.

Wie es aus EU-Kreisen hieß, wird beraten, ob weitere Finanzhilfen "nötig sind oder nicht". Auch die "Welt" zitierte am Montag aus EU-Kreisen: "Wir brauchen möglicherweise ein zweites Rettungspaket für Griechenland." 2012 benötigt Griechenland 66 Milliarden Euro, von denen jedoch nur 25 Milliarden aus den vereinbarten Notkrediten kommen.

Überlegungen für ein weiteres Hilfspaket waren auch Thema bei einem Treffen der Schwergewichte der Eurozone am Freitagabend in Luxemburg. Daran hatten neben Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker auch EZB-Präsident Jean-Claude Trichet, EU-Währungskommissar Olli Rehn sowie mehrere Finanzminister teilgenommen.

Eine Umschuldung wurde auf dem Treffen verworfen. Auch ein "Austritt Griechenlands aus dem Euro stand nie und steht nicht zur Debatte", sagte der Sprecher von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Steffen Seibert. "Spiegel Online" hatte von solchen Erwägungen berichtet. Auch OECD-Generalsekretär Angel Gurría sagte in Mailand, die Krise in Griechenland sei durch die Hilfspakete "gezügelt" worden, vielleicht seien aber "zusätzliche Hilfsmittel nötig".

swd/AFP / AFP