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Ex-Deutsche-Bank-Chef: Was Ackermann wirklich sagen wollte

Josef Ackermann hat gar nicht "Verlierer" gemeint, als er seine Nachfolger bei der Deutschen Bank, Jain und Fitschen, als "Loser" bezeichnete. Über die Tücken des Schweizerdeutschen.

Von Stefan Weigel

Weite Teile der deutschen Bankgeschichte müssen neu geschrieben werden: Ackermann nennt Nachfolger "Loser", hieß es in gewohnt fetten Lettern auf Seite eins der Financial Times Deutschland (FTD). Eine Lach- und Krachgeschichte aus dem großen Reich der Deutschen Bank. Unsere Autoren hatten erfahren, dass sich der frühere Konzernchef Josef Ackermann in vertrauter Runde despektierlich über seine Nachfolger Anshu Jain und Jürgen Fitschen geäußert haben soll. Ein brisanter Vorgang, denn als Verlierer lassen sich schon Silbermedaillengewinner nur ungern bezeichnen, für Führungskräfte ist ein solches Kompliment vom Ex-Boss so hilfreich wie Mundgeruch beim ersten Date. Grund genug, damit die Zeitung aufzumachen.

Die Reaktion kam prompt: "Ich weise diese böswillige Behauptung zurück und behalte mir rechtliche Schritte vor", ließ Josef Ackermann der Nachrichtenagentur Reuters ausrichten. Zack, das saß. Dabei hatten wir doch mehrere Quellen, den Artikel vor dem Druck der Rechtsabteilung vorgelegt und über verschiedene Wege Josef Ackermann Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben. Und dann so was.

Großes Rätseln in der Redaktionskonferenz der FTD. Könnte es sich möglicherweise um ein Missverständnis handeln? Könnte Ackermann im vertrauten Kreise falsch verstanden worden sein? Nicht ganz ausgeschlossen, immerhin ist er Schweizer.

Vielleicht hat er "Luuser" oder "Luschä" gemeint

Zum Glück gibt es das Internet, und in einer seiner Schubladen mit der Aufschrift www.dialektwoerter.ch ein Verzeichnis von Begriffen aus dem Schweizerdeutschen. Und tatsächlich: Wenn der Schweizer jemanden einen "Luuser" nennt, dann meint er nicht etwa einen Verlierer, sondern einen frechen, schlauen Jungen. Redaktionsrätsel gelöst!

Aber Moment mal. Wenn Josef Ackermann seine Nachfolger im kleinen Kreis als freche, schlaue Jungs bezeichnet - warum sollte er das dementieren und sogar rechtliche Schritte ankündigen? Möchte er nicht, dass jemand seine Nachfolger für freche, schlaue Jungs hält? Kaum vorstellbar. Es muss eine andere Erklärung geben. Einen Lösungsansatz bietet wieder www.dialektwoerter.ch: Vielleicht hat Josef Ackermann etwas undeutlich gesprochen - was nicht ausgeschlossen ist, schließlich ist er Schweizer. Vielleicht hat er also gar nicht "Luuser" gesagt, sondern "Luschä". Das heißt zwar auch nicht "Verlierer", sondern "Dummkopf". Aber das wäre wenigstens ein Grund für ein Dementi.

Stefan Weigel / FTD