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Export: Die Chinesen kommen

Deutschland ist Exportweltmeister. Aber nicht mehr lange, meint die Bundesagentur für Außenwirtschaft. Denn China holt kräftig auf: mit Elektronik, Textilien - und Plüschmäusen in pinken Kleidchen, wie auf der Spielzeugmesse zu beobachten war.

Hartz IV, Rente mit 67, Massenarbeitslosigkeit - egal. Die Deutschen konnten immer ihr Herz daran wärmen, dass die Nation Exportweltmeister ist. Doch damit ist bald Schluss. Voraussichtlich 2008 wird China diesen stolzen Titel tragen. Bereits in diesem Jahr werde die Volksrepublik die USA - bislang Nummer zwei - abhängen und sich mit Deutschland ein "Kopf-an-Kopf-Rennen liefern", sagte der Direktor der Bundesagentur für Außenwirtschaft (BFAI), Gerd Herx, in Köln.

Mit Ausfuhren lasse China 2008 dann Deutschland hinter sich, obwohl die deutschen Exporte weiter kräftig zulegen werden. Maßgeblich für den Erfolg der Chinesen bei den Ausfuhren seien elektronische Erzeugnisse, sagte Herx. Textilien und Bekleidung stellen laut BFAI den zweitgrößten Exportposten Chinas.

Maßgeblich für den Erfolg der Chinesen sind laut BFAI die Ausfuhr von elektronischen Geräten und Textilien. Dass darunter häufiger Plagiate zu finden sind, ist ein offenes Geheimnis. Der Trend zum Raubkopieren sei ungebrochen, so das BFAI - obwohl die chinesischen Gesetze verschärft worden seien. Die Chinesen hätten außerdem einen "kreativen Umgang mit importierten Technologien", sagt Corinne Abele, China-Expertin des BFAI. Doch das Ausland verliert nicht nur durch den chinesischen Exportboom - schließlich ist verdient es kräftig mit. 60 Prozent aller chinesischen Exporte würden von Firmen produziert, an denen ausländische Investoren beteiligt seien.

Diese Firmenkontruktionen ist offenbar auch bei der Spielzeugproduktion gang und gäbe. "China ist vor allem als Fabrikationsstandort für viele unserer europäischen Aussteller interessant", sagt eine Sprecherin der Nürnberger Spielwarenmesse. Aber die Chinesen gehen auch mit eigenen Produkten ins Rennen. Mit 298 Firmen steht China auf der Rangliste der Aussteller hinter Deutschland auf Platz zwei. In einer eigenen Halle präsentieren die Herren und Damen aus dem Fernen Osten vielerlei, was deutsche Kinder künftig beglücken soll: Plastikschaufeln, Plüschtiere, Bälle und aufblasbare Weihnachtsmänner. High-Tech Produkte wie elektronische Haustiere, die mittels Sensoren auf ihre Besitzer reagieren, sind bei den Chinesen nicht zu finden. Noch nicht.

Thomas Krause mit DPA