Exportschlager Deutsche beliefern Königshäuser in aller Welt


Der Sultan von Oman ist treuer Fan, Großbritanniens "Queen Mum" hatte dort regelmäßig ihre Weihnachtsgeschenke gekauft und auch Juweliere wie Tiffany's und Bulgari sind Abnehmer: Die Rede ist von Idar-Obersteins Edelsteinhändlern.

340 Kilogramm Bergkristall hat Manfred Wild für sein jüngstes Werk verschliffen: einen durchsichtigen Globus, auf dessen Oberfläche die Weltkarte eingraviert ist. Nur ein Land ist mit rotem Rubin eingefasst: Oman. Im Inneren der Weltkugel sitzt eine mit Steinen verzierte Uhr aus Gold, die an den Londoner "Big Ben" erinnert und sich zu jeder vollen Stunde oben aus dem Globus erhebt. Das 100 Kilo schwere Kunstwerk ist für den neuen Palast im Oman bestimmt und kostet 1,5 Millionen Euro.

Der Sultan von Oman ist seit langem treuer Abnehmer von Wilds Objekten. Unter anderem zieren seine Gemächer ein mit Steinen besetztes Segelschiff aus Bergkristall und ein dekorativer Fliederstrauch aus Gold mit Tausenden von Edelstein-Blüten. Auch der König von Brunei schwört auf Wilds Werkstatt. Er besitzt ein minutiös gearbeitetes Karussell aus 14 Kilogramm Gold und 10.500 Einzelteilen. Und die britische Königinmutter ("Queen Mum") hat regelmäßig Weihnachtsgeschenke bei dem Edelsteinkaufmann erworben. Ihr gefielen vor allem Parfümflacons und kleine Dosen aus Edelsteinen und Gold.

Kontaktleute kommen "under cover"

"Oft weiß ich nicht, wohin meine Stücke gehen", erzählt der 61-Jährige, dessen Familie seit dem Jahr 1630 von Edelsteinen lebt. Spezielle Auftragsarbeiten ausgenommen, liefert er an namhafte Juweliere von Tiffany's bis Bulgari, die dann weiter verkaufen. "Und dann sehe ich die Sachen plötzlich im Fernsehen", erzählt er. Wie ein Ei aus Bergkristall, das mit Gold und Diamanten verziert war: Das hatten die Vereinigten Arabischen Emirate dem spanischen Kronprinzen Felipe zur Hochzeit geschenkt. Und eines seiner Segelschiffe entdeckte er in einem Fernsehbeitrag über den Butler von Prinzessin Diana, der Teile ihres wertvollen Besitzes unterschlagen hatte.

Auch Axel Henn liefert an die "Schönen und Reichen" dieser Welt. Namen mag er aber nicht nennen, seine Kunden verlangen höchste Diskretion. Kontaktleute kommen "under cover" und bestellen für ihre königlichen Auftraggeber. "Viele Könige, die heute noch Macht haben, leben in totalitären Systemen, in denen sie Luxus-Stücke lieber in ihren Palästen verstecken", sagt Henn. Angefertigt wird alles, was gewünscht wird: Vom Gold-Blütenstrauß über den Rubinspiegel, den Aquamarin-Falken bis hin zu intimen Werken wie einem erigierten Penis aus Bergkristall. Die Preise seiner Hochkaräter bewegen sich im sechs- bis oberen siebenstelligen Eurobereich. Ausgeliefert wird persönlich, auch an Popstars.

"Die Stücke müssen einem selbst ja nicht gefallen", sagt Wild. Er selbst würde sich auch nicht längst alles in die Wohnung stellen. "Die arabischen Herrscher aber lieben 'Glitter' und 'Glamour'." In Idar-Oberstein gibt es rund 450 Betriebe in der Edelsteinbranche mit etwa 2500 Beschäftigten.

"Die Top-Qualität der Welt kommt nach Idar-Oberstein"

Edelsteinschleifer Helmut Wolf ist ebenfalls in den Palästen rund um den Globus bekannt. Der König von Marokko hat sein Kaffeeservice aus Jade gekauft und die britische Königin Elizabeth II. eine Achatschale. Zu seinen Meisterstücken zählt der 56-Jährige eine 1,35 Meter hohe Bergkristallvase und eine Schale aus 600 Kilo Rohstein.

Nach Angaben des Geschäftsführers des Bundesverbandes der Edelstein- und Diamantindustrie, Jörg Lindemann, sind Wild, Wolf und Henn die "Top 3" der Branche. "Sie stehen einsam an der Spitze", sagt der Jurist. Sie sorgten dafür, dass "die Top-Qualität der Welt nach Idar-Oberstein kommt". Namentlich genannt werden will aber kein Kunde. Auch dafür hat Wild eine Erklärung: "Die exklusiven Juweliere dieser Welt können doch nicht zugeben, dass ihre Ware aus dem Hunsrück stammt."

Birgit Reichert/DPA


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