Finanzkrise VW-Aktie entrinnt Abwärtssog


Volkswagen widersetzt sich dem Sog: Der Dax fällt, doch die VW-Aktie steigt steil nach oben und legt um fast 90 Prozent zu. Weltweit rutschen die Kurse - die japanische Börse ist gar auf den tiefsten Stand seit 26 Jahren gesunken. Die Händler sprechen von einem Blutbad.

Der deutsche Aktienmarkt hat am Montag angesichts schwacher Vorgaben deutliche Verluste verbucht. Gegen Mittag fiel der Dax um 4,67 Prozent auf 4095 Punkte und hielt sich damit deutlich besser als die anderen Indizes. Grund dafür war der Kurssprung der VW-Aktie, ohne den der Leitindex ein zusätzliches Minus von rund 200 Punkten verzeichnet hätte. Der MDax gab 6,11 Prozent auf 4753 Zähler ab, und der Tecdax sank um 5,65 Prozent auf 452 Punkte. "Wir sehen eine gewisse Panik am Markt, die rational nicht mehr erklärbar ist", sagte Marktstratege Hans-Jürgen Delp von der Commerzbank.

VW steigt um fast 90 Prozent

Titel von Volkswagen schossen als einziger Dax-Gewinner um fast 90 Prozent nach oben. Auf dem Weg zur Mehrheitsübernahme hat Porsche laut einer Meldung vom Sonntag seinen VW-Anteil auf 42,6 Prozent aufgestockt und hält zusätzlich 31,5 Prozent in Form von Optionen zur Kurssicherung. Einem Händler zufolge sind im vergangenen Monat rund 15 Prozent der Stammaktien an Leerverkäufer verliehen gewesen. Diese müssen sich jetzt mit VW-Papieren eindecken - das Angebot ist aber sehr gering, da nur noch ein geringer Streubesitz zur Verfügung steht. Folglich schießt der Kurs nach oben.

Dagegen verloren Aktien der Deutschen Post 17,0 Prozent auf 8,02 Euro. Der Logistiker senkt das Ziel für den Jahresgewinn vor Zinsen, Steuern und Sonderposten von 2,9 auf 2,4 Milliarden Euro. Für Postbank-Papiere ging es nach der Bekanntgabe einer Kapitalerhöhung und schwachen Quartalszahlen um 21,4 Prozent auf 14,75 Euro nach unten. Merck-Titel verbilligten sich in Reaktion auf die Zahlenvorlage um 9,5 Prozent auf 58,80 Euro.

Nikkei stürzt ab

Trotz weiterer Staatshilfen in Japan und einer massiven Zinssenkung in Südkorea hatten zuvor bereits die Börsen in Fernost einen erneuten Absturz erlebt. Der Nikkei-Index fiel am Montag zeitweise auf 7156 Punkte, so tief wie seit 1982 nicht mehr - als Ronald Reagan Präsident der USA war und Sony seinen ersten CD-Player herausbrachte. Die meisten anderen Märkte in Fernost folgten Japan auf dem Fuß, nur Südkorea konnte sich in den positiven Bereich retten und schloss fester. Der Nikkei-Index vollzog nach einem positiven Auftakt eine Kehrtwende und verzeichnete zum Handelsende einen kräftigen Verlust von 486,18 Punkten oder 6,36 Prozent bei 7162,90 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index schloss mit einem Minus von 7,4 Prozent bei 746 Punkten.

Die Börse in Taiwan hielt ihre Verluste unter fünf Prozent, in Singapur sammelte sich ein Minus von mehr als acht Prozent an. Kleinere Börsen wie die in Manila gingen vollends in die Knie und verzeichneten Einbußen von mehr als zwölf Prozent. Händler sprachen von einem Blutbad. "Es wurde alles quer Beet verkauft", sagte ein Anleger. Auch die Märkte in Shanghai und Hongkong tendierten tief in den roten Zahlen. Nur Südkorea konnte sich nach einer Talfahrt bis auf minus fünf Prozent in den letzten Handelsminuten mit dem Zinsaufwind für die Banken ins Plus retten.

In Japan prägten wachsende Sorgen über einen hohen Kapitalbedarf einheimischer Banken das Geschäft. Daneben lasteten auch schwindende Wachstumsaussichten großer Export-Konzerne wie Canon auf dem Markt. Da der japanische Yen sich gegenüber dem Dollar verteuerte, rechneten die Händler mit schlechten Exportgeschäften der Börsenschwergewichte. Canon-Anteile verbilligten sich um knapp elf Prozent.

Die Aktien großer japanischer Banken verloren bis zu 15 Prozent. Anleger fürchteten, dass die Institute Milliarden Dollar brauchen, um die Folgen der Krise abzufedern. Allein der größte Kreditgeber des Landes, die Mitsubishi UFJ-Finanzgruppe, erwägt nach Angaben aus Finanzkreisen eine Kapitalerhöhung um umgerechnet knapp neun Milliarden Euro. Die Nummern zwei und drei am japanischen Bankenmarkt, Mizuho und Sumitomo Mitsui, benötigen Medienberichten zufolge jeweils rund 4,3 Milliarden Euro. Zwar leiden Japans Banken nicht unter faulen Krediten wie die Institute aus den USA oder Europa. Ihnen macht jedoch der Kursverfall der Aktien zu schaffen. Die japanischen Geldhäuser halten seit jeher hohe Anteile an der Aktien ihrer Unternehmenskunden.

Tokio kündigt weitere Hilfen an

Die japanische Regierung stellte Banken und Finanzmärkten ein Maßnahmenpaket zur Stabilisierung der Wirtschaft in Aussicht. Demnach will die Regierung ihr Programm zur Kapitalaufstockung der Banken ausdehnen. Zudem soll es strengere Regeln gegen Leerverkäufe von Aktien geben. Dabei handelt es sich um Verkäufe von Wertpapieren, die der Verkäufer zum Zeitpunkt der Veräußerung noch nicht besitzt. Er profitiert dann von dem Leerverkauf, wenn der verkaufte Wert im Preis sinkt. Solche Geschäfte werden als ein Faktor hinter den jüngsten Kursrückgängen gesehen.

Unterstützung für den Yen lieferten die sieben wichtigsten Industriestaaten (G7), die ihren Schulterschluss gegen zu starke Wechselkursschwankungen bekräftigten und dabei besonders die japanische Währung erwähnten. In einer in Washington verbreiteten Erklärung hieß es am Montag, die G7-Staaten seien "besorgt über die jüngsten übertriebenen Schwankungen im Yen-Kurs und ihrer denkbaren negativen Folgen für die Stabilität von Wirtschaft und Finanzen". Die Finanzminister und Notenbankchefs kündigten zudem an, die Situation weiter genau zu beobachten "und angemessen zusammenzuarbeiten".

Reuters/AP AP Reuters

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker