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Ins Kleingedruckte gucken Die Tücken des Fitnessstudio-Vertrags: So werden Sie ihn wieder los

Fitnessstudio
Wer sich im Fitnessstudio anmeldet, sollte auch wissen, wie seine Kündigungsbedingungen sind
© Getty Images
Zum Jahresanfang melden sich viele ganz motiviert im Fitnessstudio an. Doch was, wenn man vor Ablauf der Vertragslaufzeit wieder raus will? Das geht nicht so leicht. Was bei Krankheit, Schwangerschaft oder Umzug gilt.

Nach der Völlerei an den Weihnachtstagen fassen viele Menschen fürs neue Jahr den Entschluss, endlich mehr Sport zu treiben. Die Zahl der Neuanmeldungen in Fitnessstudios geht zum Jahresanfang traditionell steil nach oben. Das Problem ist nur: Man muss auch hingehen, um fitter zu werden.

Doch mit der Motivation ist es so eine Sache. Wer anfangs noch diszipliniert zwei Mal die Woche hingeht, schafft es im Frühjahr vielleicht noch einmal die Woche - und wünscht sich spätestens in den Sommermonaten, er hätte niemals diesen langfristigen Vertrag abgeschlossen. Denn die Fitnessstudios wissen natürlich um den Effekt der nachlassenden Motivation und verpflichten Neumitglieder in der Regel gleich für mindestens 12 oder 24 Monate.

Wer einen Fitnessstudiovertrag unterschreibt, sollte sich daher auf jeden Fall bewusst sein, wie er aus dem Vertrag wieder herauskommt. Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Wie ist meine Kündigungsfrist?

Wer schon nach wenigen Monaten wieder aussteigen will, hat meist Pech. Denn in der Regel kann man frühestens zum Ende der Mindestvertragslaufzeit kündigen. Die Kündigungsfrist kann bis zu drei Monate betragen. Wenn man den Zeitpunkt verpasst, verlängert sich der Vertrag meist automatisch um ein weiteres Jahr. Es gibt auch Fitnessstudios bei denen man quartalsweise kündigen kann. Wer sich nicht beim ersten Termin festlegen will, kann fragen, ob ein kostenloser Probemonat drin ist.

Wann kann ich außerordentlich kündigen?

Nicht nur der Kunde muss sich an den Vertrag halten, sondern auch der Betreiber des Fitnessstudios. Erfüllt er seine vertraglichen Pflichten nicht, kann ein Sonderkündigungsrecht greifen. Dies kann laut Verbraucherzentrale zum Beispiel vorliegen, wenn das Studio wegen Umbauarbeiten monatelang unbenutzbar ist oder die Trainingszeiten unzumutbar verkürzt werden. Der Kunde muss dem Fitnessstudio aber zunächst schriftlich eine angemessene Frist einräumen, innerhalb der die Probleme behoben werden können.  

Sophie Gray

Kann ich bei Umzug kündigen?

Trainieren möchte man in der Regel nahe des Wohnortes. Ein Umzug ist aber nicht grundsätzlich ein Grund für eine außerordentliche Kündigung. Der Bundesgerichtshof entschied 2016, dass ein Zeitsoldat trotz berufsbedingter Versetzung in eine andere Stadt seinen Fitnessstudio-Vertrag in Hannover weiter zahlen müsse (Az. XII ZR 62/15). Auch wenn die Verbraucherzentrale darauf verweist, dass Amts- und Landgerichte in Einzelfällen auch schon anders geurteilt haben, kann man also auf den Kosten sitzen bleiben. Manche Studios regeln den Fall in den Vertragsbedingungen, bei anderen kann man nur an die Kulanz des Betreibers appellieren. Wer bei einer Kette ist, kann gegebenenfalls in einer anderen Filiale weitertrainieren.

Kann ich bei Krankheit kündigen?

Eine hartnäckige Erkältung oder eine Grippe reichen dafür nicht aus. Eine dauerhafte Erkrankung, die das Training im Fitnessstudio unmöglich macht, ist aber sehr wohl ein Grund, wie der BGH 2012 geurteilt hat (Az. XII ZR 42/10). Das Fitnessstudio hat in jedem Fall das Recht, ein ärztliches Attest einzufordern. In diesem sollte die Sportunfähigkeit ausdrücklich bescheinigt sein, die konkrete Art der Erkrankung muss dagegen nicht genannt werden.

Kann ich bei Schwangerschaft kündigen?

Auch eine Schwangerschaft zählt der BGH in oben genanntem Urteil zu den Gründen, die eine außerordentliche Kündigung wegen Sportunfähigkeit rechtfertigen können. Manche Fitnessstudios räumen die Kündigung bei Schwangerschaft auch bereitwillig in ihren Vertragsbedingungen ein. Andere wollen den Vertrag nur pausieren und hängen diese Zeit gegebenenfalls hinterher an die ursprüngliche Vertragszeit an.

Kann ich wegen längeren Urlaubs kündigen?

Nein, einen Urlaub akzeptiert wohl kein Fitnessstudio als Kündigungsgrund. Wer ein Jahr auf Weltreise geht oder ähnliches, kann allenfalls versuchen, den Vertrag in dieser Zeit zu pausieren. 

Ins Kleingedruckte gucken: Die Tücken des Fitnessstudio-Vertrags: So werden Sie ihn wieder los

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