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Fleischskandal: "Eindeutig genussuntauglich"

Trotz der Fleischskandale um zwei niedersächsische Zerlegebetriebe sehen die Behörden keine Versäumnisse bei den Lebensmittelkontrollen. Bundesumweltminister Jürgen Trittin sieht das allerdings anders.

Die Staatsanwaltschaft sieht in Zusammenhang mit dem niedersächsischen Fleischskandal keine Versäumnisse bei der Lebensmittelüberwachung. Es gebe "keine Anhaltspunkte für ein Überwachungsverschulden" des Landkreises Cloppenburg und des Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES), teilte die Staatsanwaltschaft Oldenburg am Donnerstag mit. Inzwischen hätten Untersuchungen gezeigt, dass 24 von 68 Geflügelfleischproben des Unternehmens "eindeutig verdorben" waren. Ob das Fleisch zudem auch mit Salmonellen belastet ist, sollen weitere Tests klären. Die Ergebnisse könnten an diesem Freitag vorliegen.

Trittin kritisiert Niedersachsen

Bundesumweltminister Jürgen Trittin hat indes den niedersächsischen Behörden im Skandal um den Handel mit verdorbenem Geflügelfleisch Versäumnisse vorgeworfen. "Es ist merkwürdig, dass solche Skandale nicht von den zuständigen Veterinärbehörden, sondern von anderen aufgedeckt werden", sagte Trittin der Oldenburger "Nordwest-Zeitung". Die Kontrolleure seien zwar vor Ort gewesen, hätten aber nichts entdeckt. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft Oldenburg trifft die Behörden kein Verschulden.

"Eindeutig genussuntauglich"

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft und des LAVES wurden insgesamt 68 Fleischproben in der Lagerhalle des Unternehmens in Lastrup und im Verarbeitungsbetrieb im wenige Kilometer entfernten Lindern genommen. Jeweils 12 Proben waren nach Untersuchungen des LAVES verdorben. Auch drei Proben aus einem belieferten Betrieb in Solingen (Nordrhein-Westfalen) hätten sich als "eindeutig genussuntauglich" erwiesen. In Berlin untersuchte Proben wurden dagegen als unbedenklich eingestuft.

Geflügelfleisch mit Wasser versetzt

Inzwischen sei auch nachgewiesen, dass Geflügelfleisch mit eingespritztem Wasser schwerer gemacht wurde, teilte das LAVES mit. Bei vier Proben sei ein Fremdwassergehalt zwischen 4,5 und 10,3 Prozent gefunden worden. Laut Staatsanwaltschaft besteht der Verdacht, dass mehrere Tonnen mit Wasser manipuliertes Putenfleisch verbotenerweise in den Handel gelangt sind.

Die sensorische Untersuchung reicht aus

Untersuchungsergebnisse über eine mögliche Salmonellen-Belastung lagen am Donnerstag zunächst nicht vor. "Die mikrobiologischen Untersuchungen dauern leider relativ lang", sagte LAVES-Präsident Eberhard Haunhorst der dpa. Der Nachweis von Keimen sei zwar interessant und möglicherweise im Falle einer Verurteilung des betroffenen Unternehmers für das Strafmaß relevant. "Der sensorische Befund reicht jedoch aus, um sagen zu können, dass das Fleisch verdorben und nicht zum Verzehr geeignet ist. Damit liegt dann auch ein eindeutiger Verstoß gegen lebensmittelrechtliche Bestimmungen vor", meinte Haunhorst.

Verdorbenes Geflügelfleisch als frisch verkauft

Das Geflügelfleisch stammte aus Betrieben einer Firma in Lastrup und Lindern bei Cloppenburg. Gegen das Unternehmen ermittelt die Staatsanwaltschaft. Die Anklagebehörde wirft Verantwortlichen der Firma den Verstoß gegen das Lebensmittelgesetz und gewerbsmäßigen Betrug vor. Die Beschuldigten sollen tiefgefrorenes Geflügelfleisch unsachgemäß aufgetaut und als Frischfleisch verkauft haben. Von den Abnehmern beanstandetes und zurückgeschicktes Fleisch soll eingefroren und später wieder als Frischfleisch verkauft worden sein.

"Mangelhafte Lagerung durch Abnehmerbetriebe"

Der Anwalt des beschuldigten 45 Jahre alten Unternehmers wies die Vorwürfe gegen seinen Mandanten erneut zurück. Seitens des betroffenen Betriebes sei kein verdorbenes Fleisch in den Handel gelangt. Es müsse überprüft werden, inwieweit bereits mangelhafte Ware aus dem Ausland an den Standort Lindern geliefert wurde. Zudem könne "eventuelle mangelhafte Lagerung und Behandlung des gelieferten Fleisches durch Abnehmerbetriebe nicht dem betroffenen Geschäftsführer angelastet werden", sagte Rechtsanwalt Axel Husheer. Bei der Staatsanwaltschaft hat der Beschuldigte nach Angaben eines Sprechers bisher noch keine Angaben gemacht.

"Der Fall ist für uns Anlass, konkret zu überlegen, wie man solche kriminellen Machenschaften in Zukunft verhindern kann", sagte ein Sprecher des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums in Hannover. Dazu werde es nach Abschluss der Ermittlungen einen runden Tisch mit Vertretern des Ministeriums, des LAVES und der Landkreise geben.

DPA/Reuters / DPA / Reuters