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Fleischskandal: Schlachtabfälle verwurstet

Die Fleischskandale weiten sich aus: In Niedersachsen ist jetzt ein Händler aufgeflogen, der 130 Tonnen Schlachtabfälle verwurstet und verkauft hat. Wegen ähnlicher Vorwürfe steht auch ein 40-Jähriger in Memmingen vor Gericht.

Ein niedersächsisches Unternehmen hat rund 130 Tonnen Schlachtabfälle zu Wurst verarbeitet oder über andere Wege in den Handel gebracht. Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft Oldenburg steht der Betrieb im Landkreis Vechta im Verdacht, so genanntes Stichfleisch mit ordnungsgemäßer Ware vermischt und nach Russland sowie Rumänien verkauft zu haben, sagte ein Sprecher der Anklagebehörde.

Nun müsse geklärt werden, wie eine Firma dieser Größe tonnenweise Schlachtabfälle in den Lebensmittelhandel habe bringen können. Die Ermittlungen beziehen sich auf die Zeit zwischen August 2004 und Juli 2005.

Mit Keimen belastet, für den menschlichen Verzehr ungeeignet

Stichfleisch ist das Fleisch um die Einstichstelle beim Schlachten und wird etwa zu Katzen- oder Hundefutter sowie technischen Fetten verarbeitet. Es ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft zufolge häufig mit Keimen belastet, stark von Blutergüssen durchsetzt und deshalb für den menschlichen Verzehr ungeeignet.

Ermittelt wird dem Sprecher zufolge gegen den Senior- und den Juniorschef sowie zwei Angestellte des Betriebes wegen Verstoßes gegen das Lebensmittelgesetz. Ihnen drohen laut Staatsanwaltschaft Geldstrafen oder eine Haftstrafe von etwa einem Jahr, sagte er.

Der Betrieb bezog der Behörde zufolge Ware von dem Gelsenkirchener Unternehmer, der den Gammelfleischskandal vor fast einem Jahr ausgelöst hatte und gegen den Ende August Anklage erhoben worden war. Dessen Firma hatte nach Darstellung der Ermittler ohne eine entsprechende Genehmigung von Schlachthöfen Stichfleisch für 10 bis 30 Cent je Kilogramm erworben, in Blöcke gefroren und an Konkurrenten sowie Wurstfabrikanten für 50 bis 90 Cent je Kilogramm weiterverkauft.

Einer dieser Abnehmer war den Angaben zufolge die Firma in Vechta, auf den die Oldenburger Ermittler durch ihre Kollegen in Essen aufmerksam gemacht wurden. Das in Vechta verwendete Stichfleisch sei als solches gekennzeichnet gewesen.

In großem Stil Schlachtabfälle importiert

Im Süden des Landes hat derweil der Prozess um den ersten Fall einer Serie von Fleischskandalen in Bayern begonnen. Die Anklage wirft dem ehemaligen Geschäftsführer der mittlerweile insolventen Deggendorfer Frost vor, er habe ebenfalls in großem Stil Schlachtabfälle importiert und als Lebensmittel weiterverkauft. Auch diese Schlachtabfälle seien nicht für den menschlichen Verzehr geeignet gewesen. Der 40 Jahre alte Angeklagte habe gewusst, dass die von ihm belieferten Firmen die Fleischabfälle für die Nahrungsmittelproduktion verwenden wollten.

Der Angeklagte selbst schwieg vor dem Memminger Landgericht zu den Vorwürfen und machte nur Angaben zur Person. Seine Anwälte verlasen jedoch eine Erklärung, in der die Vorwürfe der Anklage zurückgewiesen wurden.

Kein Betrug an den Abnehmerfirmen

Die Fleischwaren seien für den Zweck, für den sie gekauft worden waren, tauglich gewesen, hieß es in der Erklärung. Damit liege kein Betrug an den Abnehmerfirmen vor. Die vom Angeklagten gehandelten Schweineschwarten seien zulässige Ausgangsmaterialien für die Herstellung von Gelatine gewesen, argumentierten die Verteidiger.

Die Anklagebehörde sei zwar der Auffassung, dass es sich um Material der so genannten Kategorie III gehandelt habe, das nach EU-Recht nicht für die Lebensmittelproduktion verwendet werden darf. Untersucht worden sei das Material aber nicht.

Reuters/DPA / DPA / Reuters