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ZDFzoom Doku-Tipp: Deutsche Schlachtabfälle landen in Westafrika

In Liberia ist das Importfleisch so billig, dass die Produzenten im eigenen Land nicht wirtschaften können. Schuld daran ist auch der Abfall deutscher Geflügelhalter, wie eine ZDF-Doku zeigt.

Von Denise Wachter

Deutsche essen am liebsten Hühnerbrust. Hähnchenkeule oder Chicken Wings sind weniger beliebt beim Verbraucher. Die Hühnerbrust macht aber nur 23 Prozent des Gesamtgewichtes aus. Was mit dem Rest des Tiers passiert, zeigt ein Dokumentarfilm auf ZDF heute Abend um 23.15 Uhr: "Hähnchenreste auf Reisen. Das Geschäft mit unserem Abfall" nennt sich der schockierender 28-minütiger Film über den Export von Hähnchenabfällen in westafrikanische Länder.

Vor allem das vom Bürgerkrieg gebeutelte Liberia ist großer Abnehmer der Hähnchenabfälle. Im Jahr 2012 importierte das Land der Doku zufolge 42 Millionen Kilo Geflügelabfälle aus Deutschland. Auf dem Red Light Market in der liberischen Hauptstadt Monrovia gibt es: Füße, Hälse und Rücken, aber keine Spur von Hähnchenbrust oder gar ganzen Hühnern.

"Was wir nicht essen wollen, landet auf den Straßen in Afrika", heißt es in der ZDF-Doku. Unsere Schlachtabfälle werden zum Eintopf in Liberia. Sie werden gefroren nach Liberia geliefert. Da es im Land immer wieder Probleme mit der Stromversorgung gibt, kann die permanente Kühlkette nicht gewährleistet werden. Somit ist das Fleisch Keimen ausgesetzt. Und das nicht zu knapp. Proben des Fleisches vom Markt in Monrovia hätten Fäkalkeime und E.coli Bakterien aufgewiesen, die Hauptauslöser für Infektionskrankheiten.

Das billige Importfleisch bringt aber nicht nur gesundheitliche Probleme mit sich, sondern auch wirtschaftliche. Denn es torpediert die Produktion im eigenen Land, da die Ware auf den Märkten sehr viel günstiger ist als die Selbstproduzierte.

Die Dokumentation deckt auf, dass ein Exporteur zur Marke Wiesenhof gehört. Von angefragten Geflügelkonzernen gibt es nur ausweichende Antworten und keine konkreten Stellungnahmen zur Abfallentsorgung in Liberia: Das Geschäft machen, nach Aussagen der Geflügelkonzerne, Zwischenhändler. Die Ware sei in Deutschland einwandfrei und man gebe den Ländern in Afrika die Chance ihren Proteinbedarf zu decken.