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Hilfe für Flüchtlinge: Wenn eine Spendenaktion im Chaos endet

Das Rote Kreuz, Hermes und Rebuy starteten gemeinsam eine Aktion, kostenlos wollen sie Kleiderspenden verschicken. Zwei Wochen später versinkt das Projekt im Chaos - ein Lehrstück über: gut gedacht, schlecht gemacht.

Von Alica Müller

Helfer sortieren Kleiderspenden in einem Flüchtingsheim

Tausende Deutsche spenden für Flüchtlinge. Die wahre Herausforderung ist es aber oft, die Sachspenden zu organisieren und zu verteilen.

Selbst wenn es um den guten Zweck geht - man sollte nicht unterschätzen, wie kompliziert Verbandsstrukturen sein können. Das musste die Verkaufsplattform Rebuy lernen, die zusammen mit dem Deutschen Roten Kreuz und Hermes Spenden für Flüchtlinge sammeln wollte.

Ende August berichtete auch der stern über die Initiative: Auf der Rebuy-Website konnte man sich Versandetiketten runterladen, mit denen man aus ganz Deutschland Kleiderspenden für Flüchtlinge kostenlos verschicken konnte. Diese sollten dann an das Deutsche Rote Kreuz weitergeleitet werden, um von einer zentralen Sammelstelle aus in Flüchtlingsheime geleitet zu werden.

DRK mahnte Rebuy ab

Tausende Nutzer luden sich am ersten Tag den Versandaufkleber runter, über soziale Medien verbreitete sich die Aktion schnell. Den Aufkleber konnte man noch bis Montagmorgen auf der Rebuy-Website aufrufen. Laut dem Roten Kreuz aber ist die Aktion schon seit zwei Wochen beendet und basiert auf einem Missverständnis - der Bundesverband scheint von Anfang an auf das Ende der Spenden gehofft zu haben.

Bundesverband ist nicht Kreisverband

Initiiert wurde die Aktion nicht vom gesamten Roten Kreuz, sondern vom Kreisverband Berlin Wedding / Prenzlauer Berg. Dort sollten die Spenden an unbegleitete Flüchtlinge in einem einzelnen Heim gehen. Laut Rebuy war aber abgesprochen, die Spenden national zu verteilen. Das ist allerdings gar nicht möglich, so das Rote Kreuz: "Eine bundesweite Verteilung ist sehr unrealistisch, dafür haben wir gar nicht die Möglichkeiten", so der Berliner Pressesprecher Rüdiger Kunz. Die Aktion soll regional und zeitlich begrenzt gewesen sein. Nach Angaben des Sprechers endete sie schon vor zwei Wochen, am 31. August.

Laut einer Sprecherin von Rebuy hat sich das Rote Kreuz mittlerweile komplett aus der Organisation zurückgezogen. Das Unternehmen habe sogar eine Abmahnung vom Bundesverband erhalten – weil es auf der Aktionsseite das Logo des Bundes- statt das des Berliner Kreisverbands verwendete.

Spenden sollen trotzdem ankommen

Man habe bei Rebuy deshalb ein Team gegründet, um die Verteilung der insgesamt 6000 Pakete selbst in die Hand zu nehmen – "Ob wir das Rote Kreuz mit im Boot haben oder nicht: die Spenden werden ankommen", so die Sprecherin. Wer noch Versandaufkleber zuhause habe, könne diese immer noch in Hermes-Shops abgeben. Auch das scheint aber nicht reibungslos zur funktionieren. Auf der Rebuy-Facebookseite beschweren sich Nutzer, in einzelnen Paketshops würden keine Päckchen mehr angenommen.

Dieter Schütz, Pressesprecher des Roten-Kreuz-Bundesverbandes, will sich zum aktuellen Chaos der Spendenaktion lieber nicht mehr äußern. Ende August war das noch anders, da sagte er dem SWR, dass er auf ein schnelles Ende der Spenden hoffe. "Es geht nicht, wenn man aus der ganzen Republik Tausende von Paketen bekommt und nicht genau weiß, was davon wirklich gebraucht werden kann und wo."

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