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Führungswechsel: Neue Spitze beim Otto-Konzern

Über 25 Jahre führte Michael Otto den gleichnamigen Familienkonzern und versorgte in dieser Zeit die Republik mit unzähligen Otto-Katalogen. Nun wechselt er in den Aufsichtsrat - doch für das Unternehmen bleibt er eine Schlüsselfigur.

Michael Otto wechselt nach fast 26 Jahren an der Spitze des Hamburger Familienkonzerns Otto mit einer festlichen Gala in den Aufsichtsrat. Rund 350 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur versammeln sich in den Börsensälen der Handelskammer Hamburg, um den hoch geachteten Unternehmer und Mäzen von der Kommandobrücke zu verabschieden. Als Gast angesagt hat sich unter vielen anderen auch Bundespräsident Horst Köhler; Ansprachen halten der Hamburger Handelskammer-Präses Karl-Joachim Dreyer, Bürgermeister Ole von Beust und Helmut Schmidt.

Der große Rahmen scheint dem Ereignis angemessen. Führungswechsel sind beim Hamburger Weltkonzern Otto ein höchst seltenes Ereignis. Wenn Hans-Otto Schrader auf dem Chefsessel Platz nimmt, ist er erst der vierte Otto-Chef in der bald 60-jährigen Unternehmensgeschichte. Schon einmal hat ein familienfremder Manager das Unternehmen geführt: Zwischen dem Unternehmensgründer Werner Otto und seinem ältesten Sohn Michael stand von 1966 bis 1981 Günter Nawrath an der Spitze des Unternehmens. Werner Otto, der heute 98-jährig in Berlin lebt, hatte sich nach einem Herzinfarkt anderen unternehmerischen Aktivitäten zugewandt. In Nawraths Amtszeit schaffte der damalige Otto Versand die erste Umsatzmilliarde (in D-Mark).

Ottos Sohn will mittelfristig ebenfalls einsteigen

Diese Geschichte wiederholt sich jetzt. Der Hauptgesellschafter Michael Otto hat zwei Kinder. Tochter Janina engagiert sich sozial und arbeitete eine Zeit lang als Entwicklungshelferin in Afrika; sie strebt nicht in die Firma. Sohn Benjamin ist 32 Jahre alt und hat in Berlin ein erfolgreiches Unternehmen gegründet. Seine Firma "Intelligent House Solutions" plant und gestaltet gewerbliche und private Räume und rüstet sie mit modernster Elektronik aus. Das Unternehmen des Otto-Sohnes floriert. Er soll und will mittelfristig bei Otto einsteigen; der Zeitpunkt ist jedoch völlig offen. Somit können sich Schrader und sein Vize Rainer Hillebrand auf eine lange Amtszeit einrichten. Sie treten in große Fußstapfen, denn Michael Otto hat in den zweieinhalb Jahrzehnten an der Konzernspitze Otto in völlig neue Dimensionen geführt und von einem Mittelständler zu einem Weltkonzern geformt. Seinen Nachfolgern hat er einiges Gepäck aufgeladen: "Die Otto Group soll im Jahr 2020 die renditestärkste global agierende Gruppe von Einzelhändlern und handelsnahen Dienstleistern sein und sich dabei mit überlegenen Unternehmenskonzepten auszeichnen", fordert er. Das Fundament sei gelegt, die Gruppe bestens für die Zukunft gerüstet. Künftig will Otto als Vorsitzender des Aufsichtsrats weniger als die Hälfte seiner Arbeitszeit mit dem Unternehmen verbringen. "Ich werde ein aktiver Vorsitzender sein", sagt Otto. "Das bringt schon die Rolle des Hauptgesellschafters mit sich." Aus dem operativen Geschäft will er sich heraushalten, aber eine Schlüsselfigur für das Unternehmen bleibt er.

Eckart Gienke/DPA / DPA