Gastgewerbe Verlierer und stolze Gewinner

Die Fußball-Weltmeisterschaft sorgt auch bei den Hotels und Gaststätten in Deutschland für Sieger und Verlierer: Biergärten verzeichnen einen nicht gekannten Andrang, viele Kneipen ohne Fernsehgerät werden dagegen abgestraft.

Nicht nur die Fußball-WM, auch das Gaststättengewerbe kennt krasse Verlierer und stolze Gewinner. "Das Top-Wetter treibt die Leute nach draußen", sagt die Sprecherin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA), Stefanie Heckel. Auch bei den Hotels ist die Zwischenbilanz gespalten. Rund fünf Millionen zusätzlicher Übernachtungen und ein Plus beim Umsatz im gesamten Gastgewerbe von 500 Millionen Euro hatte sich die Tourismus- Wirtschaft von der Fußball-WM erhofft. "Wir sind nach wie vor zuversichtlich, diese Werte zu erreichen", sagt Heckel.

Teils mehr Nachfrage erwartet

Allein die von der FIFA beauftragte Agentur WCAS hat für die WM mehr als eine Million Übernachtungen vermittelt. Doch zahlreiche zunächst für Fußball-Fans geblockte Zimmer sind noch vor dem Beginn der Spiele wieder freigegeben worden. "Es gab auch enttäuschte Hoffnungen, wo Hoteliers bei der WM von viel mehr Nachfrage ausgegangen sind", sagt Heckel.

"Wir sind gut ausgelastet, die WM hat das gebracht, was wir uns erhofft haben", sagt Günter Hampel von der Tourismus+Congress GmbH in Frankfurt. In Berlin, wo in den vergangenen Jahren massiv neue Hotelkapazitäten geschaffen wurden, ist dagegen keine Euphorie zu spüren. Erst etwa 60 Prozent Auslastung sei garantiert, kaum mehr als sonst im Frühsommer, hieß es bei der Marketinggesellschaft der Hauptstadt.

Vorteil für Hotels in Spiel-Städten

Auch die Hotelgruppe Steigenberger mit rund 50 Häusern in den Spiel-Städten hatte mit einer etwas höheren Auslastung gerechnet. Zwar seien die Häuser an den Spieltagen in Berlin oder Frankfurt zu nahezu 100 Prozent ausgelastet, zwischen den Spieltagen kämen aber weniger Gäste als erwartet, sagte Sprecherin Angelika Heyer. "Unsere Erwartungen haben sich erfüllt", meint dagegen Accor-Sprecher Marc Schnerr in München. Die Buchungslage sei gut, trotzdem seien noch Zimmer verfügbar. Der Accor-Konzern erhofft sich vor allem eine langfristig höhere Nachfrage durch den Image-Gewinn für Deutschland.

Zum Teil hätten Hotels vor der Weltmeisterschaft Kongress-Anfragen abgesagt, dann seien die Zimmer aber doch leer geblieben, sagt Heckel. "Solche Großveranstaltungen bergen immer die Gefahr, dass das Stammgeschäft leidet." Man hoffe nun, dass Tagungen und Kongresse im Herbst verstärkt nachgeholt werden - denn normalerweise finden diese gerade im Juni vor Beginn der Sommerferien statt.

Last-Minute-Geschäft in vollem Gang

Für die kommenden WM-Spiele dürften Fans weiterhin noch ohne große Probleme Hotelzimmer finden. "Das Last-Minute-Geschäft ist derzeit im vollen Gange", sagt Heckel. Oftmals würden Fußball-Fans auch buchen, wenn sie keine Karte für das Stadion hätten. "In jeder Kategorie sind noch Zimmer zu haben." Allenfalls müssten Schlachtenbummler notfalls auf Quartiere außerhalb der Zentren oder im Umland der WM-Städte ausweichen.

Unabhängig von den aktuellen Umsätzen ist der DEHOGA überzeugt, dass die WM dem Gastgewerbe hilft. "Wir können ein positives Image von Deutschland in die Welt tragen." Und Heckel ist überzeugt: "Wir sind Weltmeister in der Gastfreundlichkeit."

Rochus Görgen/DPA DPA

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